publiziert: 02.02.2010 19:33 Uhr
aktualisiert: 02.02.2010 19:33 Uhr
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Streitbarer Aufklärer

Jesuitenpater Klaus Mertes und Missbrauchsfälle
  • Klaus Mertes: Interessen der Opfer haben Vorrang.
    Foto: ddp
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(dpa/ddp) Nach Bekanntwerden von Missbrauchsfällen an Jesuiten-Kollegs in Berlin, Hamburg und dem baden-württembergischen Sankt Blasien hat am Dienstag auch das katholischen Bistum Hildesheim sexuelle Übergriffe auf Minderjährige eingeräumt. Derzeit seien zwei konkrete Fälle bekannt, in mindestens einem Fall sei die Betroffene minderjährig gewesen, sagte ein Bistumssprecher. Beschuldigt wird der Jesuitenpater Peter R., der auch am Berliner Canisius-Kolleg Kinder missbraucht haben soll. R. streitet alle Tatvorwürfe ab. Der in Chile lebende Priester Wolfgang S. indes hat den Missbrauch in Berlin, Hamburg und Sankt Blasien gestanden.

Unterdessen wächst weiter der Respekt vor Jesuitenpater Klaus Mertes, dem heutigen Leiter des Berliner Canisius-Kollegs, der die Missbrauchsfälle der Vergangenheit an der katholischen Eliteschule endlich öffentlich gemacht, sich bei den Opfern entschuldigt und schmerzhafte interne Ermittlungen im Jesuitenorden in Gang gesetzt hatte. „Wichtiger als das Image der Schule ist die Wahrheit. Die Interessen der Opfer haben Vorrang“, sagt Mertes dazu und fordert rückhaltlose Aufklärung.

„Kirche mit Angstproblem“

Es ist längst nicht das erste Mal, dass der 54-jährige Jesuit sich streitbar zu Wort meldet. Das tat er etwa auch in Kolumnen des Berliner „Tagesspiegels“ – vor genau einem Jahr veröffentlichte er dort einen Artikel, in dem er die Aussöhnung des Papstes mit den Holocaust-Leugnern scharf kritisiert. „Die Kirche scheint mir in der Gefahr, weltfremd zu werden“, heißt es darin.

Auch im aktuellen Fall bescheinigte Mertes seiner Kirche ein Angstproblem, vor allem im Umgang mit der Homosexualität: „Wenn sich die Lehre der katholischen Kirche zur Sexualität so weit von den realen Fragestellungen, auch junger Menschen, entfernt, dass sie mit den realen Erfahrungen praktisch nichts mehr zu tun hat, dann führt das die junge Generation zu ganz großen Teilen in eine Sprachlosigkeit.“

Mertes, 1954 in Bonn geboren, trat mit 23 Jahren in den Jesuitenorden ein, studierte Philosophie und Theologie. Der Priesterweihe 1986 folgte der Schuldienst: Zunächst an der Sankt-Ansgar-Schule in Hamburg, 1994 am Berliner Jesuitenkolleg. Dessen Leiter wurde er im Jahr 2000.

Mertes engagiert sich in Sachen Ausländerpolitik, vor allem gegen Abschiebung. Sein jüngstes Werk als Buchautor trägt den Titel „Widerspruch aus Loyalität“. Dass er zu den Missbrauchsfällen in Berlin auf Bitten der Opfer hin zunächst eine Weile geschwiegen hat, bereitet Mertes heute Probleme: „Ob das die richtige Entscheidung war? Mit dieser quälenden Frage muss ich leben.“

    
    

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