aktualisiert: 06.02.2012 19:50 Uhr
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UNTERFRANKEN
„Investoren fahren gut mit Solarstrom“
Der technische Fortschritt wird dazu führen, dass Strom aus Sonnenenergie unter den Erneuerbaren voraussichtlich eine der günstigsten Formen wird, sagt Belectric-Chef Bernhard Beck.
Unterfranken Solarstrom ist die in Deutschland derzeit umstrittenste Form erneuerbarer Energie. Die Förderung sei für die Verbraucher zu teuer, der Ertrag zu gering, meinen Wirtschaftspolitiker der schwarz-gelben Regierung und fordern einen radikalen Schnitt. Bernhard Beck, Gründer und Geschäftsführer der Firma Belectric-Solarkraftwerke im fränkischen Kolitzheim (Lkr. Schweinfurt), sagt: Solarstrom aus Deutschland ist bereits heute vergleichsweise günstig und unerlässlich für die Energiewende.
Frage: Da kann die Sonne noch so sehr scheinen, über der Solarbranche sind dunkle Wolken aufgezogen.Bernhard Beck: Die eine Branche gibt es so nicht. Es gibt Unternehmen, die Module oder Wechselrichter produzieren, und solche, die Systemkomponenten herstellen, in der Forschung und Entwicklung tätig sind. Die Berichterstattung hat sich sehr auf die Hersteller von Modulen konzentriert.
Bitte Klartext: Wem geht es gut und wem schlecht?Beck: Investoren in Solarenergie geht es bei den aktuellen, wie ich finde angemessenen Fördersätzen gut. Bei Dachflächenanlagen sind die Renditen besser als bei Freiflächenanlagen. Vielen Herstellern von Modulen geht es schlecht, weil sie ihre Produktion nicht zum angemessenen Preis an den Mann bringen.
Ihrer Firma geht es gut?Beck: Ja. Mehr als 80 Prozent der Komponenten, die wir herstellen, verbauen wir in eigene Projekte. Dabei handelt es sich meist um Bürgersolarparks oder Projekte, die von Fonds oder Genossenschaften betrieben werden. Beispiele hierfür sind die Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Energiegenossenschaft in den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld. Die Bevölkerung ist mit im Boot, nur so gelingt die Energiewende.
Es lohnt sich also nach wie vor, in Solarkraft zu investieren?Beck: Wir wissen natürlich noch nicht, ob und wie stark die Einspeisevergütung für Solarstrom in diesem Jahr gekürzt werden wird. Wir hoffen, dass sich die politischen Entscheidungsträger mit der Solarindustrie abstimmen, schon wegen der großen volkswirtschaftlichen Bedeutung der Gesamtbranche. Ich gehe aber davon aus, dass uns der technische Fortschritt weitere Preissenkungen ermöglicht. Wir werden am Jahresende Solarstrom für rund 15 Cent je Kilowattstunde herstellen. Zur Jahrtausendwende hat das doch niemand für möglich gehalten.
Den Preisrutsch haben wir Modulen aus chinesischer Fertigung zu verdanken?Beck: Wir verwenden keine Module aus chinesischer Fertigung, Module sind außerdem nur ein Baustein der Solaranlage. In der Branche entfallen 80 Prozent der Arbeitsplätze auf die Systemintegration und Komponentenfertigung in Deutschland. 10 000 Handwerksbetriebe bauen Solaranlagen auf Deutschlands Dächer und liefern die Komponenten dazu. Außerdem kann der Chinese Module nicht automatisch billiger produzieren. Die Kosten lassen sich nicht durch billige Arbeitskräfte verringern, nur durch eine weitgehende Automatisierung der Produktion.
Können Sie denn chinesische Module empfehlen?Beck: Es gibt dort Produkte guter Qualität, allerdings auch viele, die nicht mit den Premium-Produkten zu vergleichen sind, die wir aus Deutschland, den USA und Malaysia beziehen.
