RÖMHILD

Vom Prachtbau zum Witwensitz und Waisenheim - Geschichte der römhilder Glücksburg

Die wechselvolle Geschichte der Römhilder Glücksburg war nicht immer glücklich. Heute ist sie eine Hochburg für Keramik.
Glücksburg

Marielies, dies soll deine Glücksburg sein!“ Mit diesen Worten, die der frisch verliebte Herzog Heinrich von Sachsen Römhild im Jahr 1676 seiner jungen Gattin zugerufen haben soll, wurde er zum Namensgeber des historischen Römhilder Stadtschlosses, das landauf, landab nur unter der Bezeichnung Glücksburg bekannt ist. Dabei ist die Historie des heute als Museum genutzten Baus über weite Strecken eher weniger eine glückliche als vielmehr eine sehr wechselvolle.

Das Schloss, mitten in Römhild im thüringischen Grabfeld gelegen, ist in den vergangenen 500 Jahren wiederholt verfallen, durch Brand zerstört, aber immer wieder aufgebaut und noch öfter umgebaut worden.

Graf Friedrich II. Henneberg-Römhild (Regentschaft 1465 bis 1488) hatte den Bau des Schlosses 1465 begonnen. Am Hennebergischen Wappen über dem Portal des Hinterschlossturmes ist die Zahl 1491 nachzulesen. Es darf angenommen werden, dass das Schloss damals fertig war und die Residenz von der Burg auf dem Hartenberg in die Stadt verlegt wurde. Doch die Pracht währte nicht lange. 1539 brannte die Glücksburg, die damals noch gar nicht so genannt wurde, nieder. Die Mittel für den Wiederaufbau waren knapp. Die Mansfelder Grafen übernahmen die Baustelle – aber erst nach 1572, unter der Regierung des Herzogs Johann Casimir von Sachsen-Coburg, wurde das Schloss umfangreich renoviert.

Der trutzig massive, vorwiegend spätgotische Bau, der sich um zwei Innenhöfe gruppiert, war 1603 weitgehend wiederhergestellt und sogar um Tordurchfahrt und Zugbrücke erweitert worden. Der nun folgende ständige Wechsel der Zuständigkeit sächsischer Regenten blieb relativ folgenlos für das Schloss. 1676 übernahm oben erwähnter Heinrich das neu begründete Herzogtum Sachsen-Römhild und damit auch das alte Schloss, in das er nicht nur sein privates Glück, sondern auch den Sitz seiner Behörden verlegte.

Es folgten ein paar gute Jahre für die Glücksburg: Sie wurde restauriert, umgebaut und den Bedürfnissen des neuen Herrn angepasst. Marstall und Remisenbau wurden aufgestockt, das Gesindehaus mit Wache aufgebaut, und 1682 wurde die Schlosskirche eingeweiht. Die Herrlichkeit dauerte aber nur kurz, 1710 starb Heinrich kinderlos. Was er hinterließ waren eine Menge Schulden, die seine Leidenschaft fürs Bauen verursacht hatte.

Jene Herzogin Marie Elisabeth, die von ihrem verstorbenen Mann liebevoll Marielies genannt wurde, lebte als Witwe noch fünf Jahre im Schloss. Als Witwensitz für andere blaublütige Damen fristete die Glücksburg in den kommenden 65 Jahren ein weniger glanzvolles Dasein. Ab 1780, als auch die letzte Witwe verblichen war, wurde es ruhig im Schloss. Weitgehend unbewohnt war es dem Verfall ausgesetzt.

Erst mit dem Anschluss des Amtes und der Stadt Römhild an das Herzogtum Sachsen-Meiningen im Jahr 1826 wurde das Haus wiederentdeckt, wenn auch für weniger glanzvolle Zwecke. Die Schlosskirche wurde 1843 zu Wohnungen und einem Gefängnis ausgebaut, der ehemals prächtige Festsaal im Mittelschloss wurde ab 1860 zur Nutzung durch die Bürger freigegeben und unter anderem als Proberaum für den Gesangverein genutzt.

