publiziert: 03.02.2012 18:42 Uhr
aktualisiert: 03.02.2012 20:07 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text WÜRZBURG/SCHWEINFURT
Studie: Vor allem Kleinkinder von Armut betroffen

Aktuelle Studie: In Schweinfurt leben nach Hof die meisten armen Kinder in Bayern
Die Kinderarmut in Deutschland entwickelt sich insgesamt zwar rückläufig, doch innerhalb der Bundesländer, Landkreise und Städte klaffen die Armutsquoten weit auseinander. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor, die erstmals die Armutsquoten für die Altersgruppe der unter Dreijährigen für alle 412 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland aufzeigt.

Ergebnis der Erhebung: Die unter Dreijährigen tragen das höchste Armutsrisiko aller Kinder. Bundesweit lebte im Jahr 2010 fast jedes fünfte Kind unter drei Jahren in einer Familie, die auf staatliche Grundsicherung angewiesen war.

Die wenigsten Kleinkinder unterhalb der Armutsgrenze hat im bundesweiten Vergleich der Freistaat: Hier kommt jedes zehnte Kind aus einer Familie, die Hartz IV bezieht. In Sachsen-Anhalt war die Armutsquote im Jahr 2010 mit 33,2 Prozent bei den unter Dreijährigen mehr als drei Mal höher als in Bayern.

Das Ost-West-Gefälle sei nach wie vor stark, allerdings habe sich die Armutsquote bei den Kleinsten verringert, schreiben die Autoren der Studie. Am stärksten von materieller Not betroffen sind Kinder unter drei Jahren nach wie vor in Berlin (36,3 Prozent).

Immerhin verzeichnet auch Berlin einen Positivtrend: Zwei Jahre zuvor hatte die Armutsquote dort noch bei 39,9 Prozent gelegen. Insgesamt lebten 2010 in Deutschland 403 000 Kinder unter drei Jahren in Familien, die auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind. Das entspricht einer bundesweiten Armutsquote von 19,8 Prozent.Zwei

Jahre zuvor hatte die Quote noch bei 21,2 Prozent gelegen. Im Vergleich zur Altersgruppe der unter Dreijährigen ist der Anteil aller Kinder unter 15 Jahren, die in Armut aufwuchsen, weitaus geringer: Er lag bundesweit lediglich bei 15,9 Prozent.

Noch größer als zwischen den Bundesländern sind die Differenzen zwischen den Landkreisen und Städten. Demnach stellen sich selbst in dem Bundesland mit der niedrigsten Armutsquote, in Bayern, Lebensverhältnisse von Kindern höchst unterschiedlich dar: Nach den aktuellsten vorliegenden Regionaldaten wuchsen im Jahr 2009 im Landkreis Freising 2,4 Prozent der unter Dreijährigen in armen Familien auf – beim „Spitzenreiter“ in der Stadt Hof waren es dagegen 32,4 Prozent.

Auch die Stadt Schweinfurt nimmt einen traurigen Platz in der Kleinkinder-Rangliste ein: Hier leben – nach Hof und Weiden in der Oberpfalz – mit 27,4 Prozent die meisten Dreijährigen aus Hartz-IV-Familien.

Jürgen Montag, Sozialreferent der Stadt Schweinfurt, sagt zu den Gründen, warum in Städten generell mehr Kinder, deren Familien auf Grundsicherung angewiesen sind, leben als auf dem Land: „Alleinerziehende ziehen in der Regel in die Stadt, weil es dort eine medizinische Versorgung, Kindergärten und Schulen gibt.“ Und vor allem Alleinerziehende seien – genauso wie Migranten – überdurchschnittlich häufig auf Hartz IV angewiesen.

Dass das Armutsgefälle innerhalb einer Stadt erheblich sein kann, wie die Bertelsmann-Studie jetzt beispielhaft an Jena und Heilbronn aufzeigt, wundert Montag nicht: Auch in Schweinfurt gebe es Stadtteile mit „deutlich mehr Hartz-IV-Empfängern“. Montag nennt das Beispiel Bergl, wo viele Migranten leben.

Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, plädiert als Konsequenz aus den Armutszahlen für eine andere Verteilung der staatlichen Gelder: „Armut darf nicht in Chancenlosigkeit münden.“ Wo die Probleme größer sind, müsse auch mehr Geld für gute Kitas und für gezielte Förderung in Brennpunkten investiert werden. „Gerade die frühkindliche Phase ist entscheidend für die Entwicklung eines Kindes.“
bjk/dpa
    
    

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doeshoemernitgewissgekoenn (674 Kommentare) am 04.02.2012 20:56

Armut darf nicht in Chancenlosigkeit münden

Ausgerechnet ein Repräsentant einer privaten Stiftung, einer Art Ratingagentur, mahnt: "Armut darf nicht in Chancenlosigkeit münden." Und: "Gerade die frühkindliche Phase ist entscheidend für die Entwicklung eines Kindes."

Das Perfide an dieser absolut berechtigten Mahnung ist, daß sie von jenen an die verantwortlichen Kultuspolitiker gerichtet wird, die morgen die gesamte Erziehung privaten Mäzenen überantworten wollen. Es wird dann zwar noch konsequenter als heute schon zwischen oben und unten unterschieden; die Prekarisierten werden dann aber überhaupt keine öffentliche Stimme mehr haben.

Die Forderung an die Politik muß - solange das noch möglich ist - lauten:

Jedem Kind gebührt bestmögliche Förderung, jedem. Pädagogisch-didaktische, personelle und räumliche Voraussetzungen dafür zu gewährleisten, hat Priorität.

Unsere Gesellschaft hat die materiellen Fähigkeiten dazu.
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