FRANKEN

Mutig, tapfer, gierig und frech

Frühgeschichte Die Franken tauchen um das Jahr 260 erstmals in schriftlichen Quellen auf. Damals siedelten sie noch in weiter Ferne.

Nicht etwa stur oder wortkarg, nein, vielmehr schnell, heftig, mutig, tapfer, gierig und frech: Glaubt man Namenskundlern, dann stecken alle diese Bedeutungen in der Bezeichnung „Frank“. Nun, dagegen werden sich wohl die wenigsten fränkischen Landsleute wehren. Es wird sogar welche geben, die stur behaupten: Ja, das Volk der Franken war schon immer so und ist es noch heute.

Doch, wer sind die Franken? Und woher kommen sie? Das ist eine lange und mitunter auch verworrene Geschichte. Eines gilt als sicher: In der Mitte des dritten Jahrhunderts, um 260, werden die Franken erstmals in antiken Quellen erwähnt – da waren sie allerdings noch weit weg vom heutigen Franken.

Die Geschichte der Region, die heute in die fränkischen Bezirke Unter-, Mittel- und Oberfranken unterteilt ist, beginnt nicht erst mit der fränkischen Landnahme ab dem frühen sechsten Jahrhundert. Dort finden sich schon weit früher Spuren menschlichen Lebens. Der bislang älteste Franke war ein Neandertaler oder auch eine Neandertalerin und lebte vor mindestens 60 000 Jahren. Dies ergab die Untersuchung eines Weisheitszahns, der von Archäologen in einem Steinbruch 40 Kilometer östlich von Nürnberg in der Nähe von Hunas (Gemeinde Pommelsbrunn) gefunden wurde.

Jahrtausende später standen beeindruckende Bauwerke in der fränkischen Flur: die neolithischen Kreisgrabenanlagen von Ippesheim am Fuße des Bullenheimer Bergs (Lkr. Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim) und von Hopferstadt bei Ochsenfurt (Lkr. Würzburg). Vor rund 7000 Jahren wurden sie errichtet und sind damit um einiges älter als Stonehenge. Sie waren aus Holz, aber genauso imposant wie die berühmte Anlage aus Stein. Heute ist von ihnen nichts mehr zu sehen, ihre Überreste im Boden werden ab den 1980er Jahren erforscht. Sie gelten als Kultanlagen mit astronomischer Bedeutung.

Das Hochplateau des Bullenheimer Bergs war auch zu späteren Zeiten für Menschen interessant. Der Tafelberg zählt zu den bedeutendsten Höhensiedlungen beziehungsweise Zentren der späten Bronzezeit vor rund 3000 Jahren in Süddeutschland.

Später waren dort die Kelten ansässig. Glaubt man den Römern, dann hatten sie ähnliche Eigenschaften wie die Franken. Sie galten als wild und kriegerisch. Als die Franken kamen, waren die Kelten allerdings bereits von der Bildfläche beziehungsweise von ihren Höhensiedlungen verschwunden. Bedeutende keltische Zentren (Oppida) befanden sich zum Beispiel auf dem Staffelberg bei Lichtenfels und auf der Ehrenbürg bei Forchheim. Von „Menosgada“, so hieß die befestigte Anlage auf dem Staffelberg, ist heute ebenfalls nichts mehr zu sehen. Die Kelten haben den Ort vor circa 2000 Jahren verlassen. Zu dieser Zeit sind sie gänzlich aus der heutigen Region Franken verschwunden. Als Grund wird das Auftauchen der Germanen angesehen. Diese Völkerschaften sind mehrfach im Maingebiet greifbar. So zogen um 406/07 in der Völkerwanderungszeit laut dem Schweinfurter Historiker Dirk Rosenstock die ostgermanischen Vandalen „durch unser Gebiet“ in Richtung Rhein und weiter nach Gallien. Sie hätten zahlreiche Turbulenzen im Untermaingebiet verursacht.

Zurück zu den Franken. Auch sie zählen zu den Germanen, allerdings zu denen aus dem Westen. Als sie um 260 erstmals in schriftlichen Zeugnissen genannt werden, kam es im Römischen Reich wieder einmal zu heftigen Auseinandersetzungen. Der „Furor teutonicus“, die „teutonische Raserei“, wütete an der römischen Grenzlinie, dem Limes. Vor allem die Alamannen hinterließen ab dem Jahr 233 eine Spur der Verwüstung.

Die Franken siedelten zu dieser Zeit aber nicht etwa nördlich und südlich des Mains. Ihren Lebensraum begrenzten andere Flüsse. Bereits in der älteren römischen Kaiserzeit (60 vor bis 160 n. Chr.) sind sie zwischen Rhein und Weser bezeugt, aber auch im Mündungsgebiet der IJssel. Zu den Franken gehörten Teilstämme wie die Chamaven, Sugambrer, Brukterer, Chattuarier oder die Salier (lateinisch: Salii, die Salzmeerbewohner), die nicht zu verwechseln sind mit der gleichnamigen mittelalterlichen Herrscherfamilie. Die germanisch-fränkischen Salier, treue Bundesgenossen der Römer, sind nach Aussagen der Historiker für die späteren Mainfranken von Bedeutung. Jedenfalls sollen sie sich auf Geheiß Roms ab dem vierten Jahrhundert im brabantischen Toxandrien zwischen Maas und Schelde im heutigen Belgien niedergelassen haben.

