aktualisiert: 08.02.2012 09:09 Uhr
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FRANKFURT
Deutsche Vermögen schrumpfen
Kursrutsch an den Börsen kostet die Privathaushalte viel Geld
Der Börsencrash im Sommer 2011 hat am Geldvermögen der Deutschen genagt: Erstmals seit mehr als zwei Jahren verloren die Privathaushalte im dritten Quartal wieder Geld, wie die Deutsche Bundesbank am Dienstag mitteilte. Der Rückgang sei allein auf die Kursverluste an den Kapitalmärkten zurückzuführen. Nach den Angaben sank das Privatvermögen aus Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen oder Sparbriefen zwischen Juli und September gegenüber dem Vorquartal um 63 Milliarden Euro auf 4 663 Milliarden Euro. Zuvor war das private Geldvermögen Ende Juni auf ein Allzeithoch geklettert. Sachwerte wie Immobilien sind nicht enthalten.
Im Vergleich zum dritten Quartal 2010 sind die Menschen in Deutschland zusammengenommen nicht reicher geworden. Zwar reichte es zu einem nominalen Plus von 2,1 Prozent. Real blieb von dem Anstieg aber nichts übrig: Im September 2011 hatte die Inflation mit 2,6 Prozent ein Drei-Jahres-Hoch erreicht. Ohne den negativen Effekt an den Kapitalmärkten stieg das Geldvermögen der Privathaushalte im dritten Vierteljahr 2011 zwar um gut 31 Milliarden Euro. Doch auch dieser Zuwachs fiel nach den Angaben deutlich geringer aus als in den Quartalen zuvor. So zogen die Anleger rund vier Milliarden Euro aus festverzinslichen Wertpapieren einschließlich Geldmarktpapieren ab – unter anderem wegen der andauernden Unsicherheit auf den Anleihemärkten. Starke Abflüsse verzeichneten auch Investmentzertifikate, die per saldo um knapp sieben Milliarden Euro zurückgeführt wurden: „Ausschlaggebend waren die Aktienkursrückgänge im dritten Quartal 2011, die für einen regen Verkauf insbesondere von Publikumsfonds sorgten“, berichtete die Bundesbank. Stattdessen flohen die privaten Investoren in sichere Anlagen: Vor allem Bankeinlagen einschließlich Bargeldhaltung legten um netto rund 18 Milliarden Euro spürbar zu. Besonders begehrt waren Sichteinlagen einschließlich Bargeld, denen netto gut elf Milliarden Euro zuflossen. Termingelder stiegen um knapp sieben Milliarden Euro. Die Ansprüche gegenüber Versicherungen nahmen erneut um 12,4 Milliarden Euro zu.
Gleichzeitig häuften die privaten Haushalte wieder mehr Schulden an. Per saldo wurden Kredite in Höhe von knapp sieben Milliarden Euro aufgenommen. Damit beliefen sich die Verbindlichkeiten am Quartalsende insgesamt auf rund 1 552 Milliarden Euro. Das Nettogeldvermögen fiel damit von zuvor 3185 auf 3111 Milliarden Euro. Mit Ausnahme einiger krisenbedingter Dellen häufen die Deutschen seit Jahrzehnten stetig mehr Geldvermögen an: Anfang 1991 hatte das Vermögen der privaten Haushalte noch einen Wert von revidiert 1751 Milliarden Euro, Anfang 2001 waren es revidiert 3488 Milliarden Euro. 2005 wurde die Marke von 4000 Milliarden Euro erstmals übersprungen.

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