publiziert: 01.09.2010 17:32 Uhr
aktualisiert: 01.09.2010 19:15 Uhr
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Schaeffler sieht die Krise überwunden

Die Kredite aus der Conti-Übernahme bereiten derzeit offenbar keine Sorgen

    
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Eigentlich waren die Zahlen ja wirklich überraschend gut. Nur so richtig dafür interessieren wollte sich kaum einer der am Mittwoch in München in einem Nobelhotel mit großem Aufgebot versammelten Wirtschaftsjournalisten. Die Schaeffler Gruppe hat die Krise überwunden, geht gestärkt aus ihr hervor. Das war die Botschaft, die Geschäftsführer Jürgen M. Geißinger und sein Finanzchef Klaus Rosenfeld transportieren wollten.

Schaeffler ist im ersten Halbjahr 2010 um 31 Prozent gewachsen, hat die Umsatzrendite, wie zu allerbesten Zeiten, auf 16 Prozent erhöht. Die Reporter notierten es und wollten dann doch ganz andere Dinge wissen. Nämlich Aktuelles zu dem, was das Familienunternehmen im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen und an den Rand des Ruins gebracht hat, der kreditfinanzierte Einstieg bei Continental. Wie geht es weiter mit Conti? Wann kommt die Fusion? Wie steht es um die Schulden?

Die horrenden Kredite sind es, die die Pressekonferenz erst möglich gemacht haben, die den Konzern zwingen, aus dem beschaulichen Herzogenaurach heraus verstärkt an die Öffentlichkeit zu gehen.

Ende Juni wurde das operative Geschäft auf Druck der Banken in eine GmbH übergeführt. Schaeffler will dennoch ein Familienunternehmen bleiben, an seinem langfristigen Denkansatz festhalten. Es werde sich aber künftig stärker der Öffentlichkeit stellen, versprach Geißinger.

Die Pressekonferenz am Mittwoch war der Anfang. Der Schaeffler-Chef, der zu den Medien bislang ein eher unterentwickeltes Verhältnis hatte, bewältigte sie souverän, bewahrte selbst bei hartnäckigen Nachfragen die Gelassenheit.

Im November haben Geißinger und Rosenfeld mit den Banken die Finanzierung des Konzerns gesichert. Sieben Milliarden Euro der Schulden liegen nun bei der GmbH, gesichert für vier Jahre. Fünf Milliarden trägt die Familie Schaeffler. Deren Zinsen werden gestundet, erst am Ende der Laufzeit der Kredite in sechs Jahren fällig. Welche Konsequenzen das für die GmbH haben wird und wie die Familie die Kredite tilgen will, diese Fragen blieben trotz mehrfachen Nachfragens unbeantwortet.

Zu der einmal für 2011 angekündigten Fusion von Schaeffler und Conti sagten Geißinger und Rosenfeld nur, dass sie keinen Grund zur Eile sähen. Es werde jedoch derzeit an vielen operativen Projekten gearbeitet, mit großem Erfolg für beide Seiten.

Die Verbesserung des Ergebnisses führt Geißinger nicht nur auf die Konjunktur, sondern auch auf ein erfolgreiches Managementprogramm zurück. Damit konnte die Nettoverschuldung bereits leicht auf 5,9 Milliarden Euro reduziert werden. Der Verschuldungsgrad – Verhältnis der Nettoverschuldung zum Ergebnis vor Steuer, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) – sank von 5,6 auf 3,5. Eine weitere Reduzierung unter den Wert 3 wird angestrebt.

Ob dann die Beteiligung eines Investors in den Augen der GmbH und der Gesellschafter überhaupt noch erforderlich ist? Zu dieser Frage hielt sich Geißinger bedeckt. Gespräche jedenfalls gebe es derzeit nicht, sagte er.

Die Frage, ob er die Conti-Übernahme bereue, verneinte er. Die, ob er an Rücktritt gedacht habe, beantwortete er nicht.

Übers Jahr erwartet der Schaeffler-Chef „konservativ gerechnet“ einen Umsatz von über acht Milliarden Euro und eine Rendite von deutlich über zehn Prozent. Auf weitere Spekulationen wollte er sich nicht einlassen, „wir berichten nur über Fakten“.

Während das Automobilgeschäft mit einem Wachstum von 45 Prozent sehr deutlich zugelegt hat, wird die Sparte Industrie mit Sitz in Schweinfurt sich erst zeitversetzt wirklich erholen. Im ersten Halbjahr hat sie um fünf Prozent zugelegt. Die Bücher sind inzwischen jedoch voll. Die Kurzarbeit ist im gesamten Konzern beendet. Seit Jahresbeginn wurden weltweit über 2000 Mitarbeiter eingestellt. Wachsen will Schaeffler vor allem in Asien, wo ein Investitionsprogramm über 300 Millionen Euro ansteht.

Trotz des Schuldenabbaus sollen Investitionen nicht vernachlässigt werden. Das gilt auch für Forschung und Entwicklung. Mit 5000 Ingenieuren spielt die Gruppe in der Bundesliga der deutschen Patentanmelder.

Von unserem Redaktionsmitglied Karl-Heinz Körblein
    
    

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Die neuesten Kommentare

fcbfan (6 Kommentare) am 02.10.2010 16:58

Erst auf höchsten Niveau gejammert

Bin froh das damals der Staat nicht eingesprungen ist, das Geld wäre heute auch weg.
(0)
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