BAD BRÜCKENAU

Von der Residenz des bayrischen Königs zum Vier-Sterne-Hotel - Geschichte des Fürstenhofes Bad Brückenau

Die Affäre des alternden Königs mit Lola Montez, die aus Schottland stammte, sich aber als spanische Tänzerin ausgab, war schon vorher in Bayern als Skandal empfunden worden. Ludwigs Sohn, Kronprinz Maximilian, der ebenfalls in Brückenau weilte, weigerte sich zum Beispiel, seinen Vater zu treffen, wenn Lola dabei war. Die reagierte darauf so gereizt, dass es schließlich selbst Ludwig zu viel wurde. Der König schrie seine Geliebte an, die daraufhin mit Abreise drohte. Ludwig versöhnte sich schnell wieder mit Lola.

Zufluchtsstätte für russischen Adel
Der König logierte in Brückenau in einem Gebäude, das einst Stall und Remise des benachbarten Wirtshauses war. Das "Ross" war nur wenige Jahre nach der 1747 erfolgten Gründung des Bads im Auftrag des Fuldaer Fürstabts Amand von Buseck als Wirtshaus errichtet worden. Oberhalb einer Reihe von Gartenterrassen gebaut, bildet es den Abschluss der quer durch das Tal angelegten Achse der Kuranlage.

Das Gasthaus war einst der gesellschaftliche Mittelpunkt des Staatsbads. 1775 wurde es zur Wohnung für die Fürstbischöfe von Fulda für ihre Kuraufenthalte umgebaut. Das trug dem Gebäude den Namen Fürstenbau ein. Noch heute wird es Fürstenhof genannt.

Über dem benachbarten Stall mit Remise für Kutschen, wurde etwa zur gleichen Zeit ein zweites Stockwerk für das Personal gebaut. Ludwig I., der Brückenau erstmals 1818 besucht hatte, als das Bad gerade einmal zwei Jahre zu Bayern gehörte, ließ dieses Gesindehaus in eine 13-Zimmer-Residenz umbauen. Weil dort viele Angehörige des Hofstaats wohnten, bekam es den Namen Kavaliersbau, heute ist es das Schlosshotel.

Es wird durch einen ebenfalls von Ludwig I. in Auftrag gegebenen Speisesaal mit dem Fürstenhof verbunden. 1978 wird das Schlosshotel modernisiert. Die alten Mauern werden weitgehend abgebrochen und neue nach den alten Maßen hochgezogen. Dazwischen liegt eine wechselvolle Geschichte. Nach dem Tod Ludwigs I. gelangten die Gebäude in den Besitz seiner Schwiegertochter Amalie, Ex-Königin von Griechenland.

Aus deren Nachlass kaufte es der aus dem russischen Baltikum stammende Baron Andreas von Budberg, der das Hotel einrichtete. Nach der Oktoberrevolution fanden Bekannte und Verwandte Budbergs und seiner Frau aus dem russischen Adel im Staatsbad Brückenau eine Zuflucht. Nach dem Tod des kinderlosen Paares fielen Fürstenhof und Schlosshotel bald an Bayern, weil die russischen Erben die für Ausländer exorbitante Erbschaftssteuer nicht zahlen konnten. Der Freistaat verpachtet die Gebäude bis heute als Hotel.

Beliebt bei Hochzeitspaaren
Die Dorint-Hotelgruppe betreibt heute den Fürstenhof als Dependance des benachbarten Vier-Sterne-Hotels. Im Fürstenhof war die kroatische Fußballnationalmannschaft während der Weltmeisterschaft 2006 untergebracht. Aber auch Hochzeitspaare nutzen das Ambiente für ihre Feiern. Wo einst der bayerische König residierte, turteln heute Frischvermählte.

Deren Glück sollte etwas länger dauern als das des verliebten Ludwigs und seiner Lola. Ihr Brückenauer Idyll endete kaum zwei Wochen nach der Versöhnung, dann reisten beide auf getrennten Wegen ab. In Würzburg verursachte Lola Montez zwei Tage später den nächsten Skandal und musste Bayern bald verlassen. Ludwig konnte sich noch einige Monate halten, dann räumte er unter dem Druck der Öffentlichkeit den Thron für seinen Sohn.

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