FRANKEN

Aufständische und Mordbrenner

Franken in der Neuzeit Um 1500 wurde der Fränkische Reichskreis gegründet. Mit ihm sollte auch der Landfrieden gewahrt werden. Bis um 1800 ging es in Franken jedoch nicht immer friedlich zu.
Aufrührerisch: Noch heute kämpfen Bauern in Franken gegen Adel und Klerus wie einst 1525 – in Giebelstadt (Lkr. Würzburg) bei den Florian-Geyer-Festspielen. Und wie einst scheitern sie mit dem Rebell und Ritter Florian Geyer jedes Jahr aufs Neue. Foto: Thomas Obermeier

Der Fränkische Reichskreis galt als „der erst und furnembst“. Er steht am Beginn der Reichsreform durch den deutsch-römischen König und späteren Kaiser Maximilian I. (1459-1519). Die Neuzeit in Franken begann also „vornehm“ – und identitätsstiftend, auch wenn das „Herzland“ des Alten Reiches damals kein einheitlich geschlossenes Gebiet war. Der Fränkische Reichskreis setzte sich aus bis zu 27 Territorien zusammen, in denen an die 43 Landesherren das Sagen hatten. Sie alle versuchten natürlich ihre Interessen zu wahren. Das Gremium tagte im Großen Reichssaal in Nürnberg. Auf den Bänken saßen die geistlichen Fürsten, die weltlichen Fürsten, Grafen und Herren sowie Vertreter der Reichsstädte.

Kritische und spöttische Stimmen gab es auch. Im „Fränkischen Merkur“ von 1797 wird Franken als „ein Durcheinander, für das man keinen Namen hat“ beschrieben. Preußenkönig Friedrich der Große schaute im 18. Jahrhundert vom hohen Norden auf die Kleinstaaterei im Süden mit ihren „Zaunkönigen“ herab, mit denen er zum Teil verwandt war: den hohenzollerschen Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach/Bayreuth und Brandenburg-Ansbach.

Historiker bezeichnen den Fränkischen Reichskreis als beständiges Instrument, das selbst im Dreißigjährigen Krieg Bestand hatte. Sein Kennzeichen war laut dem Historiker Rudolf Endres eine ausgeprägte politische, konfessionelle und wirtschaftliche Balance. Er markiert aber auch das Ende der politischen Unabhängigkeit Frankens – als der Fränkische Reichskreis nach 322 Sitzungen in gut 300 Jahren im Jahr 1806 aufgelöst wurde.

Einfluss nehmen wollten nicht nur die Herrschenden, sondern auch die Kleinen im Lande. Bauern, auch Bürger, begehrten 1525 in Franken gegen zu hohe Steuern und Abgaben auf und formulierten ihre Forderungen in den 14 Gänheimer Artikeln, benannt nach einem Stadtviertel in Würzburg zwischen Neubau- und Domstraße. Sie orientierten sich an den kurz zuvor verfassten zwölf Artikeln der Bauern aus Oberschwaben, die sich von Memmingen aus rasch verbreiteten.

Ein Vorbote des Bauernkriegs war Hans Böhm, der als „Pfeifer von Niklashausen“ in die Geschichte einging. 1476 zog er mit seinen Reden über die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aller Menschen die Leute ins Taubertal. Er forderte etwa, dass Wälder und Weiden und Gewässer frei seien und von allen genutzt werden können, Zölle und Steuern abgeschafft werden – Wünsche, die 1525 erneut geäußert wurden. Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg (1466-1495) ließ Böhm gefangen nehmen und nach Würzburg bringen. 16 000 Bauern wollten ihn befreien und belagerten den Festungsberg. Da ließ der Bischof die Geschütze auffahren. Die Bauern flüchteten, zwölf von ihnen wurden dabei getötet. Der „Pfeifer“ wurde am 19. Juli 1476 auf dem Schottenanger hingerichtet.

Die erste kleine „Revolution des gemeinen Mannes“ ging also nicht gut aus. Die zweite – der Bauernkrieg von 1524/25 – ebenfalls nicht. Die Aufständischen hatten letztlich keine Chance gegen das gut ausgerüstete und kriegserprobte Heer des Bundes. Bei der Schlacht von Königshofen sollen etwa 7000 Bauern ihr Leben gelassen haben. Wer überlebte, den traf das Strafgericht mit voller Härte. So ließ der Würzburger Fürstbischof Konrad von Thüngen 65 Aufrührer enthaupten. Auch Markgraf Kasimir von Brandenburg-Kulmbach (1481-1527) kannte keine Gnade. Er nahm als Heerführer an der Einnahme von Kitzingen teil und ließ dort 56 Aufständischen, die um ihr Leben flehten, die Augen ausstechen. Nicht nur diese Grausamkeit brachte ihm den Namen „Bluthund“ ein.

Zerstörerische Eigenschaften hat Markgraf Kasimir an seinen Sohn Albrecht II. Alcibiades (1522-1557) weitervererbt, der blutige Kriege führte, um seine Vorstellungen von einem „Herzogtum Franken“ zu verwirklichen. Sein Beiname geht auf den griechischen Politiker Alkibiades (um 451-404 v. Chr.) zurück, der als streitbarer Charakter galt und im Peloponnesischen Krieg mehrfach die Seiten wechselte. Das passt, auch Markgraf Albrecht scheute keinen Konflikt und suchte für die Durchsetzung seiner Interessen auch mal Unterstützung im gegnerischen Lager.

