publiziert: 09.09.2013 19:27 Uhr
aktualisiert: 09.09.2013 19:34 Uhr
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„Wir schaffen bis zu acht Prozent“

In Würzburg präsentierte sich die Alternative für Deutschland optimistisch
  • Foto: Obermeier
    Optimistisch: Der Würzburger Kandidat Torsten Heinrich und Bernd Lucke (rechts), Parteisprecher der AfD, sind zuversichtlich, den Einzug in den Bundestag zu schaffen.
  • Kruck oder Burkard?
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Die Alternative für Deutschland AfD ist sich sicher, dass sie den Einzug in den Bundestag schafft. Daran ließen die Vertreter der Anti-Euro-Partei bei ihrer Wahlkampfveranstaltung in Würzburg keinen Zweifel. Kurz vor der Bundestagswahl holten sie am Montag ihren Shootingstar, den charismatischen Hamburger Ökonomen Professor Bernd Lucke, vors Mikrofon, um Stimmen zu sammeln. Dabei präsentierte sich die Partei als aufmüpfiger Underdog, der sich zu Unrecht unbeachtet fühlt.

Müsste man die Stimmung der Newcomer-Partei kurz vor der Wahl mit einem Wort beschreiben, wäre es wohl „optimistisch“. Lange bevor Bernd Lucke eintrifft, diskutieren an den Stehtischen im Saalgarten Luisenbau überwiegend Männer mittleren Alters. Natürlich geht es um Wahlprognosen. Um jene, die die bekannten Meinungsforschungsinstitute veröffentlichen und an die innerhalb der AfD keiner so richtig glauben mag. Denn diese Prognosen sehen die neue Partei deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde, ein Wort, das man im Laufe des Nachmittags noch oft hören wird.

Doch dann gibt es noch jene anderen Prognosen, die die AfD-Anhänger optimistisch stimmen. Sie stammen vom sogenannten „Wahl-Radar“. Dabei handelt es sich um einen Informationsdienst einer Düsseldorfer Agentur, die sowohl die klassischen Umfrage-basierten Prognosen der bekannten Meinungsforschungsinstitute als auch die auf der Auswertung von Social Media und Wahlbörsen basierenden Prognosen einbezieht. Dem Wahl-Radar zufolge kommt die Alternative für Deutschland auf rund sieben Prozent. Das ist das eine.

Das andere sind die Mitgliederzahlen, die in den vergangenen Wochen in die Höhe schießen. „In Bayern haben wir aktuell 2400 Mitglieder und eingetragene Förderer. In den letzten zwei Wochen haben wir bayernweit 153 neue Mitglieder bekommen“, sagt Franz Eibl, Pressesprecher des Landesverbands stolz. In ganz Deutschland seien es derzeit rund 20 000 Mitglieder und Förderer. Auch in den sozialen Medien komme die Anti-Euro-Partei sehr gut an: Laut Eibl kämen auf Facebook täglich 1000 neue Sympathisanten dazu.

„Die Stimmung ändert sich“, sagt der Würzburger Kandidat Torsten Heinrich. Gerade in der letzten Zeit habe er auf der Straße immer wieder gehört: „Einen Flyer brauche ich nicht, ich hab' euch eh schon gewählt.“ Heinrich ist sich sicher: „Wir schaffen sechs bis acht Prozent. Am Einzug in den Bundestag habe ich keinen Zweifel.“

Das gilt auch für Bernd Lucke. Unter Applaus verkündet der Ökonom: „Ich habe den Eindruck, wir sind sehr im Aufwind.“ Wieder ist von der Fünf-Prozent-Hürde die Rede. Und davon, dass die AfD nur mit jenen Parteien koalieren würde, die sich von der aktuellen Euro-Politik abwenden. Dann nimmt Lucke, der es vorzüglich versteht, die Befindlichkeiten des Wählers anzusprechen, Fahrt auf. „Wir haben eine Krise der parlamentarischen Demokratie!“, so seine Behauptung. Der Grund: Die Regierung habe die Rettungspakete für Griechenland beschlossen und die Opposition habe versagt, weil sie keine Gegenentwürfe ins Spiel gebracht, sondern den Milliardenhilfen zugestimmt habe. Laut Lucke sind die „alten Parteien“ verkrustet, erstarrt und sogar gefährlich – sie haben kein Ohr mehr für die Sorgen der Bürger. Eine Lösung für das Dilemma liefert der Ökonom sodann gleich mit: „Hier ist die Alternative!“ Das Publikum, rund 450 Sympathisanten, klatscht.

Lucke möchte, wie er sagt, Mut zur Wahrheit beweisen. Ganz im Gegensatz zur Bundesregierung. Denn Kanzlerin Angela Merkel verhalte sich wie ein Chamäleon. Jüngstes Beispiel: die Syrien-Krise. Lucke bemängelt, dass die Kanzlerin hinsichtlich eines möglichen Eingreifens nicht klar Stellung bezieht. Und dann macht der 51-Jährige das, was er besonders gut kann: Er bringt Thesen, erläutert sie verständlich und zitiert Gesetze. Das Publikum ist gebannt, im Saal könnte man eine Stecknadel fallen hören. Es ist in diesem Moment weniger eine Wahlkampfveranstaltung, als die Vorlesung eines Professors. Seine Argumentation zu Syrien: Die AfD ist gesetzestreu. Im Grundgesetz ist verankert, dass Streitkräfte nur zur eigenen Verteidigung aufgestellt werden. Zudem gibt es Bündnispflichten im Rahmen der NATO. Da Syrien aber nicht Teil des NATO-Gebietes ist, sei ein Eingreifen nicht mit dem Gesetz vereinbar. Klare Ansage.

