Bergrothenfels

Dies uralt' Haus auf Felsengrund; Winfried Mogges Buch über Burg Rothenfels

Eine schmale Straße schlängelt sich aus dem Maintal nach oben in Richtung Burg. Nach wenigen Kilometern spitzt der mächtige Bergfried aus den Baumwipfeln hervor.
Burg Rothenfels

Das Sträßchen windet sich durch das Dorf Bergrothenfels und endet auf einem Parkplatz vor dem äußeren Tor. Dort wartet ein Mann, der die Burg wie kein anderer kennt: Winfried Mogge.

Der 68-jährige Historiker, der heute in Kassel lebt, war von 1968 bis 1972 der erste Bildungsreferent der Tagungsstätte Burg Rothenfels. Das erste Mal kam er 1950 mit seinen Eltern auf die Burg. „Seitdem hat mich dieser Ort nicht mehr losgelassen“, sagt er. Immer wieder ist er hierher zurückgekehrt.

Mogge hat alles Gedruckte über die Geschichte der Festung verschlungen und sogar selbst in Archiven geforscht. In diesem Jahr will er sich einen Jugendtraum erfüllen und ein Buch mit dem Titel „Dies uralt' Haus auf Felsengrund“ veröffentlichen.

Das äußere Burgtor gibt den Blick frei auf die malerische Anlage der Hauptburg. Die lässt immer noch erkennen, dass sie stark befestigt war. Die ältesten Teile stammen wohl aus den Jahren 1148 bis 1150. Dafür gibt es einen urkundlichen Nachweis: Der Bischof von Würzburg vermittelte am 8. Juli 1150 in einem Streit zwischen den edelfreien Herren von Grumbach und der Abtei Neustadt am Main wegen der Erbauung der Burg auf Klostergrund.



„Der gewaltige Bergfried ist ein original unverfälschter romanischer Buckelquaderbau“, erläutert Mogge. Er diente als Wachturm und letzte Zuflucht bei einer Belagerung, aber auch zur Repräsentation. Heute genießt man von ganz oben einen herrlichen Blick über das Maintal.

Auch weitere Teile der ältesten Burganlage lassen sich noch erkennen: Eine Ringmauer und die alte Schildmauer mit der respektablen Dicke von 3,20 Metern stecken als Rückwände in den späteren Gebäuden. Die jetzigen Häuser der Hauptburg sind meist „Neubauten“ aus der Zeit von 1500 bis 1525. Die Burg ist heute ein christliches Bildungs- und Tagungshaus und eine Jugendherberge in freier Trägerschaft.

Ein 1919 gegründeter Verein, in der NS-Zeit verboten, sorgt seit 1951 wieder für die Erhaltung und Bewirtschaftung. Die „Vereinigung der Freunde von Burg Rothenfels“ hat zurzeit etwa 1200 Mitglieder in ganz Deutschland. Vor Ort arbeiten die Verwaltung, die Hauswirtschaft und ein Bildungsreferent für das Tagungsprogramm und Gastveranstaltungen.

Bei unserem Rundgang sehen und hören wir überall quirliges Leben. Der Verein hat gerade eine eigene Tagung. Im „Rittersaal“ gibt es einen Vortrag, in einem anderen Gebäude probt ein Chor, im Burggarten spielen Kinder. In mehreren Speisesälen sind die Tische für das Mittagessen gedeckt. Mehr als 300 Leute können in den Gästehäusern und in der Jugendherberge wohnen.

 

Höhepunkt unseres Rundganges ist die heutige Burgkapelle, die ab 1924 in einem ehemaligen Wohnraum eingerichtet wurde und damals deutschlandweit für Aufsehen sorgte. Der Raum beeindruckt durch seine Schlichtheit: weiß getünchte Wände, ohne Bilder, als Möblierung schwarze Würfelhocker. Rudolf Schwarz, ein großer Kirchenbaumeister, hat mit seinen Schülern die Einrichtung geschaffen. Dem damaligen Würzburger Bischof war die Kapelle zu modern. Dennoch wurde die Burg zu einem wichtigen Ort der „Liturgischen Bewegung“, die sich die Erneuerung des katholischen Gottesdienstes zum Ziel gesetzt hat.

Winfried Mogge kennt aus den alten Akten zahlreiche spannende Geschichten rund um die Burg. Eine Lieblingsfrage vieler Besucher muss der Historiker jedoch verneinen: Es gab nach seiner Erkenntnis keinen Geheimgang von der Burg hinunter in die Stadt, von dem alte Rothenfelser Bürger noch immer munkeln. Er hat vor vielen Jahren selbst alle Kellerschächte nach versteckten Gängen abgesucht, vergebens.


Öffnungszeiten Die Burg arbeitet als Tagungsstätte und Jugendherberge in freier Trägerschaft der „Vereinigung der Freunde von Burg Rothenfels“. Zutritt zu den Häusern ist nur für Hausgäste möglich. Frei zugänglich sind die Burghöfe, der Bergfried und die Burgkapelle außerhalb von Gottesdienstfeiern (über eine Freitreppe hinter dem inneren Burgtor). Anmeldung bei der Verwaltung am inneren Burgtor. Führungen nur für größere Gruppen auf Anfrage. Am äußeren Burgtor befindet sich eine Buchhandlung.

 

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