Bekannt geworden ist Albrecht Alcibiades, weil er den zweiten Markgrafenkrieg angezettelt hat (der erste geht auf das Konto seines Urgroßvaters Albrecht Achilles). Albrecht Alcibiades hinterließ bei seinen Raubzügen, die seinen Machtbereich vergrößern sollten, eine Spur der Verwüstung in den Hochstiften Würzburg und Bamberg sowie im Gebiet der Reichsstadt Nürnberg. Ein „Herzog von Franken“ wurde er nie. Die geistlichen Fürsten und der Nürnberger Stadtrat zahlten es dem „Mordbrenner“ mit gleicher Münze heim: Sie brannten am 26. November 1553 seine Residenzstadt Kulmbach nieder. Zuvor hatte der Kaiser über ihn die Reichsacht verhängt.

Die Zerstörungen in Franken waren damit längst nicht am Ende. Im Gegenteil. Die konfessionellen Spannungen zwischen den Protestanten und Katholiken entluden sich im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Sie trafen auch Würzburg mit voller Wucht, als sich Schwedenkönig Gustav Adolf in den Religionskrieg einmischte. Am 12. Oktober 1631 besetzten die Schweden Schweinfurt, am 18. Oktober eroberten sie den Marienberg in Würzburg. In dem blutigen Gefecht starben etwa 700 Menschen, darunter Zivilisten und Geistliche. Das katholische Fürstentum Würzburg wurde ein protestantisches Herzogtum der schwedischen Krone. Die auferlegten Zahlungen und Naturalleistungen waren von der Bevölkerung kaum zu erfüllen.

Fast auf den Tag genau drei Jahre später – am 14. Oktober 1634 wurde Würzburg zurückerobert, aber erst im Januar 1635 kapitulierte die schwedische Garnison auf der Festung. Am Ende waren laut einer Liste, die im Reichsarchiv Stockholm aufbewahrt wird, im Fränkischen Reichskreis 23 Städte, 313 Dörfer und 47 Schlösser zerstört – von den Seelen der Menschen ganz zu schweigen.

Ein Gutes wird den Schweden nachgesagt: Ihr Auftauchen beendete im Hochstift Würzburg das düstere Kapitel der Hexenverfolgungen. Nirgendwo im Heiligen Römischen Reich loderten die Scheiterhaufen öfter als rund um Würzburg und Bamberg.

Das Ende des Fränkischen Reichskreises wurde durch die Koalitionskriege, die ab 1802 Napoleonische Kriege genannt wurden, eingeläutet. Auslöser war die Französische Revolution von 1789. Deren Ideen stießen in den konservativen Machtbereichen Preußen und Österreich, ebenso im Hochstift Würzburg nicht auf Gegenliebe. Der „französische Unsinn“, wie er bezeichnet wurde, bescherte gegen Ende des Ersten Koalitionskrieges 1796 Würzburg eine große Schlacht, bei der die Österreicher unter Erzherzog Karl als Sieger hervorgingen. Die Auseinandersetzungen waren damit jedoch nicht zu Ende. Im Verlauf der Napoleonischen Kriege wechselte Franken mehrmals die staatliche Zugehörigkeit, am Ende gehörte die Region zu Bayern.

Eckdaten der Geschichte

1476: Hinrichtung des „Pfeifers von Niklashausen“ am 19. Juli in Würzburg.

1500: Gründung des Fränkischen Reichskreises am 2. Juli durch den deutsch-römischen König Maximilian I. (ab 1508 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches).

1517: Erste Zusammenkunft des Fränkischen Reichskreises im großen Rathaussaal der Reichsstadt Nürnberg am 4. Februar.

1517: Beginn der Reformation am 31. Oktober, als Martin Luther seine 95 Thesen an den Erzbischof von Mainz sandte. Im Lauf des 16. Jahrhunderts Aufnahme von reformier- ten Glaubensflüchtlingen in Franken; 1559 lassen sich die ersten Hugenotten in Nürnberg nieder.

1524: Beginn des Bauernkriegs; 1525 Niederlage der Bauern im Juni in und um Würzburg.

1552-54: Zweiter Markgrafenkrieg durch Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach (1522-1557).

1563: Beginn der Gegenreformation nach dem Ende des Konzils von Trient.

1582: Wiedereröffnung der Universität Würzburg durch Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (Erstgründung 1402).

1606: Pest in Franken

1608: Gründung der Protestantischen Union in Auhausen bei Dinkelsbühl.

1609: Bildung der Katholischen Liga unter Führung des bayerischen Herzogs Maximilian I. in München, zu der unter anderen auch die Hochstifte Würzburg und Bamberg gehören.

1618–1648: Dreißigjähriger Krieg

Um 1585 bis 1630: Zeit der schlimmsten Hexenverfolgungen in Franken unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn und seinem Neffen Philipp Adolf von Ehrenberg.

Ab 1631: Schweden besetzen Franken.

1635: Kapitulation der schwedischen Garnison auf dem Würzburger Marienberg im Januar.

1693-1746: Schönbornzeit; die Adelsfamilie bringt den Barockstil nach Franken (1695 Baubeginn der Neuen Residenz in Bamberg; 1719 Baubeginn der Würzburger Residenz).

1701-1714: Spanischer Erbfolgekrieg

1789: Beginn der Französischen Revolution.

1791/92: Die hohenzollerschen Markgrafentümer Brandenburg-Bayreuth und Brandenburg-Ansbach werden preußisch.

1795: Wahl des letzten Fürstbischofs von Würzburg, Georg Karl von Fechenbach.

1796: In der Schlacht von Würzburg innerhalb des Ersten Koalitionskrieges stehen sich die Armeen des revolutionären Frankreich sowie die von Preußen und Österreich gegenüber.

1806: Kaiser Franz II. legt am 6. August seine Krone nieder; das bedeutet das Ende des Heiligen Römischen Reiches und des Fränkischen Reichskreises.

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Streitbar: Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach Foto: Wikipedia

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