Obertheres

Leben in Schloss Obertheres

Man wohnt nicht ungestraft in alten Schlössern“, wusste schon Richard Freiherr von Swaine, der das Schloss Obertheres im Landkreis Haßberge 1975 an Ernst-Achim und Waltraud Graf und Gräfin von Beust übergab.
Schloss Obertheres

„Und das stimmt wirklich“, sagt Gräfin von Beust, „im Winter erfrieren mir alle Blumen und wir müssen in dicken Jacken durchs Schloss laufen.“ Außerdem müsse man für die einfachsten Dinge des Alltags weite Wege in Kauf nehmen: „Man läuft ja alleine schon 100 Meter bis zur Haustüre“, sagt die Gräfin.

Auch ihr Sohn Achim Friedrich Graf von Beust, der heutige Schlossherr, muss die vorherrschende romantische Vorstellung eines feudalen Lebens zerstreuen. Auf Schloss Obertheres gibt es weder Hausmädchen noch Köche, die den Hausherren jeden Wunsch von den Lippen ablesen. „Ganz im Gegenteil, wir führen jeden Handgriff selbst aus. Sobald es heftig regnet, sind wir die Ersten, die die eventuellen Schäden auf dem Dachboden kontrollieren.“ Zurzeit steht der Graf zudem zeitig auf dem Feld: Mähdreschen ist angesagt, „auch wenn sich die Leute das nicht vorstellen können“.

 

„Man ist ein Glied in einer sehr langen Kette – und man möchte nicht das schwächste sein.“ So umschreibt Graf von Beust seine Verantwortung für das Schloss, das einst als Benediktinerkloster für 23 Mönche und einen Abt diente. „Mit dem Erbe hat man eine Verpflichtung übernommen.“ Die ehemalige Abtei prägte auch die umliegenden Ortschaften. Der Würzburger Architekt und Baumeister Joseph Greising hatte im Auftrag des Abtes Gregor II. Fuchs ab 1716 Kirche und Kloster in Obertheres errichtet.

Trotz aller Handicaps sei das Schloss „etwas Wunderbares“ – ein reiner Barockbau mit einer klaren Form, wie nur wenige Schlösser auf der Welt sie haben. „Und wir finden es fantastisch, hier zu wohnen“, ergänzt Waltraud Freifrau von Swaine Gräfin von Beust. Sie wohnte zuvor auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Unterhandenzhofen bei Dachau, bevor sie mit ihrem Mann 1975 das Gut Obertheres übernahm. „Da ein Wechsel von Klein auf Groß stattfand, fiel mir diese Umstellung leichter.“

„Betriebswirtschaftlich gesehen ist die alte Benediktinerabtei eine starke Belastung für den landwirtschaftlichen Betrieb. Ich habe das Schloss aber sehr lieb gewonnen und möchte hier immer leben“, verrät Achim Friedrich Graf von Beust. Um das denkmalgeschützte Gebäude instand zu halten, „ist allerdings eine Portion Idealismus, die Wertschätzung geschichtsträchtiger Gebäude und viel Mut erforderlich“.

Weine aus Italien

 

Auch seiner aus Rom stammenden Frau Francesca, die als Sommelière die Vinothek des Schlosses aufgebaut hat und betreibt, ist die Eingewöhnung in ein altes Schloss nicht leicht gefallen. „Gummistiefel lernte sie erst durch mich kennen“, erklärt ihr Mann lachend.

Die romantische Idylle, die Klatschblätter gern vorgaukeln, biete ein Schloss heute nicht. Hinzu komme, dass einige Menschen dreist agieren und keinen Respekt mehr vor Privatbesitz hätten. So kam es schon ab und zu vor, „dass während des Frühstückes Fahrradfahrer in den Klostergarten platzen oder eine Armada von Hochzeitsgästen mit Autos vorfährt, weil das Brautpaar romantische Bilder auf der Schlosstreppe schießen lassen möchte“. Auch an geschlossenen Türen im Schloss „wird gerüttelt, als ob Ali Baba mit seinen 40 Räubern persönlich davor steht“.

Schloss Obertheres
Ein Spiegel im Schloss Theres, dessen Umrandung einst zu einem Altarbild gehörte Foto: Langer

Trotz all dieser Unannehmlichkeiten möchte Graf von Beust das Schloss im Besitz der Familie halten und hofft auf den Einsatz seiner Kinder, „auch wenn die jetzt noch viel zu jung sind.“ Klar ist ihm aber auch: „Bevor die Familie den Bach runtergeht, muss man sich von so einer Belastung trennen.“

Zutritt Schloss Obertheres ist in Privatbesitz und kann nur von außen besichtigt werden. Wer die Innenräume des Schlosses kennenlernen möchte, kann die Vinothek besuchen. Die Schlossherrin bietet dort italienische Weine und Geschenke in beeindruckendem Ambiente an. Vino e Camino im Schloss Obertheres, Tel. (0 95 21) 95 43 96, E-Mail: info@vinoecamino.de

Anfahrt Über die A 70 Richtung Bamberg, Ausfahrt Haßfurt. Weiter über die B 26 Richtung Obertheres.

 

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0