Worauf sind dann die Erfolge chinesischer Solarmodule zurückzuführen?Beck: Darauf, dass die chinesische Politik einem Unternehmer über ein Jahrzehnt hinweg verlässliche Rahmenbedingungen bietet. Die deutsche Energiepolitik hat leider eine Halbwertszeit von wenigen Wochen.
Es heißt immer, Solarstrom sei die teuerste der erneuerbaren Energien.Beck: Leider wird immer nur der höchste Fördersatz erwähnt, der für kleine Dachanlagen, nicht der deutlich niedrigere für Freiflächenanlagen. Der technische Fortschritt wird dazu führen, dass Solarstrom einer der günstigsten unter den erneuerbaren Energien wird.
Es heißt auch, die Netze müssen ausgebaut werden, damit sie den vielen Strom transportieren können, wenn die Sonne scheint und der Wind bläst.Beck: Fast alle Zeitungen schreiben das. Da ist von Hunderttausenden Kilometern neuer Leitungen die Rede. Vollkommen übertrieben! Wieviel Netzausbau wir brauchen, hängt davon ab, wie intelligent wir die Netze machen. Momentan haben wir ganz wenig bis gar keine Intelligenz im Netz.
Das müssen Sie erklären.Beck: Wir müssen Energie dezentral erzeugen und bedarfsgerecht zur Verfügung stellen. Spannungsschwan-kungen im Netz lassen sich mit der Technik modernster Freiflächen-Solarkraftwerke in der jeweiligen Region ausgleichen. Dadurch können wir mehr erneuerbare Energie ins bestehende Netz einspeisen, sparen also beim Netzausbau. Dann können wir auch den Wärmemarkt einbinden. Leider wird immer noch ein Großteil der Wärme mit Erdöl und Ergas erzeugt. Das entstehende Kohlendioxid schädigt unser Klima.
Sie wollen Häuser mit Strom heizen?Beck: Mit regenerativem Strom, warum nicht. Wenn ich den Strom einer Photovoltaikanlage mittels einer Wärmepumpe zur Warmwasserbereitung nutze, ist kein Öl- oder Gasbrenner nötig. Damit senken wir den CO2-Ausstoß und generieren mehr Wertschöpfung im Land, was wiederum die Volkswirtschaft stärkt.
Noch kurz zu einem anderen Geschäftsfeld der Belectric, der Elektromobilität. Warum sehen wir nicht mehr Elektrofahrzeuge auf unseren Straßen?Beck: Belectric Drive führt eine der größten Flotten in Deutschland, etwa 70 Fahrzeuge, und das in einer Region, die teilweise sehr ländlich geprägt ist.
Auf den Parkplätzen, die der Geschäftsleitung vorbehalten sind, habe ich hubraumstarke Dieselfahrzeuge gesehen.Beck (lacht): Denke, das beantwortet schon Ihre Frage. Die Elektromobilität ist noch nicht für alle Reichweiten geeignet. Langstreckenfahrzeuge sind zwar technologisch möglich, aber extrem teuer. Für den Pendlerverkehr aber sind Elektrofahrzeuge heute schon wirtschaftlich. In den kommenden zwei, drei Jahren wird sich zeigen, dass das Elektrofahrzeug auf der Kurzstrecke günstiger ist als ein Benzin- oder Dieselfahrzeug. Wir von Belectric haben die Infrastruktur entwickelt, um diese Fahrzeuge mit Solarenergie zu betanken.
Bernhard Beck
Die Firma Belectric im unterfränkischen Kolitzheim (Lkr. Schweinfurt) hat nach eigenen Angaben 2011 mehr Phtovoltaik-Leistung installiert als jedes anderes Unternehmen weltweit, das Magazin „photovoltaik“ spricht vom Weltmarktführer. Belectric beschäftigt 2000 Mitarbeiter in 15 Ländern, Geschäftsführer ist Bernhard Beck (34).

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