GROSSHEUBACH

Das Kloster Engelberg entstand an einer heidnischen Kultstätte

Dort wo sich Spessart und Odenwald die Hand reichen, blickt in strahlendem Weiß das Kloster Engelberg hinab in das Maintal auf den Winzerort Großheubach (Lkr. Miltenberg). Kloster Engelberg und Großheubach sind Endpunkte des Eselsweges, einer alten Handelsstraße und heute beliebten Wanderstrecke, die von Schlüchtern durch den Spessart an den Main führt.
Hoch oben auf dem Berg: Am Endpunkt des Eselsweges liegt das Kloster Engelberg. Foto: Roland Schönmüller

Tief im Dunkeln liegt der historische Ursprung des Engelbergs. Er ist aber etwa um das Jahr 1300 zu datieren. Unweit des heutigen Klosters pflegten die Menschen eine heidnische Kultstätte. Davon künden noch in unseren Tagen der Bergrücken des Rulesbergs und ein mächtiger Felsblock mit einer schüsselartigen Vertiefung. Man nennt ihn Hunenstein.

Auf jenem Rulesberg entstand vor rund 700 Jahren eine schlichte Holzkapelle. In ihr wurde der Erzengel Michael verehrt, der gegen die heidnischen Götter kämpfte. Aus dem Rulesberg wurde der „Engelsberg“. Wer die kurz danach errichtete Marienstatue stiftete, ist nicht überliefert. Man kann die „Königin aller Engel“ aber heute noch als Gnadenbild in der Marienkapelle des Klosters anbeten. Der triumphbogenartige Säulen-Hochaltar der Hauptkirche stammt aus dem Jahr 1909. Er ist gewachsener Fels und weist womöglich in heidnische Frühzeit zurück. Das Relief zeigt den heiligen Michael als Patron der Sterbenden und Seelenbegleiter. Die Seitenfiguren sind links der heilige Sebastian (Patron gegen Pest und Seuchen) und rechts der heilige Wendelin (Patron des Landvolks).

Mit dem Beginn der Verehrung des heiligen Michael und der Gottesmutter nahm die Geschichte der Engelberg-Wallfahrten ihren Anfang. Sie ist bis in die heutige Zeit lebendig geblieben und hat dazu geführt, dass aus der einfachen Holzkapelle ein steinernes Kirchlein entstand, das immer wieder vergrößert wurde: 1697 kam die Antoniuskapelle, 1699 die Marienkapelle dazu.

Das Kloster wurde im Laufe der Zeit immer häufiger das Ziel von Wallfahrten: 1630 setzte der Mainzer Erzbischof und Kurfürst Kasimir von Wambold Kapuzinermönche ein und trug ihnen den Bau eines Klosters auf. Auf Anordnung von König Ludwig I. von Bayern wurden die Mönche 1828 von den Franziskanern der bayerischen Provinz abgelöst und mit der Wallfahrtsseelsorge betraut. Heute leben und arbeiten drei Ordensangehörige auf dem Engelberg. Pater Eugen Wetzel ist Guardian und Wallfahrtsseelsorger, Bruder Leander Tausch ist Winzer, Sakristan, Gärtner und versorgt die Tiere, Pater Peregrin M. Freymadl ist in der Wallfahrtsseelsorge tätig.

 

Altar und Kreuzigungsgruppe
Den Engelberg erreicht man über den Eselsweg, der in Schlüchtern beginnend das Kloster Engelberg als Zielpunkt hat. Von Miltenberg aus nimmt man den Wanderweg, der an der Maria-Hilf-Kapelle vorbeiführt.

Wer schon vor der Andacht in der Klosterkirche Buße tun möchte, erklimmt den Engelberg über die 612 „Staffelstufen“, die so genannten Engelsstufen, die kerzengerade von Großheubach aus hinauf auf den Berg führen. Das Baumaterial sollen der Legende nach Engel hinaufgetragen haben. Als erstes empfängt die Pilger die rote Sandsteinsäule des Erzengel Michaels. Den Christen gilt er vor allem als Bezwinger Satans und Seelenwäger am Tag des Jüngsten Gerichts. Oben angekommen, kann man einen einzigartigen Blick ins Maintal genießen.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Klosteranlage immer wieder renoviert und angepasst. Der Franziskusgarten beherbergt eine Kerzenkapelle und bietet schattigen Platz zur inneren Einkehr im Freien. Der Zugang zur Klosterkirche und zu den Klosterstuben kann behindertengerecht zurückgelegt werden. Heute ist Kloster Engelberg mit Weinbau, Klosterladen und -schänke ein Betrieb der Franziskaner-Klosterbetriebe Kreuzberg in Bischofsheim.

 

 

Kloster Engelberg

Ein Besuch des Klosters Engelberg dient nicht nur der geistlichen Erbauung, auch der körperlichen und geselligen kann er Rechnung tragen. Die Klosterschänke und der neu geschaffene Biergarten bieten angenehmen Aufenthalt. Von der Ortschaft Großheubach aus führen 612 steinerne Stufen hinauf zum Gotteshaus.

Der Klosterladen hält nicht nur alle Arten einschlägiger Andenken bereit, sondern auch eine große Anzahl von Büchern.

 

 

 

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