REICHENBERG

Adelsgeschichten aus Schloss Reichenberg

Schloss Reichenberg im Landkreis Würzburg war 1629 Schauplatz einer Hexenverbrennung, die der Schlossherr zu verhindern suchte. Wolf Bartholomäus Wolfskeel brachte dem „Wolffskeel-Ländle“ den protestantischen Glauben. Heute sorgt Schlossherr Christoph von Seydlitz-Wolffskeel für umweltfreundlich geheizte Schlossräume.
Schloss Reichenberg

Weit über 800 Jahre können die Woffskeels ihren Stammbaum zurückverfolgen. Das Schloss in Reichenberg erwarb Ritter Eberhard von Wolfskeel 1376 als Lehenssitz. Seitdem nennt sich die Familie, die zum fränkischen Uradel zählt, Wolfskeel von Reichenberg. Reichenberg wurde zum Hauptsitz im „Wolffskeel-Ländle“ südlich von Würzburg, zu dem bald auch Rottenbauer, Hattenhausen, Lindflur, Albertshausen, Uengershausen und Geroldshausen als Lehen gehörten.

Heute dient der Nordbau im Renaissance-Stil mit Fachwerkteilen aus dem 17. Jahrhundert der Familie von Seydlitz-Wolffskeel als Wohnhaus. Im Gewölbekeller des Südflügels, der zu den ältesten Teilen der Schlossanlage gehört, finden ab und zu Konzerte statt.

Schloss Reichenberg liegt dominant auf einem Felssporn über Reichenberg, und die Herrschaft der Wolfskeels prägte die Gegend über Jahrhunderte. Etwa, als Wolf Bartholomäus Wolfskeel (1535 – 1605) in der Zeit der Gegenreformation Streit mit dem mächtigen Würzburger Fürstbischof Julius Echter bekam und schließlich mit seiner Familie um 1580 dem protestantischen Glauben beitrat. Weil damals des Fürsten Glauben auch der des Volkes sein musste, sind seitdem die Dörfer im Wolffskeel-Ländle überwiegend evangelisch-lutherisch.

Besonders dramatisch spitzten sich die Auseinandersetzungen zwischen dem katholischen Hochstift Würzburg und den evangelischen Wolfskeels zu, als Hans Erhard von Wolfskeel sich schützend vor die Tochter eines Uengershäuser Schäfers stellte. Der vom Hexenverfolgungswahn getriebene Bischof Philipp Adolf von Ehrenberg ließ dem Mädchen unter der Folter ein Geständnis abringen, das sie der Hexerei überführte. Erhard wurde gezwungen, die Verbrennung der angeblichen Hexe im Schlosshof von Reichenberg zu vollziehen.

Wie sein Vorbild Wolf Bartholomäus übernahm auch Christoph von Seydlitz-Wolffskeel die Verantwortung für sein Erbe bereits als knapp 18-Jähriger von seiner Mutter, Gräfin Emma-Sophie (1921 – 2000). Die begeisterte Reiterin machte Schloss Reichenberg zu einem Zentrum des Reitsports. Das Schloss ist seitdem Lebensaufgabe und Verpflichtung für Christoph und Karin von Seydlitz-Wolffskeel, die für die Restaurierungsarbeiten 1997 mit der Denkmalschutzmedaille des Bayerischen Kulturministeriums ausgezeichnet wurden. Heute wird das weitläufige Schloss mit einer umweltfreundlichen Holzhackschnitzelheizung warm gehalten. Das Holz dazu kommt aus dem eigenen Wald im Guttenberger Forst.

Übrigens: Das zweite „f“ im Namen Wolffskeel erwarb einer der bedeutendsten Familienoberhäupter, Graf Karl, im Dienste des Prinzregenten Luitpold von Bayern. Der erhob seinen treuen und einflussreichen Obersthofstallmeister und engen Vertrauten 1901 in den Grafenstand. Der erhöhte Stand wurde mit dem zweiten „f“ im Namen angedeutet.

 

Öffnungszeiten
Schloss Reichenberg ist in Privatbesitz und nur auf Anfrage zu besichtigen.
 
Ausflugtipp
Im nahegelegenen Guttenberger Forst gibt es schöne Wanderwege und einen Walderlebnispfad für die ganze Familie. Das Forsthaus Guttenberg lädt zur Einkehr ein: Tel. (0 93 06) 1323

Anfahrt
Der Weg nach Reichenberg führt von Würzburg aus über die B19 in südlicher Richtung, Abzweigung Reichenberg. Das Schloss liegt gleich rechts nach der Tierklinik.

 

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