In den folgenden Jahren wurden Amtsgericht, Forstamt und weitere Ämter sowie zeitweilig sogar ein Lazarett in den ehrwürdigen Mauern untergebracht. Ab 1884 wurden das hintere Schloss und ein ausgebauter Seitenflügel als Kriegerwaisenheim ihrer Bestimmung übergeben. Bis 1948 konnten der deutsche Kriegerbund und später der Kyffhäuserbund jährlich bis zu 120 Waisen, Halbwaisen sowie Kindern aus kinderreichen oder armen Familien ein Zuhause geben, sie ausbilden und auf den Beruf vorbereiten.

Die Jahrzehnte unter sozialistischer Prägung brachten abermals neue Aufgaben für die alten Mauern. Der Jugendwerkhof „Rudolf Harbig“ war in der Glücksburg untergebracht, bis 1972 wurden Teile des Schlosses als Kaserne genutzt. 1973 zog die Römhilder Stadtverwaltung ein und 1985 wurde auch noch die Stadtbibliothek dort untergebracht.

All diese wirklich vielfältigen Möglichkeiten, ein Schloss zu nutzen, sind inzwischen wieder Geschichte. Geblieben ist, was 1968 in die Wege geleitet wurde. Damals wurde das städtische Museum begründet und ab 1979 in der Glücksburg untergebracht. Zunächst im Stile einer Heimatstube geführt, hat sich das Museum vor allem nach der Wende zur Kulisse interessanter Ausstellungen und zum Forum für international für Aufsehen sorgende Keramiksymposien gemausert.

Museumsleiterin Kerstin Schneider, heute nicht nur die treibende Kraft hinter allen Aktionen, sondern vielmehr so etwas wie der gute Geist des Hauses, ist es zu verdanken, dass die 300-jährige Tradition Römhilds als Töpfer- und Keramikerstadt und die Glücksburg zusammengekommen sind. Alle drei Jahre finden internationale Keramik-Symposien statt, in deren Rahmen junge, aber auch renommierte Künstler einen Monat gemeinsam leben, arbeiten und sich vor allem der Kunst widmen können. Aus der ganzen Welt kommen für diese Symposien Keramiker zusammen, die Früchte des Schaffens werden im Rahmen von Sonderausstellungen sowie der Dauerausstellung „Keramik International“ gezeigt.

2009 kam erstmals ein Keramikmarkt dazu, der im August in den Innenhöfen der Glücksburg stattfand. Während andere Städte ihre touristischen Nischen mühsam suchen, hat Römhild seine längst gefunden. Die Tradition, eine alte Töpfer- und Keramikerstadt zu sein, wurde mühelos in die Moderne gerettet.

Doch die Glücksburg ist beileibe kein reines Keramikmuseum. Zu sehen ist zum Beispiel auch die Handwerkerausstellung, die der einstige Arzt Walter Hönn zusammengetragen hat. Neben einer Keramikerstadt war Römhild auch traditionell eine Handwerkerstadt. Hönn, ein leidenschaftlicher Sammler, fühlte sich diesem Ruf verpflichtet und trug alles zusammen, was an alte Handwerkstechniken erinnert. So ist unter anderem eine komplette Schusterwerkstatt zu sehen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Sammlung historischer Spielzeuge. Vor allem Puppenhäuser verschiedener Generationen werden gezeigt.

In eine ganz andere Richtung gehen die Ausstellungsstücke, die Pierre Mavrogordato zusammengetragen hat. Der entstammte einem griechischen Adelsgeschlecht, war Hofrat, Preisrichter bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in Athen und vor allem zeitlebens Archäologe. Mavrogordato, 1930 zum Ehrenbürger von Römhild ernannt, verband eine innige Freundschaft mit dem Gründer des Römhilder Steinsburgmuseums Professor Alfred Götze. Schon 1929 wurde die wertvolle Antikensammlung im Römhilder Steinsburgmuseum untergebracht. Nach Pierre Mavrogordatos Tod 1948 wanderten die Exponate ins Magazin, seit 2007 hat die Antikensammlung ihren endgültigen Platz in der Glücksburg gefunden.

So vielfältig wie die Geschichte der Glücksburg sind heute die sehenswerten Angebote in ihren Mauern. Vom alten Handwerk bis zu moderner Keramik, von Puppenküchen bis Postkutschen gibt es vieles zu entdecken.

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