aktualisiert: 21.08.2012 20:11 Uhr
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BERLIN/WÜRZBURG
WWF fordert: Wo Gentechnik drin ist, soll es auch draufstehen
Gentechnik in deutschen Ställen
Gentechnik bleibt umstritten. Wer sich gentechnikfrei ernähren will, der muss beim Einkauf auf zwei grüne Siegel achten: Das eine kennzeichnet Bioprodukte, das andere trägt die Aufschrift „Ohne Gentechnik“.
Nur dann können Verbraucher sicher sein, dass die Tiere, deren Fleisch oder Milch sie kaufen, nicht zuvor mit gentechnisch veränderten Soja gefüttert wurden. Bei „konventionellem Fleisch“ muss man nach Angaben der Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) davon ausgehen, dass die Tiere mit Gen-Soja aufgezogen wurden.
Laut der WWF-Studie „Sojaboom in deutschen Ställen“, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, landet mit dem Einkauf von Schnitzel, Steak, Wurst, Käse, Joghurt oder Eiern die Gentechnik auf den heimischen Esstisch, „ohne dass wir es wissen“, sagt Referentin Birgit Wilhelm. Denn: Es gibt keine Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Nahrungsmittel.
Der Grund: „Veränderte Gene werden im Magen der Tiere vernichtet und sind im Produkt nicht nachweisbar“, sagt der Würzburger Professor und Chef von WWF-Deutschland, Detlev Drenckhahn. „Das Fleisch unterscheidet sich nicht von dem anderer Tiere, die nicht mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert wurden.“ Eine Meinung, zu der viele Konsumenten eher skeptisch eingestellt sind.
Wichtig sei vielmehr folgender Aspekt, so Drenckhahn: „Die meisten Verbraucher möchten wissen, ob sie mit dem Verzehr von tierischen Produkten die Gentechnik in der Landwirtschaft befördern.“ Deshalb wäre auch die Kennzeichnung, dass Fleisch von Tieren stammt, die mit Gen-Soja gefüttert wurden, sinnvoll. Noch besser wäre es, auf die Hälfte des Fleischkonsums zu verzichten, meint der WWF-Präsident. Drenck-hahn betont: „Der WWF lehnt die Gentechnik ab, solange Schäden für Menschen und Natur nicht ausgeschlossen werden können.“ Und für die Natur ließe sich eben nicht ausschließen, dass durch die Gentechnik, die eine industrielle Pflanzenproduktion in riesigen Monokulturen ermöglicht, Schäden entstehen. „Bei Gen-Soja enthalten die Pflanzen ein Gen aus Bakterien, das sie resistent gegenüber Herbiziden mit dem Wirkstoff Glyphosat macht. Die Anbauflächen können vom Flugzeug aus besprüht werden, die Nutzpflanzen überleben, das Unkraut wird dabei vernichtet.“ Glyphosat ist der Hauptwirkstoff des Herbizids, das der US-Konzern Monsanto unter dem Markennamen Roundup vertreibt.
Gen-Soja wird vor allem in den USA, Brasilien und Argentinien angebaut. „Durch den massiven Import von Soja gibt es nicht nur negative Umweltauswirkungen in den Anbauländern, es wurden auch heimische, proteinreiche Futtermittel zunehmend vom Markt gedrängt und viele Wiederkäuer auf eine Weise gefüttert, die einer artgerechten Fütterung widerspricht“, kritisiert WWF-Referentin Wilhelm. Jährlich würden in Deutschland bis zu 4,6 Millionen Tonnen Sojaschrot in der Futtermittelindustrie eingesetzt.
Dabei könnte man auf Gen-Soja verzichten, findet Detlev Drenck-hahn. „Schweinefleisch wäre ohne Gentechnik im Futtermittel nur fünf Prozent teurer“, rechnet der WWF-Präsident vor. „Die Produktion hängt allerdings vom Bedarf ab. Wenn mehr gentechnikfreies Soja gefordert wird, wird auch mehr produziert.“ Dennoch geht der WWF in seiner Studie davon aus, dass mehr als 80 Prozent des importierten Soja von gentechnisch veränderten Pflanzen stammen.
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DMA (1413 Kommentare) am 22.08.2012 07:10
Ich hätte gerneverpflichtende Siegel für vegetarische und vegane Produkte. Andere Länder bekommen das auch hin und so sieht der Verbrauchern auch einmal, was in den angeblich rein pflanzlichen Produkten alles so drinnen ist. |
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