Gemünden/Lohr

Von Kloster und Schloss bleibt Idylle - Ruine Schönrain ist ein "herrliches Fleckchen Erde"

Lauschig ist das treffendste Wort, um die Ruine Schönrain zu beschreiben. Verwunschen wirkend ragen die Rotsandsteinfassade eines Schlosses, etliche Mauerreste und sogar ein begehbarer Turm im Wald auf.
Ruine Schönrain

Der Wald öffnet sich nach zehnminütigem Anstieg vom Maintal herauf und gibt über eine Wiese den Blick frei auf die imposante Ruine. Die Reste sind erstaunlich gut erhalten und ebenso erstaunlich vielfältig.

Noch erstaunlicher – und damit erklärt sich der Mix an Bauwerken – ist die Geschichte. Aus einem politisch bedeutenden Benediktinerkloster der mächtigen Abtei Hirsau aus dem 11. Jahrhundert, das nach über 400 Jahren im Bauernkrieg 1525 zerstört wird, machen die zum Protestantismus übergetretenen Grafen aus dem nahen Rieneck im 16. Jahrhundert ein schlossähnliches Amtshaus mit Witwensitz. Das Hochstift Würzburg übernimmt 1601 Schönrain und verlegt das Amt nach Sachsenheim und später nach Gemünden. Ab da dient Schönrain bis 1818 nur noch als Forsthaus und verfällt dann vollends. Heute gehört die Ruine auf der Gemarkung des Gemündener Stadtteils Hofstetten (Lkr. Main-Spessart) der Staatsforstverwaltung.

 

Eine tausendjährige Geschichte ist belegt; möglicherweise reicht sie aber viel weiter zurück. Eine Sage spricht von einem Kloster der heiligen Lioba auf Schönrain, das um 750 entstanden sein könnte. Für den Wahrheitsgehalt spricht ein Saal, der Teil des Rienecker Schlosses ist. Ihn deutet der Kunsthistoriker Professor Dr. Rudolf Kuhn als frühe Saalkirche, in die von außen ein wuchtiges karolingisches Portal führt. Dieses Portal nennt der Professor „ein Unikum dieser Art in Franken und deshalb kunstgeschichtlich bemerkenswert“.

 

Für die Annahme einer frühen christlichen oder sogar vorchristlichen Kultstätte spricht die exponierte Lage Schönrains über dem Main mit weitem Blick flussauf- und abwärts. Dass die Ruine auf einem Bergsporn mit einem der steilsten Hänge des Spessarts steht, ist dem umwucherten Gemäuer nicht anzusehen. Einen Eindruck von der Lage gewinnt, wer auf der anderen Mainseite auf der Bundesstraße 26 zwischen Gemünden und Lohr fährt. Direkt unter der Ruine durchstößt ein Schnellbahntunnel den Berg – und den Schlossbrunnen.

Der gute Zustand der Ruine mit einigen Säulenteilen, Wappentafeln und anderen Fragmenten ist dem Staatsforst als Eigentümer und Sicherungsmaßnahmen durch Lohrer Heimatfreunde vor 35 Jahren zu danken. 2004 gründete sich der Verein „Gefährten Schönrains & Freunde“, der sich aus Liebe zur Ruine mit erheblichem Einsatz um das Gelände kümmert. Der Verein brachte an der Front der Schlossruine eine Tafel mit ausführlichen Informationen an und erforscht die Geschichte weiter. Jüngst entdeckten die Mitglieder bei Pflegearbeiten eine alte steinerne Wasserleitung, die das Schloss und vielleicht schon das Kloster mit Wasser aus einer wenige Kilometer entfernten Quelle versorgte.

 

Vorsitzender ist der Aschaffenburger Architekt Oliver Herrmann. Er schwärmt für die „wirklich einmalige Ruinenromantik des herrlichen Fleckchens Erde“ und stellt auf der hervorragend gestalteten Homepage des Vereins fest: „Kulturhistorisch handelt es sich bei dem Klosterbereich von Schönrain um eine der interessantesten Stätten am Untermain in Franken. So ist dem gelehrten Schottenabt von Sankt Jakob in Würzburg beizupflichten, wenn er in den Annales Hirsaugienses begeistert sagt: „So gibt es auch einen Ort Schönrain im Bistum Würzburg, gleich beim Mainfluss auf dem Berge an schönem Ort gelegen, in gesunder Luft und wegen seiner Einsamkeit für ein Kloster sehr geeignet.“

In unserer verworrenen und hektischen Zeit ist Schönrain zwar kein Kloster mehr, aber ein idyllischer Zufluchtsort für gehetzte Menschen. Und dies möge er auch bleiben.

Ruine Schönrain
Blick von Schönrain auf Main Foto: Gerhard Maisch




Wanderwege Zur Ruine Schönrain führen mehrere Wanderwege. Der nächste Zugang (nicht ausgeschildert) ist von einem Parkplatz an der linksmainischen Kreisstraße zwischen Hofstetten und Steinbach über eine Forststraße (etwa 900 Meter ab dem Ortsende-Schild Hofstetten). In den umliegenden Orten finden sich viele Gebäudeteile der ehemaligen Burg wiederverwendet. Sehenswert sind das Portaltympanon am Eingang der Kirche von Massenbuch sowie in der Kirche von Hofstetten das Taufbecken.

  

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