Würzburg

Bin dann mal auf dem Marienweg

Fast 900 Kilometer führt der Marienweg durch Rhön, Steigerwald, Haßberge und Spessart. 50 Pilgerstätten, ungezählte Marterl und Andachtsbilder am Wegesrand, machen aus der Wanderung eine Wallfahrt. Ein Stück gehen sieben Frauen mit der Würzburger Schönstattschwester Elke Schauer.

 

 „Ich bin dann mal weg“ – Der Spruch ist Kult seit Komiker Hape Kerkeling ihn zum Titel seines Buches über den Jakobsweg gemacht hat. Einfach mal weg sein wollen auch die sieben Frauen. Vier Tage wollen sie sich freilaufen von Alltags-Hektik, ständigem Müssen, starren Sichtweisen, vielleicht einer kritischen Lebensphase. Andere wollen einfach die spirituellen Erfahrungen unterwegs erleben, unbekannte Töne in sich zum Klingen bringen.

Es scheint ein menschliches Grundbedürfnis zu sein, sich auf den Weg zu machen, sich dem Rhythmus des Gehens zu überlassen, dabei die Sinnlichkeit der Natur zu erleben, sich von der Mystik heiliger Orte berühren zu lassen. Die Frauen auf dem Marienweg laufen an diesem Tag zur Kapelle Maria Hilf auf dem Erlabrunner Volkenberg (Lkr. Würzburg).

Zunächst gehen sie eine Weile schweigend durch Wald. Das Hellgrün der Laubbäume, an denen die Frauen vorüberlaufen, beruhigt den Blick, führt nach oben zum lichtgrauen Himmel. Die ständige Wiederholung der Schritte, der Bäume, die immer wieder neu und doch gleich sind, schenken Ruhe und befreien für den Blick nach innen. Ähnlich wirken etwa die Säulen eines mächtigen gotischen Domes. Und so können auch die Formeln des Rosenkranzes wirken als Übung der stetigen Wiederholung, sagt Schwester Elke über das Mariengebet, das auch die Frauen an diesen Tagen auf dem Weg viele Male beten wollen.

 

Schwester Elke mit einer Gruppe auf dem Marienweg. Foto: Angelika Becker
Schwester Elke liest Impulse zum Tagesthema „Geführt werden“. Die Frauen lassen Füßen, Gedanken und Gefühlen freien Lauf. An Abzweigungen verlassen sie sich auf Schwester Elkes Orientierung. Der Weg führt bergauf und bergab, einmal in die Irre. „Das ist wie im Leben“, rufen gleich mehrere Frauen als freuten sie sich über das Symbolische der Situation. Manchmal sei der „falsche“ Weg der richtige.

Später gehen sie zwischen Rapsfeldern. „Das Gelb fühlt sich richtig warm an“, sagt eine Frau. Der Honiggeruch erinnere sie an die Flurgänge ihrer Kindheit, sagt eine andere. „Und dass es danach immer Knackwürst' und Kipfli gab.“ Die Frauen lachen oft, Schwester Elke besonders herzhaft. „Für Schwester Elkes Lachen lohnt schon das Mitgehen“, sagt eine.

Beim Laufen in der Natur gerät auch im Inneren so manches in Bewegung. Die Ordensfrau lenkt dabei den Blick auf Maria als Wegbegleiterin, die mütterlich umarmt und ein Bewusstsein für die Würde des Menschen vermitteln könne. Schwester Elkes Ordensgemeinschaft und die katholische Laienbewegung Schönstatt entstanden in dem Marienwallfahrtsort gleichen Namens am Rhein und haben einen besonderen Bezug zur Muttergottes.

„Frankenland ist Marienland“, heißt es. Gekrönte Madonnen zieren Nischen in den Fassaden alter Häuser. Wie Perlen an einer Rosenkranzkette reihen sich Wallfahrtsorte und Andachtsstätten zu Ehren der Gottesmutter in Franken, fand der Würzburger Pfarrer Josef Treutlein und initiierte den Marienweg. 2002 wurde er eröffnet. Fränkische Kraftorte wollte Treutlein damit ins Bewusstsein heben.

Kraft schöpfen auch die Frauen, die mit Schwester Elke unterwegs sind. Das spüren sie schon am zweiten Tag auf dem Marienweg. Natur, Bewegung, geistliche Lieder, meditative Impulse entfalten ihre Energie. Die Inhalte von Schwester Elkes Texten setzen Nachdenken und Gefühle in Gang – im Rhythmus der Füße auf dem Fränkischen Marienweg.
 

 


Fränkischer Marienweg

Seit 2002 gibt es den Fränkischen Marienweg. Er verbindet durch 900 Kilometer Wander- und Radwege etwa 50 Wallfahrtsstätten in Unterfranken. Den Weg beschilderten auf Initiative des Würzburger Pfarrers Josef Treutlein die örtlichen Wandervereine. Treutlein bietet auch Tageswanderungen auf dem Weg an. Darüber hinaus gibt es Führungen, unter anderem mehrtägige Touren für Frauen. Auf der Internetseite zum Marienweg finden Sie Informationen zu den Regionen und einen Routenplaner: www.fraenkischer-marienweg.de

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