aktualisiert: 12.11.2008 14:50 Uhr
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WIESENBRONN
Sonne auf historischen Dächern
Bauherren wollen Solaranlagen – wenn sie in ein Denkmal ziehen, gibt es Probleme
Reinhard Hüßner kennt sich aus mit Denkmälern. Er leitet das Kirchenburgmuseum in Mönchsondheim, und er baut sich ein historisches Gebäude zum Wohnhaus um – die alte Synagoge in Wiesenbronn (Lkr. Kitzingen). Ihm liegen auch Umweltschutz und Energiesparen am Herzen. So macht er sich bei der Sanierung seines Denkmals Gedanken, wie er Sonnenenergie nutzen kann.
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Denkmal und moderne Technik: Ein Beispiel, wie gut das funktionieren kann, ist das Kloster in Neustadt am Main (Lkr. Main-Spessart). Auf dem Archivfoto zeigt Schwester Dagmar Fasel die Solarzellen im Innenhof. Sie sind von außen nicht zu sehen.
FOTO Martina Schneider -
Reinhard Hüßner plant eine Solaranlage an der alten Synagoge in Wiesenbronn.
FOTO Becker
Ein verstecktes Nebengebäude darf er mit einer Solaranlage ausrüsten. Auf dem Haupthaus hat sie keine Chance. Das ist ihm klar. Dunkelblau spiegelnde Glasflächen, die moderne Technik über das Dach der Synagoge von 1792 stülpen – das würde nicht passen. „Die roten, geschlossenen Dachlandschaften sind typisch für die fränkischen Dörfer“, sagt Hüßner.
Als Winzer hat er ein Gefühl für die Landschaft. Als Volkskundler weiß er, dass Denkmäler sich wandeln und immer Zutaten bekamen, die irgendwann Mode oder neueste Technik waren, und die oft wieder verschwanden. Auch das sei zu bedenken.
Die widerstreitenden Überlegungen, die Hüßner äußert, finden sich wieder in Gemeinderatsbeschlüssen in Marktbreit (Lkr. Kitzingen) und Reichenberg (Lkr. Würzburg). Die Marktbreiter haben Solaranlagen zugelassen. „Wir können und wollen eine moderne Nutzung der Altstadt nicht verwehren“, begründete die Baureferentin. Die Reichenberger entschieden, den Denkmalschutz in den Vordergrund zu stellen und im Ortskern Solarmodule zu verbieten.
Grundsätzlich wird im Einzelfall entschieden, sagt der Leiter der Baurechtsabteilung im Kitzinger Landratsamt, Volker Wirths, über die Praxis in seinem Bereich. Die Denkmalpflege hat ein Wort mitzureden, wenn Besitzer historischer Häuser überlegen, wie sie Energie sparen können. Im Landkreis Kitzingen gibt es da viel zu tun. „Wir haben mit die größte Denkmaldichte in Bayern“, sagt Wirths. Mancherorts helfen Gestaltungssatzungen. Die Mainbernheimer verfassten sogar einen Solareignungsplan, der Dächer nach Ausrichtung und Einsehbarkeit sortiert, sagt Geschäftsleiter Hans Brummer.
Der Druck der Bauherren sei stark. Wenn junge Familien alte Bauten sanieren, gehört für sie die Solaranlage zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung zur Wohnqualität. Die Mainbernheimer sitzen in der Zwickmühle. Der historische Altort hat großen Sanierungsbedarf. Er soll also Bauherren locken. Aber es soll auch das Gesamtbild gewahrt bleiben. „Trotzdem geht was“, sagt Brummer. Jetzt baue ein Landwirt auf eine Scheune im Ort eine Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung. Das ist möglich, weil sie von der Straße aus nicht zu sehen ist. Etwas entfernt von der sensiblen Altstadt entstand die Photovoltaikanlage auf der Schule. Daran konnte sich beteiligen, wer sonst keinen Strom produzieren darf.
Brummer kaufte sich ein. Er will sich auch an der Biogasanlage beteiligen, die ein paar junge Bauern planen. Auf seinem Garagendach produziert eine Solaranlage warmes Wasser. „Sie haben mich bei meinem Lieblingsthema erwischt“, sagt er. Er erzählt vom Nahwärmenetz, das im Ort geplant war und wegen großer Anfangsinvestitionen scheiterte. Er spricht vom Arbeiten im 450-jährigen Rathaus. „Ein Traum.“ Die historischen Kastenfenster dämmen wunderbar. Die anheimelnde Atmosphäre wärmt die Seele. Er erzählt von alten Menschen, die mehr Energie sparen, als alle Verordnungen fordern, weil sie die Heizung herunterdrehen und lieber einen Pullover anziehen.
Altbauten energiesparend umzurüsten funktioniere nicht mit Standard-Maßnahmen. Es verlange besonderes Engagement und Wissen von Bauherren, Planern und Handwerkern. Und vor allem brauche nicht jedes Haus eine Solar- oder Photovoltaikanlage. „Das Thema Solar kann man nicht für sich sehen.“
Das meint auch Reinhard Hüßner. Die Solaranlage hat er sich zwar genehmigen lassen. Doch Vorrang hat die Wärmepumpe. Zwei 90 Meter tiefe Löcher ließ er dafür in den Hof bohren. Aus der Erde soll die Wärme für Wasser und Heizung kommen. Behutsam will er mit seinem Denkmal umgehen. Er zeigt den alten Betsaal der Synagoge mit der blauen Bemalung, erzählt von Lehmputz und Sumpfkalkmörtel für den neuen Anbau und davon, dass der Bau ein Jahr stockte, weil Hüßner im Keller fein säuberlich Relikte aus vergangenen Jahrhunderten freilegen ließ. Achtung vor Traditionen und natürlicher Umwelt gehören für ihn zusammen wie der bedachte Umgang mit Denkmälern und moderner Technik.
Online-Tipp
Energiespar-Tipps und Tarifrechner: www.mainpost.de/energie

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