VOLKACH

Vogelsburg: Die Wiege des Öko-Weinbaus

Schon Anfang der 1960er Jahre verzichteten die Augustinus-Schwestern in ihren Weinbergen an der Vogelsburg bei Volkach auf den Einsatz von Spritzmitteln – was seinerzeit eher für Kopfschütteln sorgte.
Blick auf die Vogelsburg bei Volkach am Samstag (04.07.15). Foto: Daniel Peter

Es ist einer von diesen Tagen, die Hedwig Mayer gar nicht mag. Feiner Regen liegt über den Weinbergen an der Volkacher Mainschleife, dazu weht ein frischer Wind. „Wenn man draußen im Weinberg arbeitet, dann ist man dem Wetter so schutzlos ausgeliefert“, sagt sie. In der Gaststube der Vogelsburg bei Volkach ist es dagegen angenehm heimelig. Und den Arbeitstag hat Hedwig Mayer für heute auch hinter sich gebracht.

Die Augustinus-Schwester, die gemeinsam mit fünf weiteren Mitgliedern der säkularen (nicht-klösterlichen) Gemeinschaft auf der Vogelsburg lebt und arbeitet, ist Herrin über immerhin zwei Hektar Weinberge – und Bewahrerin einer Tradition, die bis ins Jahr 906 zurück reicht. In einer Schenkungsurkunde wird der Weinbau an der Vogelsburg erstmals erwähnt. Eine große Verantwortung: „Es geht uns schon auch um die Bewahrung der Schöpfung an diesem Ort“, sagt Schwester Hedwig, die vor 35 Jahren aus Erlangen hierher kam.

Schon damals, 1973, war die Vogelsburg nicht nur eine Stätte von langer Geschichte, sondern auch ein Hort der Avantgarde – zumindest, was den Weinbau betrifft. Anfang der 1960er Jahre wurde hier begonnen, nach ökologischen Prinzipien zu wirtschaften. Hedwig Mayers Vorgängerin, Schwester Christa Schleser, verzichtete auf den Einsatz von Herbiziden und Insektiziden. Auslöser war keine „ökologische Erleuchtung“, sondern schlicht die Gesundheit. Die hatte bei Schwester Christa durch die Spritzmittel Schaden genommen. So versuchte sie, ohne die chemische Keule auszukommen. Seit 1973 verzichtete man auf der Vogelsburg auch auf Fungizide.

„Für uns bedeutete das damals, gegen den Strom zu schwimmen“, berichtet Mayer. Mit den anderen Winzern in der Umgebung wollten die Augustinus-Schwestern „den Erfahrungsvorsprung teilen“ und stießen auf Ablehnung. Bis die Winzerinnen von der Vogelsburg mit ihren Methoden akzeptiert wurden, hat es „geraume Zeit gedauert“. Heute ist der Öko-Wein im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde.

Auf der Vogelsburg werden die flüssigen Ergebnisse des Weinbaus vor allem in der eigenen Gaststätte ausgeschenkt. Von deren Terrasse aus öffnet sich der Blick auf die Nordheimer Weininsel und auf Escherndorf. Wie ein Paradiesgarten wirkt von hier aus das fränkische Weinland. Das dürfte wohl auch Bischof Friedhelm Hofmann so empfunden haben. „Hier liegt Ihnen ein Stück der Welt zu Füßen, habe ich dem Bischof gesagt, als er bei uns zu Besuch war“, erzählt Hedwig Mayer.

Nicht nur ein Stück der Welt, auch ein Stück Kultur- und Religionsgeschichte: Die alte Höhenfestung der Kelten wird 874 als Königsgut der Karolinger erstmals urkundlich erwähnt. Anfang des zehnten Jahrhunderts ziehen Benediktinermönche auf der Burg ein. Im Bauernkrieg 1525 bleibt die Burg nicht verschont – die Chronik berichtet von einem Feuerbrand in Kirche und Haus. Mit der Säkularisation 1803 endet auch auf der Vogelsburg das mönchische Leben. Im 19. Jahrhundert wechselt sie mehrfach den Besitzer, 1957 übergibt Besitzerin Philippine Walter das Anwesen an die Gemeinschaft der Augustinus-Schwestern, die nicht nur die Weinberge bewirtschaften, sondern auch ein Tagungshaus und die Gaststätte betreiben. Die Kirche der Vogelsburg „Mariä Schutz“ ist bei Ausflüglern und Tagungsgästen als Ort der Ruhe und Besinnung beliebt.

Als einen „Ort zum Auftanken“ bezeichnet Schwester Hedwig die Vogelsburg. „Wenn ich mich hier umschaue, dann kommt mir die Schöpfungsgeschichte in den Sinn: Gott setzte den Menschen in den Garten Eden, ihn zu bebauen und zu behüten.“ Am nächsten Morgen wird sie wieder in den Weinberg ziehen.

 

Öffnungszeiten
Die Kirche auf der Vogelsburg kann besichtigt werden und die Ausflugsgaststätte ist täglich außer Montag von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

Kontakt: Tel. (09 3 81) 30 20; E-Mail: vogelsburg@t-online

Umgebung
Zu empfehlen sind Abstecher in die historische Altstadt von Volkach und die umliegenden Weinorte (Nordheim, Sommerach, Escherndorf). Lohnenswert ist auch ein Abstecher nach Gaibach mit Schloss (nur von außen zu besichtigen), Balthasar-Neumann-Kirche und Konstitutionssäule. Ebenfalls nur einen Katzensprung entfernt ist die Wallfahrtskirche „Maria im Weingarten“ mit Tilman Riemenschneiders „Maria im Rosenkranz“.

Anfahrt
Die Vogelsburg erreicht man von Würzburg aus zunächst über die Bundesstraße 19 und dann weiter Richtung Volkach.

Blick auf die Vogelsburg bei Volkach am Samstag (04.07.15). Foto: Daniel Peter
Die Vogelsburg bei Volkach. Foto: Georg Hippeli
 

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