Einige Zeit hörte man wenig von ihnen. Zu Beginn des fünften Jahrhunderts jedoch wendete sich das Blatt. Die Merowinger, sie gelten als Anführer der fränkischen Salier, tauchten aus dem Dunkel der Geschichte auf. Sie hatten ihr Zentrum in der belgischen Stadt Tournai und zogen unter ihrem König Childerich I. „mal als Freunde, mal als Feinde Roms, nach Südwesten“, schreibt der Erlanger Historiker Michael Peters in seinem Buch „Geschichte Frankens“.

Die Merowinger sind berühmt-berüchtigt für ihren Machtinstinkt und ihre Skrupellosigkeit. Kühn waren sie, auch heftig – dazu äußerst schnell und treffsicher dank der Franziska. So hieß die merowingische Wurf-axt. Ihr Name leitet sich ab von „franzisca“: die Fränkische. Ein Exemplar der gefürchteten Waffe befand sich im Grab Childerichs, das im 17. Jahrhundert in Tournai entdeckt wurde. Auch in Würzburg wurde eine Franziska im Füllmaterial eines Gewölbezwickels der Festung gefunden. Sie befindet sich im Mainfränkischen Museum.

Chlodwig I., der Sohn Childerichs, gilt als Begründer des Fränkischen Reiches, denn er vergrößerte ab seinem Machtantritt 481/82 das von seinem Vater eroberte Gebiet beträchtlich – bis hin zur „Francia orientalis“, der Region Ostfranken, zu der auch das heutige Franken zählt. Zu dieser Zeit war das Weströmische Reich bereits Geschichte. Chlodwig wird als äußerst schillernde Gestalt beschrieben. Der Bonner Professor Matthias Becher bezeichnet ihn als einen der bedeutenden Gründerväter Europas. Ein eigenes Kapitel nimmt in seiner Biografie natürlich eine Entscheidung des Herrschers ein: die Taufe in Reims. Darum ranken sich Legenden. Demnach hat Chlodwig in der Schlacht gegen die Alamannen bei Zülpich den christlichen Gott um Hilfe angerufen. Prompt siegte der Frankenkönig, obwohl er die Niederlage schon vor Augen hatte. Danach ließ er sich katholisch taufen. Dieses epochemachende Ereignis wird mal ins Jahr 496, mal ins Jahr 507 datiert. Jedenfalls hat mit dem Sieg über die Alamannen die fränkische Landnahme ihren Anfang genommen. Chlodwigs Reich reichte nun weit nach Osten bis ins Maingebiet.

Nach dem Tod Chlodwigs 511 übernehmen seine vier Söhne die Macht. Der älteste, Theuderich I., der über dem Ostteil des Fränkischen Reiches herrschte, sowie sein jüngster Halbbruder Chlothar I. unterwerfen 531 das Thüringerreich, raubten die Königsnichte Radegundis, töteten ihren Bruder und 534 auch den letzten Thüringerkönig Herminafrid. Die spärlichen Überlieferungen aus dieser Zeit beschreiben ein blutiges Szenario. Einen Sieg konnten die Merowingersöhne nicht davontragen: Beide stritten sich um Radegundis. Theuderich zog den Kürzeren, Chlothar ebenfalls. Denn sie ging als berühmte Heilige in die Geschichte ein, weil sie lieber in Portiers im damaligen Aquitanien ein Kloster gründete als mit Chlothar das eheliche Bett zu teilen.

Franken zum Lesen und Anschauen

Literaturtipps: Wer statt vieler dicker Wälzer nur ein Buch in die Hand nehmen möchte, um sich mit der „Geschichte Frankens“ zu befassen, der findet im gleichnamigen Werk von Michael Peters (erschienen im Casimir Katz Verlag) kompakte Informationen. Der Erlanger Historiker spannt den zeitlichen Bogen von der Vorgeschichte der fränkischen Landnahme ab dem sechsten Jahrhundert bis hin zur endgültigen Auflösung des Fränkischen Reichskreises im 19. Jahrhundert. „Der Aufstieg der Merowinger und das Ende der Antiken Welt“ lautet der Untertitel zur Biografie über „Clodwig I.“ von Matthias Becher (C. H. Beck). Der Bonner Mediävistik-Professor hebt die Bedeutung des Frankenkönigs hervor, der – im Gegensatz zu Frankreich – in Deutschland „kaum noch im allgemeinen Geschichtsbewusstsein lebendig“ sei.

Im Museum: Nicht nur die Franziska (siehe Foto), die gefürchtete fränkische Streitaxt, gehört zum Bestand des Mainfränkischen Museums in Würzburg, sondern auch andere Zeugnisse aus der Merowingerzeit wie eine Almandinscheibenfibel aus Kleinlangheim oder die Grabausstattung einer Frau, die auf dem Gelände der Würzburger Theresienklinik gefunden wurde. Aber auch Exponate aus vorfränkischer Zeit befinden sich in der vor- und frühgeschichtlichen Sammlung. Info im Internet: www.mainfraenkisches-museum.de

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