Die Folgen einer nicht standesgemäßen Ehe - Schloss Brennhausen seit 1942 in amerikanischem Besitz

Schloss Brennhausen

Trutzig ragen die beiden quadratischen Wohntürme des Wasserschlosses Brennhausen empor, das sich in einer Senke zwischen Sulzdorf an der Lederhecke und dem Dorf Aub am Fuße der Haßberge förmlich zu verstecken scheint. Die beiden unterschiedlich hohen Türme, die sich im Norden und Süden der Anlage befinden, sind durch einen leicht zurückgesetzten, winkeligen Zwischentrakt mit hübscher Fachwerkverzierung miteinander verbunden, ringsum läuft ein Wassergraben, der sich an der Ostseite zu einem See erweitert.

Wer Brennhausen zum ersten Mal sieht, staunt über die kompakte Bauweise und wird, wenn er es inmitten von Gewässern, Wiesen, Äckern so daliegen sieht, womöglich den Eindruck gewinnen, die Zeit sei an dem Schloss spurlos vorübergegangen. Doch das stimmt natürlich nicht: Brennhausen sieht nur deshalb so vollkommen aus, weil in den letzten Jahrzehnten viel renoviert wurde.

Dass es einmal Amerikaner sein würden, die das Schloss besitzen, ist einer der Zufälle, die es im Leben gibt. Im Jahr 1888 musste der junge Freiherr Wolf von Bibra Deutschland verlassen. Der Aristokrat hatte eine Frau aus, wie es damals hieß, niederem Stand geehelicht, obwohl er bereits anderweitig verlobt war. Mit dieser „Mesalliance“ endete nicht nur seine Karriere als Offizier, er hatte auch seinen Ruf ruiniert. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als mit seiner Frau Franziska in Bremen ein Schiff zu besteigen, das ihn nach Amerika brachte, wo er 1922 in New York starb. 20 Jahre später wurde sein Enkel Conrad, nun in Kalifornien beheimatet, zum Alleinbesitzer.

Als in den 1960er Jahren die letzten Flüchtlinge, die nach dem Krieg im Schloss einquartiert worden waren, weggezogen waren, begannen die Renovierungsmaßnahmen. 1969 wichen die sumpfigen Wiesen im Osten einer großzügigen Teichanlage, wodurch der Charakter eines Wasserschlosses wiederhergestellt wurde. Die Terrasse auf der Insel, auf der sich das Schloss befindet, wurde vergrößert, die Mauern ringsum in aufwändiger Arbeit wieder hochgezogen. Stolz erzählt Schlossverwalter Werner Fell, der seit 1971 das Schloss und den darum herumliegenden Gutshof betreut, von dem schwierigen Unterfangen, zeigt genau die Linie, an der die alten Steine auf neue treffen. Heute, sagt er zufrieden, ist der Teich auch in trockenen Zeiten mit Wasser gefüllt und wird von Kindern, Enkeln und Freunden der Familie zum Baden und Bootfahren genutzt.

Die Zeichen der Vergangenheit sind überall präsent. Uralte Wappen mit Jahreszahlen, Schießscharten, Bogenfenster und Erker: Es ist unübersehbar, Brennhausen gehört zu den ältesten Wasserschlössern im Landkreis Rhön-Grabfeld. Im Jahr 1182 wird das Schloss erstmals urkundlich erwähnt. Reinhold Albert, Kreisheimatpfleger, vermutet, dass das Gebäude schon damals nicht viel anders ausgesehen hat als heute. Im Osten sieht man im dritten Geschoss noch zwei so genannte Aborterker, die, wie Verwalter Fell schmunzelnd bemerkt, auch heute noch verwendet werden könnten. „Natürlich gibt es inzwischen alle sanitären Anlagen, ebenso elektrisches Licht und Heizung“, sagt er. Aber auch Altes wird noch geschätzt. Fell hat mit viel Liebe zum Detail einen historischen Backofen renoviert, in dem die Bewohner auch schon mal ein Wildschwein zubereiten.

Erst im Jahr 1681 fand das Schloss mit der Familie von Bibra seine endgültigen Herren. Die Bibras sind ein altes Adelsgeschlecht, das seinen Namen nach dem fränkisch-thüringischen Stammsitz Bibra in der neuen Großgemeinde Grabfeld im Kreis Meiningen-Schmalkalden trägt. Auch heute noch gibt es viele verschiedene Zweige der Familie, die in Europa, Amerika und Australien zu Hause ist. Schloss Brennhausen eignet sich hervorragend für die Treffen der weitverzweigten Familie.

Zutritt Das Schloss befindet sich in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Ein offizieller Weg rund um den See ist ausgeschildert.

Anfahrt Die Zufahrt nach Brennhausen ist nur von der B 279 in Sulzdorf an der Lederhecke möglich. Romantisch ist der Weg per Rad oder zu Fuß von Sulzdorf oder Aub aus.

Burgen & Schlösser Die Bücher zur Serie sind ab sofort in allen Geschäftsstellen der Mediengruppe Main-Post zum Preis von jeweils 9,95 Euro erhältlich.

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