Finanzen

aktualisiert: 11.01.2012 19:23 Uhr
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Riestern: Das große Für und Wider
Zehn Jahre Riester-Rente: 2002 wollte Rot-Grün das Rentensystem stabiler machen. Doch auch eine Dekade nach Einführung der Reform scheiden sich an ihr die Geister. „Hauptprofiteur war Herr Riester selbst“, sagt der Würzburger Professor Ekkehard Wenger.
Zehn Jahre ist es her, dass sich Walter Riester in den Annalen der deutschen Politik verewigte. Als Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung hob er 2001, im Rahmen der Rentenreform, eine (allzu bekannte) staatlich bezuschusste private Altersvorsorge aus der Taufe: die Riester-Rente. Am ersten Januar 2002 trat die Reform in Kraft, die eigenen Beiträge zur Vorsorge sollten nun einen Teil des umlagefinanzierten Rentensystems ersetzen.
Schließlich würde das Umlageverfahren infolge des demographischen Wandels irgendwann an seine Grenzen stoßen, hieß es. Konnte 1950 ein Rentner noch von sieben Arbeitnehmern finanziert werden, mussten 2000 schon vier Arbeiter für einen Ruheständler aufkommen. Fortan wurde „riestern“ stark beworben, von der Finanzbranche gepriesen und zum Ausweg aus der Altersarmut erklärt. Zum zehnjährigen Geburtstag jedoch bleiben die Glückwünsche aus, stattdessen setzt es vernichtende Kritik: „Der Riester-Flop“ titelt die Berliner Zeitung „Der Tagesspiegel“, „So wertvoll wie ein Sparstrumpf“, heißt es bei „Spiegel Online“, „Sparer verschenken Milliarden Euro“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Eine ernüchternde Bilanz nach dem ersten Jahrzehnt der staatlichen Altersvorsorge.
„Der Hauptprofiteur der ganzen Geschichte war Herr Riester“, sagt Ekkehard Wenger, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Würzburg. „Der hat nach der Einführung und Vermarktung der Riester-Rente hoch dotierte Vorträge gehalten und ein Vermögen damit gemacht.“ Dort sei wieder einmal das Steuerrecht als Mittel missbraucht worden, um einzelnen Personen Sondervorteile zu verschaffen, so Wenger. Der Wirtschaftswissenschaftler ist als Vertreter für Kleinaktionäre großer deutscher Aktienunternehmen bekannt, der Hauptversammlungen gern mal durch seine Kritik an der Unternehmensleitung prägt.
Für den Kapitalmarkt hält der „streitbare Anwalt der Kleinaktionäre“ („Die Zeit“) und „Hauptversammlungsschreck“ („Handelsblatt“) die Abschaffung aller Sonderbehandlungen für sinnvoll: „Wenn man an Marktwirtschaft glaubt, sollte jedem selber überlassen sein, wie er sein Geld anlegt. Alle Sparformen sollten gleichberechtigt sein und nicht einzelne durch steuerliche Vergünstigungen oder Subventionen hervorgehoben werden“.
Zu unsicher, zu teuer und dazu noch ein Geschenk an die Finanzbranche – es gibt zahlreiche Argumente, die gegen die Einführung der Riester-Rente sprechen: Die Eigenbeiträge sind zwar garantiert, so dass die Anleger in jedem Fall ihr eingezahltes Geld zurück bekommen. Das heißt allerdings auch, dass im ungünstigsten Fall der Sparstrumpf ebenso ertragreich gewesen wäre. Lockte „riestern“ in Verbindung mit Fonds-Sparplänen etwa vor zehn Jahren noch mit sehr lukrativen Renditen, haben Banken- und Wirtschaftskrisen die Erwartungen an der Börse enorm gedämpft. Die Zeiten, in denen die Anbieter für ihre Fonds-Anlagen mit Gewinnen von zehn Prozent und mehr werben konnten, sind mittlerweile vorbei. Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) herrscht zudem eine „mangelhafte Transparenz und Verständlichkeit der Angebote“. Bei vielen Riesterprodukten wird demnach nicht ausreichend auf die anfallenden Kosten hingewiesen. Zudem bemängelt das DIW die Kalkulationsgrundlagen einiger Anbieter. So werden von Versicherungen etwa bei der Berechnung vorhandene Spielräume genutzt und mit sehr hohen Lebenserwartungen kalkuliert.
