MESPELBRUNN

Schloss Mespelbrunn: Das Märchenschloss im Walde

Fast scheint es sich vor neugierigen Blicken verstecken zu wollen. In einem Seitental des Elsava-Tals verborgen blinzelt Schloss Mespelbrunn erst nach einigen Minuten Fußmarsch zwischen den Blättern hervor. Wer es aber entdeckt hat, der meint in ein Märchen der Gebrüder Grimm geraten zu sein.
Wasserschloss Mespelbrunn       -  Zum Themendienst-Bericht von Verena Wolff vom 17. Oktober 2014: Das Wasserschloss von Mespelbrunn ist aus dem Film «Das Wirtshaus im Spessart» bekannt. (Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei.)  Foto: Verena Wolff
Foto: Verena Wolff (dpa-tmn) | Zum Themendienst-Bericht von Verena Wolff vom 17. Oktober 2014: Das Wasserschloss von Mespelbrunn ist aus dem Film «Das Wirtshaus im Spessart» bekannt.

Kein Wunder, dass das Schloss Mespelbrunn im Kreis Aschaffenburg (Lage) schon häufiger in Film und Fernsehen als Schauplatz für Märchen und Sagen dienen durfte. Umschlossen von den rauschenden Wäldern des Spessarts liegt es in der Morgensonne wie ein verwunschenes Schloss. Es fehlt nur eine hübsche zu rettende Prinzessin und ein zur Rettung bereiter tapferer Prinz.

 

Tapfer soll auch Ritter Hamann von Echter gewesen sein. Dem schenkte der Erzbischof Johann von Main 1412 diesen Grund, auf dem er mit Haus und Hof den Grundstein für das Schloss legte. Einer Legende nach verdankt er diese Schenkung einer selbstlosen Tat auf einer gemeinsamen Hirschjagd mit dem Kurfürsten Johann. Der war nach einer langen, anstrengenden Jagd bei heißem Wetter völlig erschöpft, brannte vor Durst. Dem Ritter ging es zwar ähnlich, er machte sich aber dennoch erfolgreich auf die Suche nach einer Quelle und trug – mangels Trinkgefäß – seinen aller Kräfte beraubten Dienstherren zum dringend benötigten Nass. Als Dank erhielt Harmann den „Platz zum Espelborn“.

Aber schon vor dem Ritter hatten sich an diesem Ort Echter-Sprösslinge verirrt. Einer von drei Brüdern, die durch Raubrittertum bei Kaiser Barbarossa in Ungnade gefallen waren und sich deshalb in den Spessart geflüchtet hatten, siedelte hier. Nur gelegentlich trafen sich die Brüder – an einer Eisenstange mit drei Ringen, an denen sie ihre Pferde anbanden. Der Ort, Echterspfahl genannt, liegt nur wenige Kilometer vom Schloss entfernt und die drei Ringe fanden Eingang in das Wappen der Echter. Das ist überall im Schloss zu finden, denn hier ist der Stammsitz des Geschlechts.

Auch heute wohnen noch Echter-Nachfahren im Schloss. Es ist in Familienbesitz der Grafen von Ingelheim genannt Echter von und zu Mespelbrunn. Deshalb kann auch nur der Nordflügel besichtigt werden, doch das reicht aus, denn das Schloss hält im Inneren, was es außen märchenhaft verspricht. Dem Besucher begegnen allerlei Kostbarkeiten, schön gearbeitete Räume, teures, teilweise aus Fernost stammendes Porzellan. Auch zahlreiche Jagdtrophäen und Waffen finden sich.

Da hängt ein Schwert aus dem 16.Jahrhunderts neben einem Stahlhelm aus dem Ersten Weltkrieg. Im heute noch genutzten Speisesaal im Obergeschoss findet sich eine Besonderheit: das Zeremonialschwert des Fürstbischofs von Würzburg, Zeugnis für den bekanntesten Spross der Familie Echter: Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn, der Erbauer des Juliusspitals in Würzburg und Gründer der Würzburger Universität, erblickte in diesem Schloss 1545 das Licht der Welt – als eines von zehn Kinder seiner Eltern Peter Echter von Mespelbrunn und Gertraud von Adelsheim. Unter diesen beiden wandelte sich das Wasserschloss in 18 Jahren Bauzeit zum verträumten Renaissanceschlösschen, das es heute ist.

Über ein halbes Jahrtausend ist seit den Anfängen des Schlosses vergangen und immer noch steht es, überwacht der imposante Burgturm das Geschehen, auch wenn er heute nicht mehr das Burgverlies, sondern das Familienarchiv beherbergt. Seiner verborgenen Lage inmitten des Spessarts verdankt das Schloss vermutlich, dass ihm weder Krieg noch die Zeit Schaden zufügen konnten – vielleicht haben auch die kleinen, in den Sandstein gemeißelten Fratzen, die böse Geister abhalten sollten, ihren Teil dazu beigetragen.

Einer dieser Scherze der Steinmetze aus früheren Zeiten, ein kleiner nackter Mann, begrüßt den Besucher auf dem Laubenbogen des stillen Innenhof. Von hier kann man einen schönen Blick auf den Teich des Wasserschlosses genießen, in dem sich die Giebelfront und die dunklen Schiefergauben spiegeln, während zwei Schwäne gemächlich dahingleiten..

Geschichtliches

  • 1412 schenkt Kurmainzer Erzbischof Johann seinem Forstmeister Hamann von Echter den „Platz zum Espelborn“ an dem Echter ein unbefestigtes Haus errichtete – Grundstein für das spätere Schloss Mespelbrunn
  • 1427 macht Hamann Echters gleichnamiger Sohn aus dem Haus seines Vaters ein befestigtes Haus mit Mauern, Turm und Wassergraben.
  • In den folgenden Generationen weitere Umbauten; seine jetziges Erscheinungsbild erhält das Schloss vor allem durch den Umbau von Peter Echter von Mespelbrunn und seiner Frau Gertraud von Adelsheim in den Jahren 1551 bis 1569.
  • 1655 endet die Linie der Echter im Mannesstamm; Maria Ottilia, genannt die letzte Echterin, heiratet 1648 Ludwig von Ingelheim. Die beiden vereinigen Titl und Wappen und tragen seither den Namen Grafen von Ingelheim genannt Echter von und zu Mespelbrunn
  • Schloss Mespelbrunn ist noch heute in Privatbesitz sowie bewohnt; seit Endes des Zweiten Weltkriegs ist der Nordflügel für die Öffentlichkeit zugänglich.

Info
Schloss Mespelbrunn hat geöffnet von Karfreitag bis Allerheiligen, Mo-Sa 9 Uhr bis 12 Uhr, 13 Uhr bis 17 Uhr; Sonn- und Feiertags, 9 Uhr bis 17 Uhr. Besichtigung nur mit Führung möglich.

Tipp
Für Kinder hingegen ist es der größte Spaß, die Fische im Wassergraben zu füttern, der das Schloss umgibt. Für zehn Cent gibt es ein Tütchen Fischfutter. Und wenn man eine Hand voll davon ins Wasser wirft, brodelt es dort richtig, so gierig machen sich die Forellen über den Leckerbissen her.
Noch eine Kuriosität hat das Wasserschloss zu bieten: Wolpertinger, jene legendäre Tierspezies gehörnter Hasen, sind ausgestopft im Treppenaufgang zu bewundern.

 

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