GERSFELD

Blutige Vergangenheit und herrliche Aussichten - Geschichte der Ebersburg bei Gersfeld

Ob sie die schönste Burgruine der Rhön ist, wie oft behauptet wird, darüber lässt sich streiten. Unbestritten ist, dass sich Besuchern von ihrem Vierecksturm der wohl schönste Ausblick über die Rhön bietet.
Ebersburg

Aus diesen Gründen ist die Ebersburg bei Gersfeld an der bayerisch-hessischen Grenze heute ein beliebtes Ausflugsziel. Dabei haben die im Volksmund „Eberszwackel“ genannte Burganlage und ihre einstigen Besitzer, die Herren von Ebersberg, eine durchaus wechselvolle und auch blutige Geschichte aufzuweisen.

Doch davon ist heute nichts mehr zu erkennen. Wenn man nach einem kurzen Anstieg durch einen alten Laubwald die Spitze des fast 700 Meter hohen Ebersbergs erklommen und einige Reste der früheren Vorburg passiert hat, erreicht man über einige Stufen die gut erhaltene Ruine.

Eine von zwei Durchgängen durchbrochene und mit zwei weit in das Land ragenden Türmen versehene Ringmauer umschließt den Berggipfel. Von einer weiteren Bebauung ist nichts mehr zu erkennen, stattdessen laden im begrünten Innenhof Sitzmöglichkeiten zum Verweilen ein. Ein Höhepunkt des Burgenbesuchs dürfte die Turmbesteigung sein. Den Schlüssel zum Turm muss man sich vorher gegen eine kleine Kaution im einige Hundert Meter entfernten Gasthof „Zur Ebersburg“ abholen. Vom Turm aus bietet sich eine einzigartige Rundsicht über die Berge der Rhön – so das oft raue Rhöner Wetter mitspielt.

 

Wann genau die Burg erbaut wurde, ist unklar. Auch über ihre weitere Geschichte finden sich unterschiedliche Aussagen. Heimatforscher Hubert Volkmar, auf dessen Erkenntnisse im Folgenden zurückgegriffen wird, erklärt, dass es die aus dem fränkischen Uradel stammende Familie der Ebersberger war, die um 1200 die Anlage auf dem alten Vulkankegel errichten ließ. Auf das stauferzeitliche Bauwerk weisen die mächtigen Buckelquader hin, aus denen der untere Teil des Viereckturmes besteht. Erstmals erwähnt wird die Ebersburg 1219.

 

Lange hat sie in ihrer ursprünglichen Form nicht bestanden, denn schon 1271 wurde sie zerstört. Wie andere Rhöner Ritter lagen die Ebersberger in dieser Zeit im Dauerstreit mit den Äbten in Fulda. So rebellierte Hermann von Ebersberg um 1270 offen gegen Abt Bertho II. von Leibolz, der von den Rhönern wegen seiner kleinen Gestalt abschätzig „Abt Fingerhut“ genannt wurde.

Nachdem Hermann einige von dessen Besitztümern verwüstet hatte, belagerte Bertho die Ebersburg. Hermann gelang die Flucht zur nahen Osterburg am Kreuzberg. Bertho ließ nun diese belagern und zerstören. Hermann entkam nach Bischofsheim, wo man ihn gefangen nahm und Teile der Stadt niederbrannte.

Mord im Gottesdienst

 

Bertho ließ den Ebersberger auf dem Marktplatz von Fulda enthaupten. Damit empörte er allerdings die Rhöner Ritterschaft. 16 Ritter verschworen sich, kamen als Pilger verkleidet nach Fulda, töteten den Abt während eines Gottesdienstes in der Jakobskapelle mit 16 Stichen und schlugen ihm den Kopf ab.

Bei der folgenden Hatz nach den Mördern wurden die beiden Ebersberger Albert und Heinrich auf dem Frankfurter Römer grausam hingerichtet, die Ebersburg zerstört. Etwa 100 Jahre lag sie in Trümmern, bevor sie wieder aufgebaut wurde.

Im 16. Jahrhundert verlor die Ebersburg ihre militärische Bedeutung. Ab 1516 dürfte sie aufgegeben worden sein. Sie verfiel, bis in der Zeit der Burgenromantik der damalige königlich-bayerische Landrichter Geigel zur Weyhers mit Sitz in Gersfeld den weiteren Verfall der Ruine stoppte. 1852 wurden ihm Gelder für Unterhaltungsmaßnahmen genehmigt. Mit denen ließ er unter anderem den Viereckturm als Aussichtsturm herrichten. Im letzten Jahrhundert haben das Land Hessen und Hessenforst erheblich in die Instandhaltung der Burg investiert.

Zutritt Den Schlüssel für eine Turmbesteigung erhält man in der nahen Gaststätte „Zur Ebersburg“ gegen eine kleine Kaution. Burgführungen bietet Natur- und Landschaftsführer Hubert Volkmar auf Anfrage an, Tel. (0 66 58) 714.

Anfahrt Zu erreichen ist die Ebersburg über die B 279 zwischen Bischofsheim und Fulda. Kurz hinter Gersfeld zweigt in Fahrtrichtung Fulda eine Nebenstraße Richtung Poppenhausen ab. Auf einer Anhöhe sind dann links die beiden Türme zu erkennen.

  

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