Unsleben

Nicht ganz so romantisch wie man es sich vorgestellt hat - Leben auf Schloss Unsleben

Mit dem Besitz eines Schlosses ist es nicht anders als mit vielen anderen Dingen: Schönheit hat ihren Preis - auch beim Wasserschloss Unsleben.
Schloss Unsleben

Damit ist nicht nur der finanzielle Aspekt eines historischen Objekts gemeint, sondern auch der Anspruch an Wohnkomfort, der mit dem Maßstab moderner Bequemlichkeit nicht zu messen ist. Diese Erfahrung musste vor acht Jahren auch das damals frisch verheiratete Paar Christoph Graf zu Waldburg-Wolfegg und seine Ehefrau Viktoria in einer Silvesternacht machen.

„Ganz romantisch wollten wir die Nacht ins neue Jahr im Wasserschloss in Unsleben (Lkr. Rhön-Grabfeld) verbringen“, erinnert sich Gräfin Viktoria. „Wir wohnten damals in Frankfurt und ich kannte den Besitz meines Mannes noch gar nicht.“ Also kauften sie noch ein paar gute Sachen für ein schönes Essen zu zweit und dann ging es los. „Doch in größter Kälte glich das Schloss einer Eisgruft“, sagt sie. Der Hausherr musste erst einmal Kohlen anschleppen und versuchen, wenigstens einen Raum warm zu bekommen. Das historische Mobiliar war so unbequem, dass ein Sofa angeschafft werden musste, auf dem man einigermaßen sitzen konnte. Weil die Küche im anderen Flügel war, kam das Essen nur kalt auf den Tisch. Langsam wurde das Zimmer zwar warm, aber von oben herab: der Kopf glühte und die Füße waren nach wie vor eiskalt. „Da können wir genauso gut ins Bett gehen“, beschlossen die beiden. Doch statt der erhofften Gemütlichkeit: Das Bettzeug war eisig und klamm. „Wir haben gefroren bis zum Morgen.“

Und doch hat es gefunkt. Die beiden entschlossen sich zu einer Wende in ihrem Leben und zu einem Leben im Gemäuer der Vorfahren. „Um das Schloss bewohnbar zu machen, waren einige Arbeiten nötig“, bemerkt Graf Waldburg-Wolfegg. Und einige Gewohnheiten mussten am Schlosstor abgelegt werden. „Ziemlich schnell habe ich meine Schuhe mit Absätzen im Schrank verschwinden lassen“, sagt die Gräfin. Der Grund: Überall sind ausgetretene Stufen, schiefe Böden und Kopfsteinpflaster.

 

Auch der Wohnkomfort verlangt nach Umstellung. Den Luxus, überall warme Räume zu haben, könne man sich nicht leisten. Schlossherren müssen außerdem eine gute Kondition besitzen. Das Ehepaar hat das erste Stockwerk eines Flügels bewohnbar gemacht, Erdgeschoss und zweite Etage sind noch im Originalzustand. Das heißt: „Ständig sind weite Wege über die langen Flure zu bewältigen oder um in den Garten zu kommen, muss erst die unbequeme Wendeltreppe benutzt werden.“ Irgendwo ist auch immer irgendetwas instand zu setzen. Improvisation ist ständig gefragt, Perfektionismus wäre fehl am Platz.

Allerdings gibt es auch Baustellen, die nicht mehr mit einfachen Mitteln bewältigt werden können. So bereitet die Statik im Ostflügel dem Schlossherrn erheblichen Kummer. Bei einem Umbau vor langer Zeit wurden so starke Veränderungen vorgenommen, dass der Dachstuhl aufwändig saniert werden

muss, was die nächste große Aufgabe ist. Ebenso muss der Putz am Westflügel erneuert werden. Gott sei Dank hätten seine Eltern schon vor geraumer Zeit immer wieder Sanierungen vorgenommen, „ansonsten wäre das gar nicht mehr zu bewältigen“.

Trotz all dieser Einschränkungen möchte das Paar das Leben auf dem Schloss nicht missen. „Wir wussten ja schon vorher, dass das Leben in solch einem Gemäuer nicht so romantisch ist, wie man es sich landläufig vorstellt.“ Es gebe jedoch andere Qualitäten, wie etwa den gesundheitlichen Aspekt, denn baubiologisch sei das historische Gebäude modernen weit überlegen. Ebenso wachsen die drei Kinder unter paradiesischen Umständen auf. „Es gibt jeden Tag etwas zu entdecken. Was will ein Kinderherz mehr?“ Und wenn man so ein schönes Zuhause besitzt, ordnet man sich gerne unter.

 

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