aktualisiert: 28.07.2009 18:13 Uhr
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Sand im Getriebe
Showdown in Hannover: Conti und Schaeffler streiten über Kapitalerhöhung
Bei der mit Spannung erwarteten Sitzung des Aufsichtsrats von Continental morgen Nachmittag in Hannover könnte sich die Zukunft von Conti-Chef Karl-Thomas Neumann entscheiden. Sollte der Vorstandsvorsitzende den erbitterten Machtkampf mit Großaktionär Schaeffler verlieren und keine Mehrheit für eines seiner beiden Zukunftskonzepte finden, rechnen Teile des Aufsichtsrats mit seinem Rücktritt. „Der Vorstand könnte bei einem Misserfolg Konsequenzen ziehen, weil er nicht mehr in der Lage wäre, das Geschäft zu führen“, hieß es bei den Arbeitnehmervertretern im Rat. In Branchenkreisen wird diese Einschätzung geteilt.
Der hochverschuldete Conti-Konzern braucht dringend eine Lösung für seine Finanzierungsprobleme. Nach Informationen des Handelsblatts blockiert Schaeffler aber sowohl eine zügige Fusion der beiden Unternehmen als auch eine größere Kapitalerhöhung für Conti. In Finanzkreisen gilt ein Kompromiss als möglich: Neumann könnte beauftragt werden, eine Kapitalerhöhung vorzubereiten, ohne dass diese gleich beschlossen wird. Über den Markt ließe sich ohnehin in der Sommerpause kein größeres Paket platzieren. Zuvor müsste der Conti-Vorstand in jedem Fall einen Prospekt für die Anleger erstellen.
Sollte Schaeffler Neumann aber komplett auflaufen lassen, müsste der Großaktionär wohl einen neuen Vorstandschef suchen. „Neumann würde sonst sein Gesicht verlieren“, hieß es in Branchenkreisen. Dabei wurde darauf verwiesen, dass Conti ohnehin schon wichtige Spitzenkräfte verloren habe – und Neumann der Wunschkandidat von Schaeffler für den Spitzenjob gewesen sei.
Der Conti-Chef hatte sich auf der Hauptversammlung im April selbst unter Druck gesetzt, als er versprach, innerhalb von 100 Tagen einen Plan für die Integration von Conti und Schaeffler vorzulegen. Der Manager sieht erhebliche Liquiditätsengpässe auf den Konzern zukommen. Unklar ist etwa, wie ein im Sommer 2010 fälliger Kredit in Höhe von 3,5 Milliarden Euro getilgt werden soll. Conti drücken fast zwölf Milliarden Euro Schulden.
Neumann will deshalb einen Vorratsbeschluss erwirken, um in den nächsten Monaten eine Kapitalerhöhung in Angriff nehmen zu können. Doch das Vorhaben spaltet die Kontrolleursriege. Hinter dem Conti-Chef stehen dem Vernehmen nach die zehn Vertreter der Arbeitnehmerbank. „Eine Kapitalerhöhung ist die richtige Entscheidung“, sagte IG-Chemie-Funktionär und Vizeaufsichtsratschef Werner Bischoff dem Handelsblatt.
Conti habe wirtschaftlich Fuß gefasst und sei in der Lage, eine Kapitalerhöhung umzusetzen. Bischoff: „Es wäre gut, wenn bis Donnerstag mögliche Bedenken ausgeräumt würden.“ Widerstand kommt aus Herzogenaurach. Großaktionär Schaeffler, der insgesamt 90 Prozent an Conti hält, will seine Anteile nicht durch eine Kapitalerhöhung verwässern lassen. Um daran teilzunehmen, fehlt den Franken – die 75 Euro pro Conti-Aktie geboten haben – aber das Geld. Derzeit notiert das Papier bei 26 Euro. Im Unternehmensumfeld wird zudem betont, dass eine Kapitalerhöhung auch nicht unbedingt im Interesse von Conti sei. Neumann sieht das anders und will seinen Räten zeigen, dass ein solcher Schritt nicht zwangsläufig den Kurs belastet.
Vom Tisch ist eine schnelle Fusion mit Conti. Zu unterschiedlich sind die Interessen der Conti- und der Schaeffler-Banken. Und die Familie Schaeffler hofft bei einer späteren Fusion in wirtschaftlich besseren Zeiten mehr Anteile am neuen Konzern behalten zu können.
Problematisch erscheint Experten die Rolle von Contis Chefaufseher Rolf Koerfer. Als Anwalt vertritt er Schaeffler, als Contis Aufsichtsratschef ist er dem Wohl des Unternehmens verantwortlich. Einige Juristen sind deshalb überzeugt, dass er sich aufgrund eines Interessenkonfliktes morgen der Stimme enthalten sollte.
Selbst wenn Koerfer mit den zwei Stimmen des Chefkontrolleurs und den vier Schaeffler-Vertretern gegen eine Kapitalerhöhung stimmen sollte, ist nicht ausgemacht, dass der Großaktionär sich durchsetzt. Die niedersächsischen Vertreter der Kapitalseite wie Tui-Chef Michael Frenzel gelten als Wackelkandidaten. Stimmt der Rat aber mit Stimmen der Arbeitgeberbank einer Kapitalerhöhung zu, brüskiert das Schaeffler.
Druck kommt von Contis wichtigsten Banken. „Alles, was Conti gut tut, ist auch für die Banken gut“, heißt es in Finanzkreisen. Als Pfand ein Unternehmen zu haben, das ohne frische Mittel in Liquiditätsprobleme gerate, sei keine Alternative. In einem Brief hatten sich vier wichtige Conti-Banken für eine schnelle Kapitalerhöhung eingesetzt.

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