aktualisiert: 13.02.2011 14:39 Uhr
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Viel Lärm um laute Jungen und Mädchen
Alt gegen Jung: Der Vize-Bundesvorsitzende der Senioren-Union hält Spielplätze in reinen Wohngebieten für verfassungswidrig. Der Kinderschutzbund ist empört über die Äußerungen der CDU-Senioren.
Am Sonntagnachmittag wollte der neunjährige Paul mit seinem Bruder Tilman (8) Fußballspielen auf dem Bolzplatz in Waldbrunn (Lkr. Würzburg). Die Jungs waren kaum auf dem Platz, da wurden sie von einer Rentnerin schon wieder vertrieben. „Heute ist Sonntag, das ist verboten“, schimpfte die Frau. Und tatsächlich: Der Bolzplatz, der inmitten eines Wohngebietes liegt, ist sonntags offiziell gesperrt. Das hatten die Anwohner bereits vor Jahren bei der Gemeinde erwirkt. Paul und Tilman mussten wieder abziehen.
Droht ein Generationenkonflikt?
Wenn Kinder spielen, wird es oft laut – zu laut für manche ältere Mitbürger. Einer, dem tobende Kinder zu laut sind, ist Leonhard Kuckart, der Vize-Bundesvorsitzende der CDU-Senioren-Union. Er sorgt derzeit bundesweit für Schlagzeilen, denn er kämpft gegen die geplante generelle Zulassung von Kindertageseinrichtungen und Spielplätzen in Wohngebieten. „Nicht nur Kinder haben Rechte, auch ältere Menschen“, erklärte Kuckart. Kinderlärm ist für den 79-Jährigen so unerträglich wie das Geräusch eines Presslufthammers. Sollten spielende Kinder tatsächlich von Älteren ferngehalten werden? Droht ein Generationenkonflikt?
Immer wieder gibt es Klagen lärmempfindlicher Bürger gegen Kitas und Spielplätze in der Nachbarschaft – auch in Unterfranken. Die Bundesregierung plant angesichts solcher Klagen eine Gesetzesänderung. Im Bundesimmissionsschutzgesetz soll eine Klausel verankert werden, wonach Kinderlärm „im Regelfall keine schädliche Umwelteinwirkung“ darstellt. Kindergärten und Spielplätze in Wohngebieten seien danach generell zugelassen. Der Gesetzentwurf soll noch diesen Monat ins Kabinett kommen.
Auch der zuständige Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte nicht mit dem Widerstand der Senioren seiner Partei gerechnet. Diese lehnen die Änderung der Bauordnung ab. „Ein Dauerpegel von 90 Dezibel bleibt eine unzumutbare Lärmbelästigung – gleich, ob die Quelle nun sympathisches Kindergeschrei ist oder das Hämmern eines Pressluftbohrers“, sagte Kuckart.
„Kinderlärm ist kein störender Lärm“, sagt Herbert Neder, Bezirksvorsitzender der CSU-Senioren-Union in Unterfranken. Neder, Vater von vier Kindern, wohnt selbst direkt neben einem Kinderspielplatz in Oberthulba (Lkr. Bad Kissingen). Die Initiative der CDU-Senioren-Union ärgert den ehemaligen Landrat von Bad Kissingen. „Im Alter wird man empfindlicher gegen Lärm“, gibt er zu. Doch er sei empfindlich gegen Straßen- oder Fluglärm, nicht aber gegen tobende Kinder. „Wir brauchen Kinder mehr denn je“, sagt Neder. Der demografische Wandel sei die größte Herausforderung unserer Gesellschaft. Dennoch gebe es für Senioren viel wichtigere Themen als Kinderlärm, wie Gesundheit, Renten oder Altersdiskriminierung. Er setze auf einen Austausch zwischen Senioren-Union und Junger Union.
Konfliktpotenzial: Jung und Alt
Die Menschen werden immer älter, viele sitzen untätig zu Hause und fühlen sich deshalb durch Kinderlärm gestört, vermutet Hartwig Loh, Bezirksvorsitzender der SPD 60 plus aus Aschaffenburg. „Wenn wir die Äußerungen von Leonhard Kuckart ernst nehmen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn sich immer mehr junge Menschen über die Älteren aufregen“, sagt Loh. Im täglichen Leben gebe es ein Konfliktpotenzial zwischen Jung und Alt. „Doch wir müssen auf die Argumente der Jüngeren eingehen“, sagt Loh. Gleichzeitig sollten sich junge Menschen mehr für ihre älteren Mitbürger interessieren, fordert er.
„Bewegung und Lärm sind für Kinder normaler Ausdruck ihres Wachsens, ihrer Eroberung der Welt“, sagt Ekkehard Mutschler, Landesvorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes in Bayern. Mutschler ist deshalb empört über die Senioren-Union. Solche Äußerungen seien die Folge einer kindentwöhnten Gesellschaft. „Viele haben keine Kinder und viele haben auch keinen Umgang mehr mit Kindern“, vermutet Mutschler. Der Deutsche Kinderschutzbund setzt sich dafür ein, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Lärm spielender Kinder würde dann nicht mehr als schädliche Umwelteinwirkung gelten.
