Vom Mauerblümchen zum Erlebniszentrum - Höchheimer Burggut wird zu Informationszentrum über den „Eisernen Vorhang“

Das mitten im Dorf Höchheim gelegene, 600 Jahre alte Burggut zählt zu den geschichtsträchtigsten Gebäuden weit und breit.

Die Gemeinde Höchheim im Landkreis Rhön-Grabfeld ist mit ihren über 1200 Jahren nicht nur eine der ältesten Ortschaften im nördlichen Unterfranken.

In den vergangenen Jahrzehnten fristete das Kleinod mit den markanten Bruchsteinmauern allerdings ein eher trauriges Mauerblümchendasein. Das im Gemeindebesitz befindliche alte Gemäuer wurde zwar mehrfach umgebaut und haustechnisch modernisiert, doch ließ sich nie eine Nutzung finden, die auf Nachhaltigkeit und den Erhalt der Bausubstanz ausgelegt gewesen wäre. Pächter, die das alte Burggut als Gaststätte nutzten, gaben sich die Klinke in die Hand. Zuletzt stand ein Teil der Räume sogar gänzlich leer, nur der örtliche Dorfchor nutzte das Gebäude noch als Vereinsheim.

Nun scheint das Höchheimer Burggut, das südlich der Kirche dicht an der starken Friedhofsmauer liegt, endlich aus seinem Dornröschenschlaf erwacht – und ausgerechnet seiner Nähe zur ehemaligen deutsch-deutschen Grenze hat es dies zu verdanken: Bis 2011 soll in dem alten Gemäuer ein „Erlebnisszentrum Grünes Band“ entstehen. Es wird das erste seiner Art überhaupt in ganz Europa sein und auf mehreren Hundert Quadratmetern mit breit gefächerten Informationen über den „Eisernen Vorhang“ mit seinen in Jahrzehnten entstandenen Naturschutzräumen informieren. Ein weiteres Augenmerk soll dem internationalen Jugendaustausch dienen.

Das vom Regionalentwicklungsbüro Böhringer (Bad Alexandersbad) erarbeitete Konzept und der vom Architekten Heinfried Stuve (Köthen bei Dessau) ausgearbeitete Entwurf wurde nicht nur von der Gemeinde, sondern auch der Regierung von Unterfranken begeistert aufgenommen. Das hat schnell zu Förderzusagen seitens der EU und des Freistaats Bayern geführt, die sich auf 70 Prozent der Gesamtkosten in Höhe von bis zu drei Millionen Euro belaufen.

Der Höchheimer Bürgermeister ist davon überzeugt, dass sich der nicht unerhebliche Beitrag der Gemeinde zur Finanzierung einmal auszahlen wird. „Das Erlebniszentrums hier in Höchheim bedeutet nicht nur für das Dorf, sondern den ganzen Landkreis Rhön-Grabfeld einen Meilenstein“, meinte Helmut Kürschner bei der Vorstellung des Projektes im September vergangenen Jahres.

Nach Aufnahme der Bauarbeiten noch in diesem Jahr werden zunächst zwei Nachbargebäude abgerissen, bevor das dann freistehende Burggut generalsaniert und im Inneren seiner neuen Nutzung angepasst wird. Im Freibereich sollen eine großzügige Freitreppe und ein Forum entstehen, über das man zum neu errichteten Eingangsbereich und einem kleinen Café gelangt. Ein in der Nähe stehendes Gebäude könnte später einmal als kleines Hotel oder Gästehaus dienen.

Der in die Planungen eingeschaltete Burgenforscher Joachim Zeune (Eisenberg im Allgäu) soll indes Näheres über die Geschichte des Gebäudes ans Licht bringen, über die bislang leider nur recht wenig bekannt ist. Aus den Unterlagen von Kreisheimatpfleger Reinhold Albert geht lediglich hervor, dass um 1390 ein „Vorwerk“ zu Höchheim existiert hat, das Berthold von Bibra von Mangold von Schweinfurt für 300 Pfund Heller kaufte. Den Stilformen zufolge dürfte der erhaltene Bau in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts zu setzen sein.

Man weiß noch nicht einmal genau, ob das Burggut früher nicht sogar eine richtige Burganlage war. Auch das soll der Burgenforscher herausfinden. Und sollte es tatsächlich der Fall gewesen sein, würde dies das Erlebniszentrum zusätzlich aufwerten und noch mehr Besucher anlocken, als es sich die Macher der neuen Touristenattraktion schon jetzt erhoffen.

 

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