aktualisiert: 10.08.2012 17:59 Uhr
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FRANKFURT
Issings Warnung
Würzburger Ökonom warnt vor Schuldenunion
Der frühere Chefvolkswirt der EZB, Otmar Issing, hat die Europäische Zentralbank eindringlich vor erneuten Staatsanleihenkäufen gewarnt. „Das macht die Notenbank endgültig zum Gefangenen der Politik“, sagte Issing bei der Vorstellung seines Buchs. Es sei zwar grundsätzlich vernünftig von EZB-Chef Mario Draghi, die Bondkäufe an Hilferufe und Reformvorhaben von Schuldenstaaten zu knüpfen.
Doch bringe der EZB-Chef die Notenbank damit zugleich unter enormen Handlungsdruck, wenn die Schuldenländer tatsächlich einen Antrag stellten. In dem Interviewband mit dem Titel „Wie wir den Euro retten und Europa stärken“ warnt der Ökonomie-Professor die Eurozone zugleich vor dem Marsch in eine Schuldenunion: „Eurobonds oder auch der Schuldentilgungsfonds, wie vom Sachverständigenrat vorgeschlagen, das sind für mich die falschen Wege.“ Die Rechnung lande beim Steuerzahler, der die wegen der gemeinsamen Haftung steigende Zinslast für die deutsche Staatsschuld letztlich schultern müsse.
Issing äußerte sich auch skeptisch zu einer erweiterten Rolle der EZB als europäische Bankenaufseherin: „Die EZB würde weiter in die Politik hineingezogen, denn am Ende sind Entscheidungen über den Einsatz von Steuerzahlergeldern zu treffen.“ Issing saß von 1998 bis 2006 im Direktorium der EZB. Der gebürtige Würzburger gilt als einer der Gründerväter des Euro.
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