Wonfurt

„Es war ein Lebenswerk“ - Maren von Bismarck über die Renovierung des Schlosses Wonfurt

Ende der 1970er Jahre war Schloss Wonfurt dem Verfall nahe. Es gab schon Pläne, es abzureißen. Doch dann kauften im Jahr 1978 Maren und Friedrich von Bismarck das Schloss. „Ich fand es gleich hell und freundlich“, erinnert sich die Schlossherrin, und es begann die Sanierung.
Schloss Wonfurt

Ende der 1970er Jahre war Schloss Wonfurt dem Verfall nahe. Es gab schon Pläne, es abzureißen. Doch dann kauften im Jahr 1978 Maren und Friedrich von Bismarck das Schloss. „Ich fand es gleich hell und freundlich“, erinnert sich die Schlossherrin, und es begann die Sanierung.

Läuft man heute durch den Schlosshof, staunt man, wie schön alles geworden ist. Mit viel Gespür und Liebe für die Details haben die neuen Besitzer aus einer Ruine ein Kleinod erschaffen, das beispielgebend für die gelungene Renovierung von alter Bausubstanz ist. Hilfreich war da, dass Friedrich von Bismarck Bauingenieur war und Maren von Bismarck Kunst studiert hatte. Er war für die Sicherung der Bausubstanz zuständig, sie für die Einrichtung. Ihr Wissen um die Farbkompositionen und Kunststile in den verschiedenen Epochen floss so in die Renovierung ein. „Einmal bin ich sogar nach Frankreich zum Schloss Versailles gereist, um mir dort Ideen für die Muster der Vorhänge zu holen“, erinnert sich die Schlossherrin.

 

Das Schloss Wonfurt, wie man es heute sieht, stammt aus dem 16. Jahrhundert und war ehemals ein Wasserschloss, davon zeugt noch der Burggraben um das Schloss herum. Vier Türme zieren die dreigeschossige, rechteckige Anlage, die zuletzt im Besitz der Freiherren von Seckendorff war. Mit dem Zerfall der Familie verfiel auch das Schloss, sodass schon die Pläne für den Abriss genehmigt wurden. Das Anwesen sollte einem Fußballplatz weichen.

 

So war es ein Glücksfall, dass die Familie von Bismarck, die entfernt verwandt mit dem ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck ist, einen neuen Familiensitz suchte. Die Familie hatte durch die deutsche Teilung ihr Anwesen in der Altmark in Sachsen-Anhalt verloren und war daher in Franken unterwegs, um ein neues Domizil zu finden.

Bei Schloss Wonfurt war es Liebe auf den ersten Blick. „Es hat mir gleich gefallen“, erinnert sich Maren von Bismarck, die sich nicht von dem damals ruinösen Zustand abschrecken ließ. Die Anlage mit vier Flügeln und dem Innenhof im Stil der Renaissance habe auf sie von Anfang an einladend gewirkt. „Es hat ein leicht italienisches Ambiente.“ Doch zunächst wurde kräftig aufgeräumt. Das Schloss musste notgesichert werden, denn der Dachstuhl war eingebrochen, das Gemäuer schadhaft, Fenster, Decken und Türen in einem erbarmungswürdigen Zustand, ein Brand hatte 1972 den Nordwestflügel vernichtet.

 

Maren von Bismarck erinnert sich an unzählige Arbeitseinsätze. Jugendgruppen der baltischen Ritterschaften trafen sich über Jahre regelmäßig im Schloss, um Schuttberge zu beseitigen und Wände und Decken zu reparieren. Immer wieder eine Überraschung waren dabei die bau- und kunstgeschichtlichen Entdeckungen. Jedes Jahrhundert hat seine Spuren hinterlassen: romanische Bögen, gotische Gewölbe, ein barockes Treppenhaus und Fensterfassungen aus dem Klassizismus. Mit viel Liebe wurden dabei Malereien freigelegt, die auch aus verschiedenen Jahrhunderten stammen.

Das Ensemble wurde so nicht als feudaler Familiensitz aufgebaut, sondern es wurden zwölf Appartements eingerichtet. Dieses Konzept hat die Restaurierung möglich werden lassen, die erst im Jahre 2008 mit dem Bau einer Balustrade um den Burggraben zum Abschluss kam. „Es war ein Lebenswerk“, zieht Maren von Bismarck Bilanz.

Seit ein paar Jahren hat sich ein immer im Juli stattfindendes Kulturfestival im Schloss etabliert. Unter den auftretenden Künstlern ist auch Caroline von Bismarck, die Tochter von Maren von Bismarck. Die Geigerin sieht in der Kombination von klassischer Musik und der Schlossanlage eine ideale Verbindung. So ist wieder Leben in das Schloss eingekehrt, wo sich vor 30 Jahren noch die Fledermäuse ein Stelldichein gaben.

 

Zutritt Das Schloss ist in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Aber beim immer im Juli stattfindenden Musikfestival können Besucher einen Eindruck von der Schlossanlage bekommen.

Schloss Wonfurt
Impressionen vom 10. Internationalen Kammermusikfestival Schloss Wonfurt. Foto: Sabine Meißner

Anfahrt Wonfurt erreicht man von Schweinfurt kommend über die A 70 in Richtung Bamberg. Bei der Ausfahrt Theres geht es bei Hornhausen nach Wonfurt. Das Schloss ist Mittelpunkt des Dorfes und liegt hinter der Kirche.

  

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