In Florida hat erstmals ein repräsentativer US-Bundesstaat über die republikanischen Präsidentschaftsbewerber abgestimmt, und das Ergebnis ist deutlich. Mitt Romneys Triumph beruht allerdings kaum auf Argumenten für die eigene Kandidatur. Das ist symptomatisch für die Partei: Ihr fehlen die Konzepte.
Dass ein Urgestein wie Newt Gingrich überhaupt zum Hoffnungsträger der Radikalen werden konnte, ist nur mit Verzweiflung zu erklären. Sie wird allenfalls vom Frust jener Christen überboten, die ihr Weltbild ausgerechnet mit einem Vorkämpfer durchsetzen wollen, der nach zwei Affären in dritter Ehe lebt und sich jede Wahrheit zurechtbiegt, wie es gerade passt. Gingrich verleiht aber dem weißen Wutbürger eine Stimme: So lang es gegen Barack Obama geht, sind Ideale zweitrangig.
Es ist kein Zufall, dass Romney gerade in Florida gewann, wo er selbst aggressiv wurde – gegen Gingrich. Dessen Erfolg hing aber auch damit zusammen, dass es Romneys Kampagne an Strahlkraft fehlt, und das sollte das alarmierte Establishment nicht überraschen: In einer Partei, in der Intellekt zu einem Schimpfwort geworden ist, kommen die einzigen visionären Konzepte vom Rand.
Die Partei hat sich einer Minderheit überlassen, deren Weltbild in der Realität immer weniger Entsprechung findet. Auf Dauer hat eine Gruppierung, die sich derart selbst widerlegt, keine Zukunft. In der Grand Old Party müssen Gemäßigte und Libertäre bald wieder ihren integrativen Platz einnehmen, notfalls um den Preis einer Spaltung. Sonst wird die ganze Partei überflüssig.