publiziert: 21.08.2008 19:00 Uhr
aktualisiert: 22.08.2008 17:13 Uhr
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Herzogenaurach übernimmt Hannover

Die Schaeffler-Gruppe zahlt für Conti einen hohen Preis – Friedliches Ende einer Übernahmeschlacht

Wochenlang haben sie gegeneinander gekämpft: Jetzt ist das Familienunternehmen Schaeffler beim Dax-Konzern Conti am Ziel. Die Franken übernehmen nach einer der spektakulärsten Übernahmeschlachten der deutschen Wirtschaftsgeschichte faktisch die Kontrolle beim hannoverschen Autozulieferer – allerdings zu einem hohen Preis.

In der Nacht zum Donnerstag vereinbarten beide Unternehmen ein umfangreiches Gesamtpaket. Demnach sieht die Einigung vor, dass Schaeffler seine Offerte von 70,12 auf 75,00 Euro je Conti-Aktie erhöht und damit fast eine Milliarde Euro mehr zahlt als bisher vorgesehen. Außerdem werde der Konzern nicht zerschlagen und der Unternehmenssitz in Hannover bleiben. Die Einhaltung dieser Vereinbarungen, zu denen auch zahlreiche Passagen zum Schutz der Arbeitnehmer gehören, sollen von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder als so genannter Garant überwacht werden.

Als großer Verlierer der Einigung gilt Conti-Chef Manfred Wennemer - der gestern zum Monatsende seinen Rücktritt angekündigt hat. „Die Entscheidung über die Nachfolge wird der Aufsichtsrat zeitnah treffen“, sagte gestern der stellvertretende Gremiumsvorsitzende Werner Bischoff. In Unternehmenskreisen gilt Conti-Vorstandsmitglied Karl-Thomas Neumann als Favorit für den Posten. Aber auch dem bisherigen Finanzchef Alain Hippe werden Außenseiterchancen eingeräumt. Hippe hatte sich allerdings – anders als Neumann – im Abwehrkampf massiv gegen den neuen Großaktionär Schaeffler ausgesprochen. Es sei deshalb kein Wunder, dass Schaeffler zu Neumann tendiere, heißt es von mit der Situation vertrauten Personen.

Konzernkreisen zufolge will Schaeffler vier Sitze im neu zu besetzenden Conti-Aufsichtsrat beanspruchen. In das Gremium dürfte mit Sicherheit Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger einziehen.

Bei der Übernahme von FAG Kugelfischer durch Schaeffler vor sieben Jahren nahm der promovierte Maschinenbauer die damalige Neuerwerbung unter eine enge Kontrolle. Zeitweise leitete Geißinger sogar das operative Geschäft bei FAG. Bei Schaeffler führt der 49-Jährige seit zehn Jahren das Familienunternehmen und trimmte es auf einen aggressiven Expansionskurs.

Mit der Neuerwerbung Conti steigt Schaeffler hinter Bosch und dem japanischen Konzern Denso zum weltweit drittgrößten Automobilzulieferer auf. Zusammen kommt der Konzern auf 35 Milliarden Euro Umsatz. Die im Vergleich zu Conti wesentlich kleineren Franken, die hauptsächlich mechanische Komponenten fertigen, verschaffen sich mit dem Zukauf wertvolle Kompetenz im Bereich Elektronik. „Damit schaffen wir die Voraussetzung für die Kombination zweier deutscher Technologieführer, die innovative Lösungen für die künftigen Herausforderungen der Automobilindustrie liefern wird“, freut sich Geißinger.

Die Vereinbarung zwischen Conti und Schaeffler sieht auch vor, dass die Franken es innerhalb der nächsten vier Jahre bei einer Minderheitsbeteiligung von höchstens 49,9 Prozent belassen. Ansonsten müssten bestehende Kreditverträge neu verhandelt werden, was die Conti-Bilanz womöglich schwer belasten würde

Die Übernahme von Conti verbessert nach Ansicht führender deutscher Automanager die Machtbalance in der Branche. Sie begrüßen, dass dem Marktführer Bosch mit der neuen Gruppe ein starkes Gegengewicht erwächst.

Von Carsten Herz, Martin C. Schneider und Martin Buchenau (Handelsblatt)
    
    

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