Burgpreppach

Von Fachleuten zu den Schönsten in Franken gezählt - Der Stuck im prunkvollen Rokokosaal des Schlosses Leuzendorf

Für Stefanie von Hugo war es Liebe auf den ersten Blick, ihr Mann Christopher dagegen sagt, dass es bei ihm schon zehn Minuten gedauert hätte, bis er Gefallen an Schloss Leuzendorf gefunden hätte.
Schloss Leuzendorf

Die zehn Minuten, von denen er spricht, benötigte er, um vom Eingang des Schlosses in den Rokokosaal im zweiten Stock zu gelangen. Auch dieser war zwar wie das gesamte Schloss ziemlich zerfallen, doch die Schönheit des Raumes mit seinem feinen Stuck war für ihn sofort zu erkennen.

Das war im Jahr 2004. Da glich das Schloss Leuzendorf eher einer Ruine als einem herrschaftlichen Ansitz. Das Schloss war verlassen. Landwirte hatten im Erdgeschoss Rüben gelagert und die Obergeschosse als Kornkammer genutzt. Unter deren Last drohten die Decken einzubrechen. Nur notdürftig wurde dies durch schwere Deckenträger verhindert, die nun den Eingangsbereich verstellten. Viele Räume hatten keinen Fußboden, die Wände waren vermoost und der Wandputz zerstört.

 

So war der erste Eindruck nur wenig einladend. Trotzdem ließ sich die Familie von Hugo, die in der Nähe von Frankfurt wohnt und damals einen zweiten Wohnsitz in den Haßbergen gesucht hat, nicht abschrecken. Stefanie von Hugo war in Sulzfeld im Grabfeld aufgewachsen und wollte gerne zurück in ihre frühere Heimat. Über eine Zeitungsanzeige wurden sie auf das Schloss aufmerksam, das sich zuletzt im Besitz eines Professors aus Bamberg befand.

Die Familie kaufte das Schloss und dann ging es Schlag auf Schlag. Zunächst wurde das Schloss vom Holzwurm befreit. „Drei Tage lang sah das Schloss aus wie der Reichstag, der von Christo verhüllt wurde“, erinnert sich Stefanie von Hugo. Es wurde komplett mit einer Plane eingedeckt, damit sich das Gas, mit dem der Holzwurm bekämpft wurde, nicht verflüchtigt.

 

Die klobigen, hölzernen Stützen im Erdgeschoss wichen schlanken Stahlkonstruktionen. Die Wasser- und Strominstallationen wurden komplett erneuert. Probleme machte die Außenwand der Westseite, die bis zu 15 Zentimeter nach außen gewandert war. Und im großen Rokokosaal, dem Prunkstück des Hauses, war der wertvolle Stuck ein einziges Schlachtfeld, erzählt von Hugo.

Heute präsentiert sich das Schloss wieder in einem prächtigen Zustand. „Wir fühlen uns sehr wohl hier“, sagt Stefanie von Hugo, die eine Liebhaberin von alter Bausubstanz ist. Ihre Wohnung in Frankfurt haben Stefanie und Christopher von Hugo noch nicht aufgegeben, dafür verbringen sie aber mit ihren Kindern Sophie, Leopold und Heinrich und dem Labrador „Terra“ viele Wochenenden und die Ferien im Schloss.

 

Besonders stolz sind die von Hugos auf den Rokokosaal, der von Fachleuten zu den schönsten Frankens gezählt wird. Vor kurzem wurde Christopher von Hugo ein Bild von Dietrich Karl Freiherr von Erthal angeboten. Der Freiherr hat von 1677 bis 1749 gelebt und in dieser Zeit hat das Schloss seine Blütezeit erfahren. Erthal ist auch der Erbauer der nebenan gelegenen Schlosskirche. So war es für Christopher von Hugo keine Frage, das Bild zu kaufen. Es soll im Rokokosaal an prominenter Stelle einen Platz finden.

Dietrich Karl Freiherr von Erthal gehört zur Leuzendorfer Linie dieser alten Familie. Diese hat das Schloss im 16. Jahrhundert erbaut. Doch das Geschlecht starb Anfang des 19. Jahrhunderts aus und das Schloss ging in bürgerliche Hände über. Das dreigeschossige Gebäude hat ein Mansarddach und war ehemals von einem Wassergraben umgeben. Noch heute ziert das Erthal'sche Wappen das Eingangsportal.

Die gelungene Renovierung wurde im Jahr 2007 von der Hypo-Kulturstiftung gewürdigt. Deshalb verlieh sie der Familie Hugo einen der drei mit je 10 000 Euro dotierten Denkmalpreise.


Zutritt Schloss Leuzendorf bewohnen die Eigentümer, es ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein Gegenüber dem Schloss liegendes altes Fachwerkhaus wurde ebenfalls liebevoll renoviert und wird von der Familie von Hugo als Bed & Breakfast-Pension genutzt. Anfahrt Von Schweinfurt kommend auf der A 70 Richtung Bamberg bis zur Ausfahrt Schonungen/Hofheim. Von dort geht es über die B 303 bis nach Burgpreppach. Vor dort ist Leuzendorf ausgeschildert.

  

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0