In manchen Fällen müssten Riester-Sparer somit über 78 Jahre alt werden, um allein das eingesetzte Kapital sowie die staatlichen Zulagen zu erhalten. Für die Realisierung einer fünfprozentigen Verzinsung müsste dann sogar das wohl unerreichbare Alter von 128 Jahren erlangt werden. An den Risiko- und Sterblichkeitsgewinnen, die der Versicherer dadurch erzielt, müssen die Sparer über die Überschussanteile nur noch zu 75 Prozent beteiligt werden. Den Rest können die Versicherungen einbehalten. Überhaupt bedeutete die damalige Rentenreform große Vorteile für die Finanzbranche. Durch die steuerlichen Vergünstigungen und die höhere Gewichtung der privaten Altersvorsorge konnten Finanzdienstleister mit deutlich mehr Vertragsabschlüssen und entsprechend viel neuem Kapital rechnen. „Die Finanzbranche war die zweite große Profiteurin der Riester-Reform. Dort hörte man gern, dass das Steuerrecht zu ihren Gunsten verzerrt wurde“, sagt Ekkehard Wenger.
Allerdings gehen die Meinungen über die Riester-Rente bei Experten weit auseinander. Hans Fehr, Professor für Volkswirtschaft am Würzburger Lehrstuhl für Finanzwissenschaft, zieht eine positive Bilanz: „Meiner Meinung nach ging die Reform in die richtige Richtung. Sie war nicht perfekt und hatte Schwachstellen, aber als Ergänzung für die umlagengedeckte Finanzierung waren die Maßnahmen notwendig.“
Laut Fehr stellt der demografische Wandel zukünftig ein großes Problem bei der Rentenfinanzierung dar, dem mit der höheren Gewichtung der privaten Vorsorge entgegengewirkt wird. Der Absturz beim bisherigen Systems komme mit Sicherheit, daher sei eine Mischung aus gesetzlicher Rente und eigener Vorsorge dringend nötig. „Kritisch war natürlich, dass die Menschen bei der Auswahl der Anlage allein gelassen wurden. Viele waren völlig verunsichert, da sie sich in dem Bereich nicht wirklich auskannten“, erläutert der Volkswirt.
Dennoch sollte sich jeder überlegen, wie er sein Alter finanziert, da die Sicherung über die gesetzliche Rente weiter drastisch sinken wird. „Für den Fall ist Riester eine Ersatzmöglichkeit, für eine allgemeine Vorsorge gegen Altersarmut jedoch das falsche Instrument“, sagt Fehr. Für ärmere Haushalte sei der Anreiz in eine Riester-Rente einzuzahlen dabei gleich null, die Steuervorteile und Zulagen würden eher Ehepaare mit Kindern bevorzugen. „Die Alternative, alles beim Alten zu lassen, wäre aber falsch gewesen“, so Fehr.
Fast 15 Millionen Riester-Verträge
Wie viele Menschen haben inzwischen Riester-Verträge?
Nach dem Beginn der Förderung zum 1. Januar 2002 kam die neue Zusatzrente erst allmählich in Fahrt. Inzwischen gibt es 14,997 Millionen Riester-Verträge, wie die jüngste offizielle Quartalsbilanz zum Stichtag 30. September auswies. Damit „riestern“ jetzt knapp 40 Prozent der 40 Millionen Berechtigten – und haben mittlerweile knapp 37 Milliarden Euro angespart. Was soll nach zehn Jahren Riester-Rente geändert werden?
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will eine bessere Vergleichbarkeit erreichen: „Bei der Transparenz – gerade im Hinblick auf die Kosten – liegt momentan noch einiges im Argen.“ Auf einer Art Beipackzettel sollen Versicherte leichter erkennen können, „wie hoch zum Beispiel die Verwaltungskosten sind und wo sie zu einem vertretbaren Risiko die besten Renditen bekommen“. Text: dpa
ONLINE-TIPP
Eine ausführliche Studie zur Riester-Rente finden Sie hier...
