aktualisiert: 23.04.2009 18:10 Uhr
Text
Text
HANNOVER
Schlechte Stimmung bei der Conti-Hauptversammlung
Drinnen Streit mit Schaeffler, draußen Proteste – Zulieferer bangt um seine Zukunft
(dpa) In einem dramatischen Appell an Großaktionär Schaeffler hat Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann ein rasches Konzept für die Zukunft der beiden angeschlagenen Konzerne gefordert.
Ein weiteres Abwarten in der extrem schwierigen wirtschaftlichen Lage berge das Risiko einer „unkontrollierten Entwicklung“, sagte Neumann am Donnerstag bei der Hauptversammlung. Schaeffler und Continental sind hoch verschuldet, die Branchenkrise hat die beiden Autozulieferer voll erwischt. Neumann kündigte an, innerhalb von maximal 100 Tagen selbst ein tragfähiges Zukunftskonzept vorlegen zu wollen.
Neumann sagte, es sei etwa offen, ob sich Conti auf das Geschäft als Autozulieferer konzentrieren solle und was dann aus der Reifensparte werde. Offen sei zudem, wie das Automobilgeschäft alleine in der aktuellen Krise ohne die Beiträge der Reifensparte die Zukunftsthemen finanzieren solle. Schaeffler und Conti hatten zwar vereinbart, über eine Zusammenlegung der Automobilsparten zu sprechen und die Conti- Reifensparte auszugliedern – ein Konzept und ein Zeitplan aber liegen bislang nicht vor. Schaeffler hatte sich bei der auf Pump finanzierten Übernahme des drei Mal größeren Continental-Konzerns im Zuge der Finanz- und Autokrise überhoben. Die hoch verschuldete Gruppe bittet um Staatshilfen.
Scharfe Kritik an Schaeffler äußerte Frank-Holger Lange von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Schaeffler versuche, eigene Interessen auf dem Rücken von Conti durchzusetzen. Das Vorgehen sei „egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos“, sagte Lange. Der Conti-Konzern war im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gerutscht und hat seinen Sparkurs deutlich verschärft. Neumann bezeichnete die umstrittene Schließung von Reifenwerken am Stammsitz Hannover sowie im nordfranzösischen Clairoix angesichts des dramatischen Markteinbruchs erneut als wirtschaftlich alternativlos.
Von den Schließungen sind insgesamt rund 1900 Beschäftigte betroffen. Vor dem Tagungssaal protestierten rund 2000 Beschäftigte gegen die Pläne, darunter rund 1200 Conti-Arbeiter aus Frankreich. Die Demonstration blieb friedlich. Im Vorfeld waren Randale französischer Conti-Arbeiter befürchtet worden. Neumann sagte zu den Protesten: „Arbeit für alle bei der Continental lässt sich nicht herbeidemonstrieren.“

Wetter
