SCHWEINFURT

Auf der Peterstirn begann die Geschichte der Stadt

Der „Karlsturm“ auf der Peterstirn am Main sieht aus, als künde er von mittelalterlicher Zeit. Das im Stil des Historismus errichtete Gebäude stammt jedoch aus dem Jahr 1874, ist also gerade einmal gut 130 Jahre alt. Ganz oben auf der Peterstirn, gleich neben einem Aussichtsturm, gibt es ein Wasserloch, einst Teil des Wassergrabens der Burg der Babenberger.
Peterstirn       -  Herbst - rund um die Peterstirn
Foto: Waltraud Fuchs-Mauder | Herbst - rund um die Peterstirn
Die Burg, Sitz der mächtigen Schweinfurter Babenberger, muss ein gewaltiges Bauwerk gewesen sein. Erstmals erwähnt wurde die 170 Meter lange und bis zu 60 Meter breite Anlage im Jahr 1003 – ein verheerendes Datum für das Geschlecht der Babenberger.

Das Land der Markgrafen reichte von der Rhön bis nach Eichstätt. Ihrem stets zuverlässigen Gefolgsmann, dem Grafen Berthold (er wird als erstes Glied des Hauses der Markgrafen von Schweinfurt erstmals 941 genannt), hatten die Kaiser Otto II. und Otto III. gar das Herzogtum Bayern versprochen. Doch Kaiser Heinrich der II. , der Zänker genannt, scherte sich nicht um diese Zusagen, was Bertholds Sohn Hezilo gegen den Kaiser ziehen ließ. Hezilo verlor im Jahr 1003. Die Babenberger versanken in der Bedeutungslosigkeit.

Hezilos Mutter Eila erreichte, dass die Schweinfurter Burg nicht geschleift wurde. Als Dank dafür errichtete sie unterhalb der Burg, wo heute der Karlsturm steht, ein Nonnenkloster mit der Kirche St. Peter. Und weiter unterhalb, im Höllental, wuchs die erste Schweinfurter Siedlung, woran noch heute Straßennamen wie Altstadt-, Markgrafen-, Babenberger-, Hezilo- oder Graf-Berthold-Straße erinnern. Vor 1155 wurde das Nonnen- in ein Mönchskloster der Benediktiner umgewandelt und bekam den Namen Stella Petri. 1236 ging das Kloster an den Deutschen Orden. 1437 erwarb die Stadt die gesamte Peterstirn und ließ die Bauten – als Steinbruch – abtragen. Aus der Peterstirn wurde ein Weinberg.

Als 1853 die Eisenbahn gebaut wurde, diente die Peterstirn als Füllgrube, in der Material zur Auffüllung des Bahnkörpers gewonnen wurde. 1872 kaufte die Industriellenfamilie Sattler Teile der Peterstirn, legte wieder Weinberge an. 1874 krönte Carl Sattler die Aussichtskuppe mit dem „Karlsturm“, der gleichzeitig Weinberghäuschen und Denkmal ist, denn Tafeln im Freisitz erinnern an den Krieg mit Frankreich in den Jahren 1870/71.

1895 erwarb das Anwesen der Weingroßhändler Lebküchner. Im Kriegsjahr 1943 wurde auf dem Grundstück eine Vernebelungsanlage installiert, ein Häuschen für den Offizier und eine Baracke für die Mannschaft gebaut. Mitte der 90er Jahre kaufte dann Schweinfurts einzige Winzerfamilie Dahms das Grundstück. In und um den Karlsturm werden seither Weinproben abgehalten, Weinfeste gefeiert.

Hans Thoma und Johann Ernst Sattler tranken und malten

Das obere der beiden Turmzimmer ist etwas ganz Besonderes. Die Wand- und Deckengemälde stammen von den Malern Johann Ernst Sattler und seinem Freund Hans Thoma, einem der bekanntesten Vertreter der Deutschen Malerei des 19. Jahrhunderts. Von Thoma sind etliche Werke im Schweinfurter Museum Georg Schäfer oder etwa auch in der Münchner Pinakothek ausgestellt.

Thoma besuchte 1874 Johann Ernst Sattler. Beide wohnten auf Schloss Mainberg, das Sattlers Großvater erworben hatte. Tagsüber hielten sich beide oft im Turm an der Peterstirn auf, hatten der Familie zugesichert, Wände und Decken zu bemalen. Nach Briefen von Thoma zu urteilen, ging es dabei nicht bierernst, sondern oft weinfröhlich zu. Zum Abschluss der Arbeiten schrieb Thoma: „Mutig, ohne viel Plan, fing ich an der Decke an und malte einen Kranz von insektenflügeligen Amoretten. Dann malte ich in die Ecken die vier Winde. Währenddessen trieb sich Sattler an den Wänden herum und malte Marmorsäulen und Amore, die Weinlese halten. In halber Arbeit, nachdem er überall angefangen hatte, sollte ich fertig machen. Es war mir arg, es war alles unten herum so ganz anders als ich die Decke gemacht hatte.“

Thomas vollendete das Werk und meinte: „Wir sahen zu spät ein, dass so eine Arbeit nur einem Kopfe entspringen kann.“

Daten und Fakten

Die Peterstirn ist heute in Besitz der Schweinfurter Weinbauernfamilie Dahms. Mitte Juni und jeweils am dritten Wochenende im Juli werden dort Weinfeste gefeiert, allerdings ohne Besichtigung der Turmräume. Bei Weinproben für Gruppen gibt es Führungen durch die Turmräume. Kontakt: Tel. 69 12 3

 
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