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rowa (521 Kommentare) am 11.01.2012 21:33
Warum?Warum wird diese Thema aus der Mottenkiste gezerrt?Das alles ist doch überall seit über 6 Monaten breitgetreten. Drückt sich die Mainpost vor unserem Stahlgewitter-Präsidenten? Die Finanzierung eines weiteren Buchprojekts.... Politische Brisanz bekommt die Freundschaft dadurch, dass sich Wulff zur gleichen Zeit massiv für das Geschäftsmodell eingesetzt hatte, das damals auch sein Freund Groenewold vertrat. Wieder einmal geht es um die Frage, ob Wulff private Freundschaft und den politischen Einsatz für Geschäftsinteressen einzelner miteinander vermengt hat. http://www.ftd.de/politik/deutschland/:kreditaffaere-freund-bringt-wulff-in-die-bredouille/60152696.html Warum ein altes Thema aus der Mottenkiste statt etwas Aktuellem? |
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MrsBurns (753 Kommentare) am 12.01.2012 05:23
Soso....@rowa will der Presse / MP ewas vorschreiben. Ist das nicht ein infamer Angriff auf die Pressefreiheit?Hr. oder Fr. Rowa, sie sollten zurücktreten und zwar aus denselben Gründen, die sie unserem BP vorwerfen auch wenn sie nur ein unwichtiger Zeitgenosse sind. Verwulffen sie sich! |
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rowa (521 Kommentare) am 12.01.2012 07:04
Hallo Lumpwas meinen Sie mit "verwulffen"?So plump die Unwahrheit reden, dass es jeder gleich erkennen kann? - Kreditvertrag mündlich geschlossen... - morgen können sie die Antworten im Internet lesen... Das haben sie von der Grammatik her anscheinend nicht gemeint. Welche Wulffsche Eigenschaft wollten Sie den hiermit verbalisieren? "Wulffen" Sie auch schon? http://www.stern.de/politik/deutschland/praesidenten-affaere-schafft-neues-verb-wulffen-sie-auch-schon-1772550.html |
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Isschorechd (1353 Kommentare) am 11.01.2012 20:57
Die Riester FarceHohe Kosten für Verwaltung (in den Versicherungsunternehmen) drücken die Rendite. In der "sozialistischen" Schweiz funktioniert das Umlageverfahren bestens, es darf sich jeder mal ansehen, was die in Sachen Finanzierung da so machen. Hierzulande werden die Versicherungsunternehmen bedient (siehe Maschmeyer, jener gute Freund hoher Politiker), die sich daran eine goldene Nase verdienen. Viele kündigen ihre Riester-Verträge bereits wieder und Frau von der Leyen sabbert irgendwas von Transparenz daher. Die Privatisierung funktioniert für die Unternehmen wunderbar und Riester lügt bis heute! Der ehemals von Herrn Schröder und ihm versprochene Nutzen für die Renter ist eine Farce sondersgleichen. Übrigens spricht auch hier die von mir schon öfter angesprochen DIW-Studie für sich. Hier wurde klar festgestellt, dass die Altersversorgung der Besserverdienenden weiter steigt und die der anderen weiter sinkt, im Rahmen der allgemeinen Vermögensverteilung zu der die Altersvorsorge gehört. Die "Riester-Rente" hat daran nichts geändert!!! |
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Du_di_ned_oo (2935 Kommentare) am 11.01.2012 21:57
Die Riester-AbzockeLeider kommen diese Infos von MP, Finanztest, etc. für die meisten etwas spät.Vorher hat man vermutlich noch an der Anzeigen-Werbung der Versicherer gut verdient. Nun werden die Sparer vermutlich animiert die Verträge zu kündigen. (und damit die Verluste zu realisieren, und in neue Verträge einzusteigen...) Standpunkt: Das hätte man sich sparen können http://www.mainpost.de/ueberregional/dasthema/Standpunkt-Das-haette-man-sich-sparen-koennen;art1748,6550085,E#kommentarformular Georg Schramm wusste es - wieder einmal - besser: Die Altersvorsorge! Georg Schramm vom 29.04.2008 Neues aus der Anstalt! die Bananenrepublik http://www.youtube.com/watch?v=BpNeRPQErHo Es kommt nicht von ungefähr, daß Finanzbetrüger und Leute wie Rürup enge Freunde von Politikern wie Schröder und Wulff sind. Sie sind Spezialisten im schließen von Verträgen zu Lasten dritter. Georg Schramm erkennt das völlig zu Recht als paraistäre Symbiose zu Lasten des Volkes: Die parasitäre Symbiose - Georg Schramm http://www.youtube.com/watch?v=2cSQM1o3e9o Wer es etwas langweiliger mit vielen Fakten hören und sehen will: Das Riester-Dilemma - Die Riester-Lüge - ARD Reportage 09.01.2012 http://www.youtube.com/watch?v=0zDUD9ZgPe0 |
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