MEININGEN

Georg, das Allroundtalent und das Meininger Schloss, die Elisabethenburg

Hinter den Mauern des Schlosses, das nach Elisabeth Eleonore, der Gemahlin des Erbauers Bernhard I., „Elisabethenburg“ heißt, hatte Sohn Georg das Sagen.
Museum Schloss Elisabethenburg Meiningen
ARCHIV - Besucher gehen durch den Schlosshof des Museums Schloss Elisabethenburg in Meiningen, aufgenommen am 21.07.2010. Foto: Michael Reichel/dpa (zu dpa «Workaholic, Querkopf, Musikgenie - Vor 100 Jahren starb Max Reger» vom 03.05.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: Z6455/_Michael Reichel (bhg101)

Georg von Sachsen-Meiningen hatte es besser als der englische Prinz Charles: Er wurde schon im Alter von 40 Jahren Chef. Denn Vater Bernhard II. musste auf Druck Otto von Bismarcks 1866 abdanken, weil er im Deutschen Krieg auf der falschen Seite, nämlich der von Österreich, gestanden hatte. So wurde also Georg II. regierender Herzog.

Hinter den rot-weißen Mauern des Meininger Schlosses, das nach Elisabeth Eleonore, der Gemahlin des Erbauers Bernhard I., „Elisabethenburg“ heißt, hatte nun Sohn Georg das Sagen. Großvater Georg I. hatte das Land im Sinne des aufgeklärten Absolutismus regiert, war Freimaurer und Förderer von Schulen und der „erste Diener des Staates“. Vater Bernhard II. ist als Träger des Hosenbandordens auf einem Gemälde von Samuel Diez aus dem Jahr 1830 in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen Meiningens im Schloss zu bewundern.

Es muss damals im Herzogtum Meiningen zu Zeiten Georg II. eine spannende Zeit gewesen sein. Da war als Erbe des Vaters, das 1831 von ihm erbaute alte Hoftheater. Und da gab es Tante Adelheid, die Schwester des Herrn Papa und einzige Meininger Prinzessin, die als Gattin des späteren König William IV. von Großbritannien hohen politischen Einfluss in einem der mächtigsten Königreiche der Welt hatte. Sie, die dem Neffen immer wieder ideell und finanziell unter die Arme griff, wirkt auf einem Galaporträt im Schloss lebendig, klug und lebensbejahend.

Mit dieser Familie im Hintergrund wurde Georg Landesherr. Außer der Rolle des Regenten übernahm er auch die eines Mäzens, eines Inspirators und die des Leiters, Regisseurs und Bühnenbildners der seit 35 Jahren bestehenden Bühne. Allroundtalent Georg organisierte sein Theaterchen völlig neu, schaffte das Musiktheater ab und legte den Schwerpunkt auf Sprechtheater.

Jedes Theaterstück sollte ein einmaliges Gesamtkunstwerk werden, mit dem das Meininger Ensemble zwischen 1874 und 1890 in einem Sonderzug auf 81 nationale und internationale Gastspielreisen ging. Derweil erarbeitete sich Georg daheim weltweite Anerkennung. Theaterherzog Georg, der Erfinder des modernen Regietheaters, recherchierte bis ins Detail, entwarf Figurinen, kiloschwere Kostüme und realistische Bühnenbilder, die er über 50 Jahre lang in der Coburger Theaterwerkstatt der Gebrüder Max und Gotthold Brückner anfertigen ließ.

Glücklicherweise gibt es sie heute noch. In der ehemaligen Reithalle des Schlosses sind 275 Prospekte, Kulissenbögen, Panoramawände und Setzstücke der originalen Bühnendekoration der Meiniger gesammelt. Während einer einstündigen Vorstellung können Besucher auf eine spannende, informative und verzaubernde Reise in die Zeit des historisierenden Illusionismus gehen.

Das Stadtschloss der Herzöge neben der Reithalle schließt sich an die nordwestliche Altstadt an. Wer durch das Eingangstor geht, erfreut sich an dem harmonischen Dreiklang der Bauten, an blühenden Pflanzen und dem plätschernden Marmorbrunnen. Dass das Schloss aus unterschiedlichen Bauetappen heraus gewachsen ist, erschließt sich erst mit dem zweiten Blick.

Im Schloss, das von 1692 bis 1918 den Meininger Herzögen als Residenz diente, gibt es viel zu entdecken. Unter dem Kreuzrippengewölbe des imposanten Treppenhauses geht es über flache Steinstufen hoch in den zweiten Stock. Die Schlosskirche „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“ ist ein einfacher Zweckbau, die Wohnräume der herzoglichen Familie dagegen kostbar und beeindruckend.

Die Hofbibliothek nutzte Friedrich von Schiller während seines Asyls im benachbarten Bauerbach regelmäßig. Die Musiker und Komponisten Max Reger und Hans von Bülow hatten Arbeitszimmer in der Elisabethenburg, und Johannes Brahms war oft zu Gast im Schloss.

Öffnungszeiten Das Museum im Schloss Elisabethenburg ist Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Führungen sind nach Voranmeldung möglich. Vorführungen im Theatermuseum in der Reithalle sind Dienstag bis Sonntag um 10, 12, 14 und 16 Uhr. Informationen: Tel. (0 36 93) 50 36 41, im Internet unter www.meiningermuseen.de

Das Buch Die Serie Burgen und Schlösser in Unterfranken ist als Buch erschienen. Es ist in allen Geschäftsstellen der Main-Post erhältlich.

 

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