Rentweinsdorf

Das Schloss ist eine Verpflichtung - Sebastian von Rotenhan über das Schloss Rentweinsdorf

Rentweinsdorf

Wie lebt es sich eigentlich in einem Schloss? „Ganz normal“, sagt Sebastian von Rotenhan. Er schmunzelt ein wenig und fügt nachdenklich hinzu „vor allem ist es eine Verpflichtung“. Dass er Letzteres nicht vergisst, daran wird der 59-jährige Schlossherr in seinem „Haus“ auf Schritt und Tritt erinnert. Gegenwart und Vergangenheit – Kontraste wohin der Blick auch geht.

Sebastian von Rotenhan sitzt im Arbeitszimmer. Auf dem Schreibtisch, der weit mehr als ein Jahrhundert gesehen hat, liegt das Handy, daneben steht der Laptop und ihm über die Schulter blickt das, was er Verpflichtung nennt: zwei Ahnenporträts, zwei von vielen im Haus. „Ich bin in einer langen Kette und möchte nicht als Sebastian der Letzte in die Geschichte eingehen.“

 

Die lange Kette, die ihm so wichtig ist, hat immerhin acht Jahrhunderte keine Unterbrechung erfahren. Urkundlich erschienen die ersten Familienmitglieder um 1230. Stammsitz der Familie war die 1324 zerstörte Burg Rotenhan. Rentweinsdorf ist seit dem 13. Jahrhundert Sitz der Vorfahren von Sebastian von Rotenhan. Wer allerdings sehen will, wie die Anfänge derer von Rotenhan ausgesehen haben, der muss im Schloss tief in die Kellergewölbe hinabsteigen. Nur noch dort sind die mächtigen Steine des Fundaments der Burg zu sehen, die der Familie über Jahrhunderte als Sitz diente. Es war eine Wasserburg. Es gab Zwingeranlagen, Rundtürme und zwei Burghäuser.

Mit Blessuren überstand sie den Bauernkrieg, verwüstet wurde sie im Dreißigjährigen Krieg, aber dennoch hielt die von Sebastian von Rotenhan zitierte Kette. Im Gegensatz zu manch anderer Burg und Adelslinie in diesen unruhigen Zeiten. Richtig Geld in die Hand genommen wurde um das Jahr 1750, um Neues auf Altem zu errichten. Der Schlossbau wurde in Angriff genommen – auf den Fundamenten der alten Burg.

 

Und es ist ein prächtiger Bau mit repräsentativem Charakter, wie es der Zeit des 18. Jahrhunderts entsprach. Vermutlich wollte Erbauer Johann Friedrich II. von Rotenhan auch zeigen, dass man reichsunmittelbar war – über ihm war kein Fürstbischof, sondern der Kaiser in Wien.

Und so dürfte auch mancher hohe Herr in Würzburg oder Bamberg ganz neidisch nach Rentweinsdorf geblickt haben. Dort war ein eleganter dreiflügeliger Rokokobau entstanden. Im stumpfen Winkel laufen die Seitenflügel auf den Haupttrakt zu und bilden so einen prächtigen Ehrenhof mit dem Haupteingang. Warum es den Vorfahren von Sebastian von Rotenhan wohl nie im Traum eingefallen wäre, die Kette freiwillig zu unterbrechen, wird deutlich, wenn man das Schloss auf der Rückseite verlässt: ein herrlicher Ausblick, der dann sofort wieder eingefangen wird vom idyllischen Schlosspark. Der war beim Bau des Schlosses als französischer Garten angelegt worden, wurde dann aber im Stil eines englischen Landschaftsparks umgestaltet. Der Blick fällt dabei auch auf die um 1770 erbaute Orangerie – eines von wenigen noch erhaltenen Gebäuden dieser Art in Bayern.

 

Acht Jahrhunderte Familiengeschichte haben auch im Inneren Spuren hinterlassen. So sind noch viele Teile der ursprünglichen Ausstattung erhalten. Wohl am Bemerkenswertesten: der große Saal im Mittelbau mit Fayencen und Rokokostuck. Und weil es sich eben in einem Schloss wie gesagt „ganz normal“ lebt, sieht man neben den ehrwürdigen Möbelstücken auch CD-Player oder die HiFi-Anlage stehen.

„Normal“ sieht in Zahlen ausgedrückt dann doch ein wenig anders aus als in den meisten Wohnhäusern. Etwa wenn Fenster gestrichen werden müssen – das sind nämlich 220 an der Zahl. Oder wenn sich jetzt die Familie „einen Luxus gönnt, den fast alle anderen schon haben, nämlich eine Zentralheizung“, so von Rotenhan. Dafür ist dann eine Viertelmillion Euro zu berappen.

  

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