Gamburg

Erinnerungen eines Kreuzritters - Die Gamburg wird mehr und mehr zu Touristenattraktion

Auf der Gamburg fehlt etwas: die Parkplätze und Schranken, die Kassenhäuschen und Museumsshops, die Imbissbuden und Mülleimer, die zu jedem touristischen Ziel gehören. Die Burg steht noch am Beginn ihrer Karriere als öffentlich zugängliche Sehenswürdigkeit. Erst seit Mai bieten die Burgherren regelmäßige Führungen an.
Gamburg
Burg Gamburg Foto: Goswin von Mallinckrodt

Familie von Mallinckrodt wohnt, gräbt, tüncht und forscht auf der Gamburg. Eine Dauerbaustelle, die Unsummen verschlingt. Die aber die Eigentümerfamilie dafür immer wieder mit Unerwartetem, Erstaunlichem und historisch Bedeutsamem entschädigt. So wollte Hans-Georg von Mallinckrodt in einer Wohnung der Burg nur einen Elektroverteiler einbauen. Dabei fiel der Putz von der Wand und offenbarte darunterliegende Malereien: die ältesten profanen Wandmalereien nördlich der Alpen, wie sich herausgestellt hat.

Hans-Georg von Mallinckrodt spricht von seinen Vorgängern auf der Burg wie von alten Bekannten. Er hat so viel über sie gelesen, dass er sie und ihre Zeit, ihre Verwicklungen und Probleme versteht. Seine in Paris aufgewachsene Frau Nicole ergänzt die Erzählungen ihres Mannes mit der gleichen Begeisterung. Das Ehepaar, das 1986 mit den beiden Söhnen auf der Gamburg eingezogen ist, hat sich dem Erhalt des alten Gemäuers mit Leib und Seele verschrieben: „Wir haben es, und wir lieben es“, sagt von Mallinckrodt.

 

Er hat nachgeforscht. Die Wandmalereien zeigen den dritten Kreuzzug unter Kaiser Friedrich Barbarossa. An dem hatte der damalige Burgherr Bering von Gamburg gegen den Willen seines Lehensherrn, des Mainzer Erzbischofs, an der Seite der Würzburger teilgenommen. Eine problematische Reise, denn Ende des 12. Jahrhunderts waren die Mainzer und die Würzburger sich nicht grün.

 

Bering von Gamburg überlebte als einer von wenigen den Kreuzzug und ließ seine Erlebnisse daheim auf die Wand seines Palas malen. Noch heute kann man, unter Anleitung Hans-Georgs von Mallinckrodt, einen Reiter mit Krone erkennen, der vor den Toren einer großen Stadt steht. Der mittelalterliche Künstler hat sich hier sogar an einer perspektivischen Darstellung versucht.

Die Malerei durfte allerdings nur kurze Zeit die Betrachter erfreuen. Schon im 13. Jahrhundert ließ der Mainzer Bischof alles übermalen, um alle Spuren der ärgerlichen Verbindung mit Würzburg zu vernichten.

Der Palas – im Mittelalter war das ein schmucker Raum für die Herrschaft – bietet aber noch mehr: große Arkaden, die ebenfalls unter Putz verborgen waren. Zur Zeit ihrer Erbauung waren diese Bögen offen. War das als Wohnraum nicht ein wenig kühl? Keineswegs, meint Hans-Georg von Mallinckrodt. Um 1100, als die Gamburg entstand, sei das Klima hierzulande ähnlich dem heutigen Klima Norditaliens gewesen. Erst im 13. Jahrhundert sei es allmählich kälter geworden. All das lässt sich an der Gamburg ablesen. Die großen Arkaden wurden nämlich später verkleinert und verglast.

 

Die Gamburg ist übrigens auch eine der wenigen fränkischen Burgen, die vom Bauernkrieg verschont blieben, und zwar durch das Eingreifen Götz von Berlichingens. „Die Angriffe von Bauernhorden gegen die Gamburg stimmen nicht“, hat von Mallinckrodt recherchiert. Überhaupt seien Burgen im 16. Jahrhundert völlig aus der Mode und kaum noch etwas wert gewesen. An der Gamburg ist das zu erkennen: Zu dieser Zeit wurde sie an Eberhard Rüdt von Collenberg verkauft – er erhielt sie im Tausch gegen ein paar Wiesen.

In alten Zeiten ging man eben mitunter recht sorglos mit dem um, was heute als geschichtliches Vermächtnis gehegt und gepflegt wird. Hans-Georg von Mallinckrodt führt die Besucher selbst durch seine Burg und den barocken Park. Wenn sich die Anzahl der Gäste einmal kalkulieren lasse, sagt er, werde vielleicht jemand dafür eingestellt.

  

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