WONFURT

Das Pantheon in Rom könnte als Vorbild für die Sankt-Andreas-Kirche in Wonfurt gedient haben

Ob der Erbauer der Sankt-Andreas-Kirche tatsächlich an das Pantheon in Rom gedacht hat, als er die Kuppel der Kirche in Wonfurt (Lkr. Haßberge) konstruierte? Möglich ist es, denn der Vergleich ist angebracht.

 

Die Kuppel der St. Andreas-Kirche: Die Architektur erinnert an das Pantheon in Rom. Durch die Laterne fällt das Licht in... Foto: Klaus Gimmler

Die Kuppel mit ihren fensterlosen Wänden erinnert tatsächlich an den klassizistischen Rundtempel in Rom. „Wir Wonfurter sind sehr stolz darauf“, so Heimatforscher Raimund Vogt, der ein Experte für die Geschichte dieser Kirche ist. „Die Kuppel ist in Franken einzigartig“, sagt er.

Genau wie das Pantheon in Rom fällt in der Sankt-Andreas-Kirche nur durch die Laterne das Licht in die Kirche. Eine Laterne ist ein runder oder turmartiger Aufsatz über der Kuppel. In Wonfurt ist sie aber im Gegensatz zu dem berühmten Vorbild in Rom mit Glas überdacht, damit es nicht hineinregnet. „Das hat uns immer Sorgen gemacht“, sagt Vogt, denn es sei sehr schwer gewesen, diese dicht zu bekommen. Die letzte Sanierung stammt aus dem Jahr 1996. „Seitdem ist es trocken geblieben“, so Vogt, der hofft, dass es auch so bleibt.

 

Die Sankt-Andreas-Kirche.
Steht man mitten in der Kirche und schaut nach oben, glaubt man, die Fassade der Kuppel bestünde aus vielen Kassetten, die kunstvoll aneinandergereiht sind. Eine optische Täuschung, erläutert Vogt, denn die Kassetten sind nur aufgemalt. Das gleiche trifft auf die Säulen an den Wänden zu, die scheinbar die Kuppel tragen.

Im Alter unterscheidet sich das Pantheon im Rom dann doch erheblich von der Sankt-Andreas-Kirche. Das Pantheon war ursprünglich ein allen Göttern Roms geweihtes Heiligtum. Den Bau ließ Kaiser Hadrian zwischen 118 und 125 nach Christus erbauen. Die Sankt-Andreas-Kirche dagegen ist nur knapp 200 Jahre alt. Der Bau der Kirche begann im Jahr 1817 nach den Plänen des königlichen Bauinspektors Morelli. Er wurde beauftragt, ein Kirche im griechischen Stil zu erbauen. Das Resultat ist eine der eigenartigsten Kirchen des Bistums Würzburg. Im Inneren wurde sie als Rundtempel konstruiert, sie erhielt aber außen eine quadratische Form mit einem klassizistischen, pyramidenförmigen Dach.

Auf der großen Freitreppe vor der Kirche erheben sich die Statuen des heiligen Benedikts und der heiligen Katharina. Diese Figuren stammen ursprünglich von der Benediktinerabteikirche Obertheres, die im Zuge der Säkularisierung abgerissen worden war und deren behauene Steine und Quadern zum Bau der Sankt-Andreas-Kirche verwendet wurden.

Von großem Wert ist der Hochaltar der Kirche, der von dem Würzburger Hofbildhauer Johann Peter Wagner geschaffen wurde. Dieser fand zunächst in der Ritterkapelle in Haßfurt seinen Platz. Auch die beiden Seitenaltäre rechts und links in der Mittelachse der Kirche stammen aus der ehemaligen Benediktinerabtei Obertheres.

Die Mittelnische ziert der Erzengel Michael. Rechts vom Hochaltar an der Wand auf einem Sockel steht die spätgotische Holzplastik die heilige Muttergottes mit dem Kind. Sie ist eine Arbeit aus dem 15. Jahrhundert. Wer sich der Kirche nähert, sieht von Weitem schon den schwarzen Schieferhelm des Turmes, der weit ins Maintal grüßt.

 



Sankt-Andreas-Kirche

Öffnungszeiten: Die Kirche ist in den Sommermonaten von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Im Winter schließen die Türen mit Einbruch der Dunkelheit. Gottesdienste finden im Wechsel in der Pfarreiengemeinschaft Theres statt. Jeden zweiten Sonntag ist Kinderkirche (meist um 10.15 Uhr).

Führungen: Auch Führungen sind möglich. Anmeldung im Wonfurter Pfarramt unter Tel. (0 95 21) 81 39. Die Führungen werden von Raimund Vogt oder Pastoralreferent Michael Novak gehalten.

Sehenswert ist auch das im Wesentlichen aus dem 16. Jahrhundert stammende Wasserschloss in Wonfurt. Es wird heute für Kammermusikkonzerte und literarischen Veranstaltungen genutzt und kann auch gemietet werden.

Anfahrt: Von Schweinfurt kommend die A 70 bei der Ausfahrt Theres verlassen, dann bei Horhausen nach Wonfurt abbiegen.

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