Weissenbach

Des Barons Leidenschaft für wilde Auerochsen und das Barockschloss Weißenbach

Die erste Kartoffel Frankens soll 1736 in Weißenbach angebaut worden sein. Ob sich dies auf dem landwirtschaftlichen Gut der Herren von Thüngen zutrug, ist nicht belegt. Das Schloss in Weißenbach war damals gerade nicht bewohnt, denn Hans Carl, der letzte Nachfahre des Johann Friedrich von Thüngen, war 1723 gestorben. Da er ledig und kinderlos geblieben war, stand das Anwesen sechs Jahrzehnte verlassen da.
Weißenbach
Schloss Weißenbach, Raum Bad Brückenau, Sitz der Familie von Thüngen Foto: Isolde Krapf

Die erste Kartoffel Frankens soll 1736 in Weißenbach angebaut worden sein. Ob sich dies auf dem landwirtschaftlichen Gut der Herren von Thüngen zutrug, ist nicht belegt. Das Schloss in Weißenbach war damals gerade nicht bewohnt, denn Hans Carl, der letzte Nachfahre des Johann Friedrich von Thüngen, war 1723 gestorben. Da er ledig und kinderlos geblieben war, stand das Anwesen sechs Jahrzehnte verlassen da.

Der heutige Schlossherr Lutz Freiherr von Thüngen hat die Geschichte seiner Familie detailliert im Kopf. Ende des 15. Jahrhunderts soll es bereits den ersten Prachtbau in Weißenbach gegeben haben: ein Wasserschloss, das rundum von einem See umgeben war. Davon zeugen noch heute die Reste eines Türmchens im Schlossgarten und drei Weiher im Ort. Sehr viel aus dieser Zeit ist nicht überliefert. Bis zum Dreißigjährigen Krieg im Jahr 1618 soll jedoch Anhard von Thüngen mit seiner Familie „zu Weißenbach gesessen“ sein.

 

Der letzte Nachfahre im Schloss war später Johann Samuel von Thüngen, Geistlicher und Domherr zu Würzburg und Bamberg. Er soll sich nicht besonders um den schmucken Bau gekümmert haben. Er verkaufte das Anwesen schließlich an Vetter Johann Friedrich, der um das Jahr 1680 am selben Ort ein zweites Schloss errichtete. Auch von diesem Glanzbau ist heute nur noch der Sockel einer Fassade im Hof zu sehen.

Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde das

Anwesen wieder von Leben erfüllt. Der kaiserliche General Friedrich Wilhelm von Thüngen erbaute dort ein Barockschloss, das 1784 fertiggestellt wurde. Sein Vater, Ritterhauptmann Philipp Christoph von Thüngen, hatte zuvor nämlich seinen Besitz unter die Söhne aufgeteilt: Philipp bekam Schloss Zeitlofs, Hans Karl bekam Thüngen, Roßbach ging an Sigmund und Weißenbach an Friedrich Wilhelm.

Heute lebt in dem barocken Ensemble Lutz Freiherr von Thüngen mit seiner Frau Christine und den drei Kindern Alfred, Anhard und Albertine sowie seiner Mutter Gabriele von Thüngen. Das Gebäude ist elfachsig. Das heißt, es hat elf Fenster und gehört zu den kleinen Schlössern. Denn erst mit 13 Achsen zählte ein Schloss nach damaligem Maßstab zu den größeren Bauten. In die Familie von Thüngen gelangt sein soll der Grund und Boden im Jahr 1331, als Lutz von Thüngen Jutta von Steckelberg ehelichte, die aus der gleichnamigen Burg bei Schlüchtern stammte und von ihrem Vater das Gut in Weißenbach erbte.

Den Schlosshof gab es bis in die Neuzeit. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde das landwirtschaftliche Anwesen mit einer Produktionsfläche von 160 Hektar noch bewirtschaftet. Da gab es noch mehrere Kutscher, Knechte, Verwalter, Melker, Schweizer und Gärtner. Dann kam im Jahr 1936 die Enteignung durch die Nazis. Das Areal wurde an die Bauern verteilt, die aus dem Truppenübungsplatz Wildflecken zwangsausgesiedelt wurden.

1981 kam Lutz von Thüngen nach dem Jurastudium in München wieder zurück nach Weißenbach und bewirtschaftete den elterlichen Betrieb zunächst zusammen mit seinem Vater Wolf Hartmann von Thüngen, der als „überragender Forstmann der Familie“ in die geschichtlichen Aufzeichnungen einging. Seit seinem Tod vor acht Jahren führt der Baron das Privatunternehmen allein weiter. Er bewirtschaftet heute 5000 Hektar Wald, wovon ein großer Teil in seinem eigenen Besitz ist. Die anderen Flächen gehören Landwirten oder der Forstbetriebsgemeinschaft Centwald.

Stolz ist Lutz von Thüngen darauf, dass er „wieder ein bisschen Landwirtschaft aufgebaut“ hat. Und dann erzählt er noch von einer weiteren Leidenschaft: der Zucht von Auerochsen.

 

Öffnungszeiten Das Barockschloss in Weißenbach befindet sich in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.

Ausflugstipps Den Ort Weißenbach dennoch mit in eine Ausflugsroute aufzunehmen, lohnt allemal. Allein die Fahrt durch die idyllischen Wälder ist vor allem bei sonnigem Wetter ein echtes Vergnügen. Zur sogenannten Thüngenschen Cent gehören die Ortschaften Zeitlofs, Rupboden, Eckarts, Roßbach, Weißenbach, Detter und (rein historisch gesehen) auch Heiligkreuz.

  

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