aktualisiert: 19.08.2009 17:52 Uhr
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HERZOGENAURACH/SCHWEINFURT
Schaeffler kann wieder nach vorne blicken
Bankenkonsortium sichert Zukunft des Autozulieferers mit Zusagen über zwölf Milliarden Euro
Monatelang stotterte er und drohte schon ganz abzusterben – aber nun scheint der Schaeffler-Motor wieder anzulaufen. Die Zusage der Banken verschafft dem verschuldeten Herzogenauracher Autozulieferer den dringend benötigten Spielraum, um mitten in der Autokrise nicht völlig vom Kurs abzukommen.
Da zudem vor wenigen Tagen mit der Installierung des Schaeffler-Managers Elmar Degenhart an der Conti-Spitze ein wichtiger Schritt getan wurde, um den Machtkampf mit dem Hannoveraner Autozulieferer Continental zu beenden, ist die Erleichterung bei Schaeffler groß – nach turbulenten Monaten könnte bei dem Familienunternehmen erstmals wieder etwas Ruhe einkehren.
Mit Erleichterung hat man auch am Standort Schweinfurt – Sitz der Tochter FAG – das neue Finanzierungskonzept aufgenommen. Gesamtbetriebsratsvorsitzender Norbert Lenhard begrüßte die „Umschuldung auf eine neue Kreditlinie“, die Luft für eine Zusammenführung von Conti und der Holding lasse. Für die Mitarbeiter und den Bestand der Arbeitsplätze bei Kugelfischer sei dies eine positive Nachricht, sagte er dieser Zeitung.
Mit der Conti-Übernahme, finanziert durch milliardenschwere Kredite, hatten sich Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg verhoben. Denn beide Unternehmen wurden kurz danach voll von der Wirtschaftskrise erfasst, das mit zwölf Milliarden Euro verschuldete Herzogenauracher Unternehmen konnte die Kredite nicht mehr bedienen.
Das Konzept über zwölf Milliarden Euro soll die Finanzierung des Wälzlagerherstellers nun nachhaltig sichern. Auf dieser Basis werden die bisherigen Kreditverbindlichkeiten der Schaeffler Gruppe in zwei Tranchen aufgeteilt: einen Kredit, der auf das operative Geschäft abgestellt wird, und einen Kredit, der auf Holding-Ebene verbleibt. Die Laufzeit des ersten Kredites beträgt bis zu viereinhalb Jahre und die des zweiten bis zu sechs Jahre. Die Vereinbarung sei mit den fünf Konsortialbanken Commerzbank, UBS, Royal Bank of Scotland, Unicredit und Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) einvernehmlich erzielt worden, hieß es am Dienstag
Im Gegenzug wird sich das bisherige Familienunternehmen Schaeffler dem Kapitalmarkt öffnen. Dies soll nach Angaben aus unternehmensnahen Kreisen bis Mitte 2010 geschehen. Dabei muss es nicht unmittelbar auf eine Umwandlung in eine Aktiengesellschaft hinauslaufen; es gebe auch Möglichkeiten wie die Wandlung in eine GmbH.
Generell wird für Familienunternehmen häufig die Rechtsform einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) gewählt; dabei handelt es sich um eine Aktiengesellschaft mit persönlich haftenden Gesellschaftern (Komplementären), die mehr Macht behalten. Klar ist jedenfalls: Die Tage des reinen Familienunternehmens Schaeffler sind gezählt.
Mag das für die Schaefflers bitter sein, für die Arbeitnehmer zählt vor allem die Sicherheit der Jobs. Dabei hat sich die Situation zumindest im Automotive-Bereich etwas entspannt. „Die Abwrackprämie wirkt“, so Betriebsratschef Lenhard. „Wir spüren eine steigende Auslastung der Fertigungsanlagen.“ Es werde nicht mehr an allen Standorten kurzgearbeitet. Freilich ist der Fördertopf für die Prämie fast leer – was danach passiert, erwarten die Schaeffler-Beschäftigten mit Bangen.

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