Natürlich geht der Ökonom schnell über zur Euro-Politik. Nachdem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble jüngst neue Griechenland-Hilfen ins Spiel brachte, ist das Thema wieder brandaktuell. Der Parteisprecher fordert einen Stopp weiterer Rettungspakete und einen Schuldenschnitt für Griechenland. Schließlich werde die Überschuldungsproblematik auch durch ein drittes Rettungspaket nicht gelöst. Stattdessen würden Gelder verpulvert, die woanders dringend gebraucht würden. Etwa bei den Rentnern. Die Nachkriegsgeneration mit einer minimalen Rente abzuspeisen, sei „schäbig“. „Die Regierung hat das rechte Maß verloren“, sagt Lucke. Wieder Applaus. Und wieder Optimismus im Gesicht des Ökonomen.

Von unserem Redaktionsmitglied Kerstin Fellenzer
    
    

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»Alle 6 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

patrickh (171 Kommentare) am 11.09.2013 16:24

Recherche?

Aha, die AfD schafft also die 5%-Hürde locker. Sagt das „Wahl-Radar“.

Liebe MainPost, da habt ihr es ja tatsächlich ins BildBlog geschafft: http://www.bildblog.de/51817/hinter-dem-radar/

„Die "Düsseldorfer Agentur", die den Dienst betreibt, gehört Wolfgang Osinski. Der war mal Pressesprecher von RTL, hat bei "Bild" gearbeitet und ist heute Vorstandsmitglied der AfD in Düsseldorf. Zum dreiköpfigen "Wahl-Radar Team" gehört außerdem Ulrich Wlecke — er ist Bundestagskandidat der AfD.

Das hätten die Journalisten mit einer kurzen Google-Suche auch selbst herausfinden können. Oder mit einer einfachen Nachfrage. So wie die "Stuttgarter Nachrichten", die sich nicht einfach blind auf das Acht-Prozent-Gerede verlassen haben:

[…] eine Nachfrage unserer Zeitung bei der Agentur ergab: Osinski ist selbst AfD-Mitglied. Er gibt zu: 'Ich spreche pro domo'. Das heißt Werbung in eigener Sache.

Ich denke, diese Hintergründe sollten den Lesern bekannt sein, für eine objektive Meinungsbildung…
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Corrado_Cattani (29 Kommentare) am 10.09.2013 13:11

Einthemenpartei

Dass die AfD eine "Einthemenpartei" sei, ist ein beliebter Vorwurf der Null-Themen-Parteien.
Bevor irgentwelche Problem geslöst werden können, sollten sie zunächst erst mal angesprochen werden. Aber selbst daran scheitert es ja bei den "Altparteien".
In kürzeseter zeit würden fast 700 Mrd an Haftungsrisiken angehäuft. Stendenz: steigend! Gleichzeitig säuft die Wirtschaft im Süden ab. Die Situation: hoffnungslos. Trotzdem sagen alle "Altparteien": "Weiter so!" Deshalb brauchen wir die AfD. Die angebliche Nähe der AfD zu "rechtsradikalen Parteien" ist im übrigen eine durch nichts zu belegende Diffamierung. Die meisten Mitglieder sind über den Rechtsbruch und die Lügen der Bundesregierung enttäuschte CDU und FDP, sowie einige SPD Wähler.
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unrath (3 Kommentare) am 11.09.2013 23:13

Die Wende muss jetzt kommen

Lucke ist kompetent-ehrlich-sympatisch. Ein fähiger Mann, der mitten im Leben steht.
Es weht ein frischer Wind über den Einheitsbrei der Blockparteien und den CSU-Selbstbereicherungssumpf.
Ich und meine ganze Familie werden die AfD auf jeden Fall wählen. Dran bleiben AfD!!
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am003 (176 Kommentare) am 10.09.2013 05:48

hoffentlich über 5 %

Es wäre der AfD und wünschen, dass sie es schafft und vor allem wichtig für uns.
Das Thema EU Schuldenkrise wird im Wahlkampf bewusst klein gehalten, alle Entscheidungen sind auf den Zeitraum nach der Wahl verschoben.

Aber, es ist ein essentiell wichtiges Thema. Ich habe die Befürchtung, so wie man den Maastrichtvertrag hin weggewischt hat, so wird es uns nach der Wahl ergehen … man wird uns finanziell das Fell über die Ohren ziehen.

Es werden Leistungen gekürtzt werden. Abgaben, Gebühren und Steuern werden erhöht werden … wir werden zahlen.
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Du_di_ned_oo (4995 Kommentare) am 13.09.2013 14:00

AFD kneift bei Landtagswahl in Bayern - Warum wohl ?

Die Alternative für Deutschland (AfD) tritt 2013 nicht zur Landtagswahl in Bayern an.

Die Begründung dieser Partei für den Verzicht auf die Teilnahme:
- die Konzentzration der Kräfte auf den Bundestagswahlkampf
- Die Herausforderung, in der Kürze der Zeit ein fundiertes,
von allen Mitgliedern getragenes Landes-Parteiprogramm zu erstellen
- die zeitliche Knappheit insgesamt.

http://www.afdbayern.de/afd-in-bayern/landtagswahl/

Ziemlich windelweiche Argumente - finden Sie nicht auch ?
Die "Professorenpartei" kann "Konzentration" nicht richtig schreiben zwinkern

In einem Interview wird man deutlicher:
Das Risiko eines Scheiterns so kurz vor der Bundestagswahl wäre zu groß, zumal die AfD in Bayern „nicht verwurzelt“ sei, sagte er. „Ich bin nicht bereit dieses Risiko einzugehen.

[Quelle]
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