„Vor 50 Jahren wäre so etwas nicht vorgekommen, jetzt werden die Kinder bei uns ausgegrenzt“, sagte auch Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Dass Kindergeräusche im Gesetz mit Industrielärm gleichgesetzt werden, sei immer ein Skandal gewesen, sagte Hilgers. „Ein Miteinander gebe es nur, wenn es von gegenseitiger Wertschätzung geprägt wird, und der Vergleich des Ausdrucks der Lebensfreude spielender Kinder mit einem Presslufthammer ist wahrlich keine Wertschätzung.“
Die Junge Union (JU) Nordrhein-Westfalen fordert unterdessen sogar „mehr Kinderlärm“, wie sie am Donnerstag in Düsseldorf mitteilte und setzt sich damit klar vom Seniorenverband der Partei ab. Für die JU seien schreiende Kinder „Zukunftsmusik“, heißt es weiter in der Mitteilung. Sie fordert angesichts der demografischen Entwicklung mehr und nicht weniger Kinderlärm.
Kompromisse finden
Doch was tun, wenn man neben einem Kinderspielplatz wohnt und sich vom Lachen, Weinen und Kreischen der Kleinen gestört fühlt? „Reden Sie mit den Eltern der Kinder, falls Sie sich gestört fühlen. Gespräche sind immer noch die beste Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben. Oft sind Kompromisse und Lösungen schneller gefunden, als gedacht. Und machen Sie sich vorher schlau darüber, was Kinder überhaupt können und dürfen. So vermeiden Sie falsche Anschuldigungen“, rät Heiko Pätzmann, Hamburger Fachanwalt für Mietrecht, in einer Online-Plattform. Auf Spielplätzen sei Spielen ausdrücklich erlaubt. Kinder bis zu zwölf Jahren dürfen sich auch mittags auf einem Spielplatz aufhalten.
Vielleicht dürfen Paul und Tilman eines Tages wieder sonntags kicken. Wenn sich die Mehrheit der Anwohner des Bolzplatzes in Waldbrunn dafür ausspricht, könnte es sein, dass die Gemeinde das Kick-Verbot zurücknimmt, sagt Raimund Krappel, Geschäftsleitender Beamter der Gemeinde. Das sonntägliche Fußballverbot war ein Kompromiss der Anwohner unter Federführung der Gemeinde. „Das ist aber keine festgezimmerte Lösung für alle Zeiten“, sagt Krappel weiter. Eine Lärmmessung habe es ohnehin nie gegeben. Und von einem Generationenkonflikt will man in der kleinen Gemeinde nichts wissen: „Gerade junge Familien mit kleinen Kindern ziehen gerne hierher – und das soll auch so bleiben.“
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thub729 (4 Kommentare) am 15.02.2011 21:59
ahja,dann is ja gut das Sie hier eh keiner mehr ernst nimmt. |
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toto (623 Kommentare) am 13.02.2011 12:57
Schon traurig,dass man überhaupt darüber disskutieren muss....Wir sollten froh sein wenn unsere Kinder überhaupt noch auf den Bolzplatz gehen! In der heutigen Zeit sollten nun wirklich andere Probleme derart disskutiert werden als über die paar Kids, die Fußball spielen! Lasst uns lieber darüber sprechen wie wir es schaffen, Kindern wieder die Playstation oder den PC abzugewöhnen....
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fam. feuerstein (2510 Kommentare) am 15.02.2011 10:24
Vor noch wenigen Jahrzehnten gingenalle sonntags gemeinsam in die Gottesdienste und früh-nachmittäglichen Christenlehr und gestalteten das Familienleben durch harmonische Zusammenkünfte und gegenseitige Besuche.IN der sog. "Individual-"Gesellschaft (ein gar paradoxer Kunstbegriff...) gehen sog. "Familien" - Mitglieder ihre eigenen Wege und jeder ist manchmal froh vorm andern seine Ruhe zu haben und sei es nur, dass die Kids dann auf dem Bolzplatz zur allgemeinen Lärmkulisse abgestellt werden... Sowas nennen wir schlicht und einfach a-sozial !!!
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evakurt (2618 Kommentare) am 16.02.2011 10:18
Da sind wir uns ...... in den Grundzügen einig. |
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Gegengewalt (234 Kommentare) am 12.02.2011 17:52
Also ich bin mir ziemlich sicherdas sich die Kinder auf dem Hof der Fam. feuerstein sehr gerne an ihre Kindheit zurückerinnern werden. Auch glaube ich , dass diese bestimmt gute Manieren und ein gutes Sozialverhalten (da in einer Gemeinschaft aufgewachsen) erlernen. Alles in allem ist dies bestimmt keine schlechte Erziehung=Charakter und Wertevermittlung die Eltern feuerstein seinen Kindern bietet.Zum Thema selbst: Ich finde es schade das "Kinderlärm" als so belästigend empfunden wird. Allerdings bin ich diesen auch nicht jeden Tag ausgeliefert! Unterm Strich wird es wohl wieder darauf hinauslaufen, dass wir alle friedlich zusammenleben können, wenn wir GEGENSEITIGE RÜCKSICHTNAHME auf die Befindlichkeiten des Anderen nehmen. - Die Kinder auf die Herren und Damen die am Nachmittag im Garten vielleicht in Ruhe die Sonne genießen wollen. Man kann auch Fußballspielen ohne dass es gleich ganz Süddeutschland mitbekommt. - Die Herren und Damen daran, wie sie selbst als Kinder waren. So was wird im zunehmenden Alter sehr gerne vergessen. |
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