Kreuzwertheim

Zwischen Klischee und Moderne - Leben im Schloss Kreuzwertheim

Leben im Schloss Kreuzwertheim
Schloss Kreuzwertheim
Leben im Schloss – das klingt für viele wie ein Leben im Paradies. Der Hausherr von Schloss Kreuzwertheim, Ludwig Erbprinz zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, gibt allerdings zu bedenken: „Man muss 60 Meter weit laufen, um sich ein Glas Milch in der Küche zu holen.“

150 Meter lang ist heute das von 1736 bis 1738 zunächst als Landbau erbaute und 1890 von Fürst Ernst und Fürstin Wanda zum Wohnsitz umgebaute Kreuzwertheimer Schloss (Lkr. Main-Spessart). Das Grundstück, das auch einen weitläufigen Park und einen nicht zu kleinen Swimmingpool beinhaltet, ist über zwei Hektar groß. Hier lässt sich's leben, daran lässt auch der Erbprinz keinen Zweifel. „Als Kind war es herrlich, hier aufzuwachsen. Nach meinem Studium bin ich gerne wieder nach Hause zurückgekommen.“

Er sagt aber auch: „Man würde heute anders bauen. Die langen Gänge nehmen sehr viel Raum ein.“ Im Grunde also steht Erbprinz Ludwig, seiner Ehefrau Erbprinzessin Elisabeth und den drei Kindern der Wohnraum eines großen Hauses zur Verfügung, nicht ein komplettes Schloss. „Im Südteil des Gebäudes wohnt mein Vater, Fürst Alfred Ernst zu Löwenstein. Im Mittelteil ist die Verwaltung unserer Land- und Forstwirtschaft mit acht Angestellten untergebracht“, erklärt der Erbprinz.

Doch auch wenn Ludwig zu Löwenstein tiefstapelt, nicht viele Hausbesitzer könnten sich einfach mal 2000 Gäste in den Garten einladen. Am Wochenende des 5. und 6. Juli findet das unterfränkische Jagdhornbläsertreffen im Schlosspark statt. „Die Gemeinde Kreuzwertheim hat mich gefragt und wir haben zugesagt“, erklärt der Schlossherr dazu lapidar. Den mit Füßen getretenen und in Mitleidenschaft gezogenen Rasen musste nicht der Erbprinz selbst wieder restaurieren, sondern seine Bediensteten.

Nicht allzu oft wird der Öffentlichkeit Zutritt zum fürstlichen Anwesen gewährt. „Wegen der vielen Wohnräume und anders genutzten Räumlichkeiten können wir das Gebäude nicht zur Besichtigung freigeben“, erklärt Erbprinz Ludwig. Doch seine Ehefrau Elisabeth empfängt regelmäßig Kindergartengruppen oder Schulklassen aus Kreuzwertheim.

„Die Kinder sind natürlich sehr interessiert und wollen alles wissen“, sagt die Erbprinzessin. Gerne begrüßt die hochgewachsene, schlanke Frau Kinder und Gäste in der Empfangshalle, die mit Ritterrüstungen, Gemälden, einem abgedeckten Flügel, majestätischen Treppenaufgängen und einem bunten Kirchenglasfenster beeindruckt. Eine Führung durch die Bibliothek mit mehreren hundert Jahre alten Folianten, durch den gotischen Saal, den Speisesaal und den Bildersaal versprüht einen Hauch von „Guldenburgs“. Im gotischen Saal weist die Erbprinzessin auf die Gemälde von Fürst Wilhelm und Fürstin Olga, den Ururgroßeltern ihres Gatten, hin. „Fürst Wilhelm war der beste Freund von Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg, dem Ehemann der britischen Königin Victoria“, erklärt sie. Deshalb seien Queen Victoria und ihr Mann häufig in Kreuzwertheim zu Gast gewesen. Man kennt sich in Adelskreisen. Natürlich waren Elisabeth und Ludwig zu Löwenstein auch kürzlich zur Coburger Traumhochzeit zwischen Hubertus Erbprinz von Sachsen-Coburg und Gotha und der bürgerlichen US-Amerikanerin Kelly Rondestvedt eingeladen – ebenso übrigens wie das schwedische Königspaar. „Es wird wohl sehr schwierig für die junge Amerikanerin, sich an dieses Leben zu gewöhnen“, vermutet Erbprinzessin Elisabeth, geborene Gräfin von Waldung-Wolfegg und Waldsee.

Wer bereits in diesen Kreisen aufwächst, den irritiert es auch nicht, im Speisesaal unter einem großen Gemälde der eigenen Vorfahren zu dinieren. „Das Bild zeigt einen männlichen Vorfahren meines Gatten, umringt von meinen weiblichen Vorfahren“ – alle im Kindesalter. „Wir sind im Grunde genommen recht nah miteinander verwandt“, bemerkt Erbprinzessin Elisabeth ohne Ironie. Eine Flasche Cola light auf dem Tisch ist so ziemlich das einzige Element des Speisesaals, das aus dem 21. Jahrhundert stammt.

Das blaublütige Paar pflegt die Tradition. „Natürlich sind wir Demokraten. Aber wenn eine Familie mehrere hundert Jahre weit zurückreicht, dann ist das auch ein Wert, den es zu bewahren lohnt“, räsoniert die Erbprinzessin. Der Moderne verschließen sich der Erbprinz und die Erbprinzessin dennoch nicht. „2006 haben wir ein Blockheizkraftwerk im Keller eingebaut. Seitdem erzeugen wir unseren eigenen Strom“, sagt Ludwig zu Löwenstein.

Besuche

Schloss Kreuzwertheim ist wegen seiner Nutzung als Wohnraum und Verwaltungsgebäude nicht für Besucher geöffnet.

 

Anfahrt

Schloss Kreuzwertheim liegt im Ortskern von Kreuzwertheim und ist erreichbar über die A 3. An der Ausfahrt Wertheim/Lengfurt fährt man Richtung Wertheim und dort über den Main nach Kreuzwertheim.

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