IGERSHEIM

Pferdezucht hinter Burgmauern - Ritterspiele auf Burg Neuhaus

Es gibt Burgen, die thronen einfach nur noch so über der Landschaft – ungenutzt, als Relikt längst vergangener Zeiten. Nur wenige Neugierige setzen dort einen Fuß hinein. Bei Burg Neuhaus bei Igersheim (Main-Tauber-Kreis) ist das ganz anders.
Burg Neuhaus
Obermeier/ Burgenserie, Igersheim, Burg Neuhaus Foto: Obermeier

Obwohl ein Teil der Burganlage eine Ruine ist, pulsiert dort immer noch das Leben. Denn die Burg wird als Pferdezuchtanlage und für Ritterspiele genutzt.

Man könnte sie als Herrin der Burg bezeichnen oder als die der Pferde: Brita Zeiner ist die Pächterin von Burg Neuhaus. Ihre Familie lebt seit 1892 auf dem Berg hoch über Igersheim. Dort führte diese zunächst einen Milchviehbetrieb und eine Saatzucht. Doch als das unrentabel wurde, kamen die Pferde auf den Hof. Das war vor 40 Jahren.

Ihre Koppeln haben die Tiere oberhalb der Burganlage. Dort haben sie 50 Hektar Wiesen und 50 Hektar Äcker zur Verfügung. Brita Zeiner hat selbst fünf Pferde – obwohl die frühere Tierärztin heute im Rollstuhl sitzt. Gemeinsam mit ihrem Sohn kümmert sie sich um sie.



Darüber hinaus haben 30 bis 40 Pferde von verschiedenen Besitzern ihre Heimat in den Ställen gefunden, die sich um den Burgfried gruppieren. Da kommt es häufig vor, dass einige der stattlichen Tiere plötzlich über das historische Pflaster trappeln.

Doch Brita Zeiner züchtet nicht nur Pferde. Sie ist auch Vorsitzende des Vereins Sport, Pferde und Kultur auf Burg Neuhaus (SPUK), der sich um das kulturelle Erbe der Burg kümmert. Und als solche weiß sie: Burg Neuhaus hat eine lange Geschichte. Schloss und Burg Nuiwe Huse wurden erstmals 1170 erwähnt.

Erste Bewohner waren die Herren von Hohenlohe-Brauneck-Mergentheim. Ritter Albert von Hohenlohe nahm sogar am Kreuzzug von Kaiser Friedrich Barbarossa teil. Sein Neffe Albert, der im fünften Kreuzzug erfolgreich in Ägypten gekämpft hatte, trat dem Deutsch-Ritterorden bei. 1219 stiftete er in Mergentheim eine Deutsch-Ordens-Commende.

Im Bauernkrieg 1525 wurde die Burg von Aufständischen erobert, geplündert und zerstört. 1551 war der Wiederaufbau fertig. Doch bereits ein Jahr später, am 8. Juli 1552, stürmten Söldner des Kurfürsten von Sachsen und des Markgrafen von Brandenburg die Feste und setzten sie in Brand. 1704 wurde die Burg zum letzten Mal wehrhaft gemacht.



Doch das Ende von Burg Neuhaus als standhafte Festung war bereits eingeläutet. Die Kriegskunst war zu weit fortgeschritten, als dass die mittelalterliche Burg hätte standhalten können. Der Deutsche Orden verzichtete darauf, die Befestigungsanlage zu erhalten. Fortan war die Burg nur noch Wohnsitz des Amtmanns. 1792 begann man mit dem Abriss. Sämtliche Besitzungen des Deutschordens fielen an die württembergische Krone – auch Neuhaus. Seither ist die Burg im Staatsbesitz.

Heute bleibt Burg Neuhaus weitgehend von der großen Touristenschwemme verschont. Die Bad Mergentheimer Kurgäste kommen meist einmal den Berg hinauf und gehen wieder, weil es kein Café auf der Burg gibt, erzählt Brita Zeiner. Dennoch ist die romantische Burgruine mit den umliegenden Pferdeställen sehenswert. Deswegen bietet Ullrich Dallmann vom SPUK-Verein auch Führungen an. Dabei erzählt er auch die Sage vom Pudel. Und die geht folgendermaßen: Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges rückten die Schweden auf Burg Neuhaus vor.

Der Burgkaplan versteckte wertvolle Stücke aus der Burgkappelle in einem unterirdischen Gewölbe und mauerte es zu. Als die Schweden kamen, fanden sie nichts. Als der Krieg vorbei war, kam der Kaplan zurück und wollte den Schatz bergen. Doch als er in das Gewölbe vorstieß, soll dort ein Pudel mit rotglühenden Augen und einem Schlüssel gesessen haben. Der Mann wusste sich keinen anderen Rat, als das Gewölbe wieder zuzumauern. Seitdem weiß niemand mehr, wo der Schatz eigentlich liegt.

 

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