MÜNSTERSCHWARZACH

Die Abtei Münsterschwarzach ist ein Monument des Glaubens

Ich nenne sie nur „die Abtei“. Die Kirche steht für mich für das ganze Kloster. In der Tat hat das Münster der Abtei ja auch den Namen gegeben. Jedes Mal wenn ich von der A 3 kommend auf Münsterschwarzach und die Kirche „Christus Salvator“ (Christus der Erlöser) zufahre, die mächtigen Türme in der Ebene liegen sehe, freue ich mich. Ruhe strahlt sie aus, Beständigkeit, Selbstsicherheit, Vertrauen.

 

Die vier Türme: Das markante Zeichen der Abteikirche Münsterschwarzach. Foto: Fotos (2): Thomas Obermeier

Das Kloster hat eine lange und ehrwürdige Geschichte. Seit 816 leben Mönche nach der Regel des heiligen Benedikt an diesem Platz, dem Schwarzacher Becken. Das heutige Bauwerk entstand zwischen 1935 und 1938 und ist der dritte Kirchenbau an dieser Stelle. Eine romanische und eine barocke Kirche wurden gebaut und verfielen. Das heutige klösterliche Leben entstand nach 1913, als die Missionsbenediktiner von St. Ottilien die Reste eines verfallenen Klosters übernahmen.

 

„Das Bauwerk wirkt wie eine Sammlung aller Energien der Landschaft und formt sie zum Gebet“, sagt Pater Meinrad Dufner, der einen Führer über die Kirche verfasst hat. Als es erbaut wurde, waren die Nazis an der Macht. Die kraftvolle Architektur sollte ihnen gegenüber gerade das Wehrhafte des Glaubens deutlich machen, „in einer Zeit, da der Staat und sein Führer sich zu Gott machten“. Die Abteikirche ist der größte Sakralbau der NS-Zeit und sie sollte „Monumentalität“ ausstrahlen, so die Vorgabe der Mönche.

Viele Rundbögen: Sie sind im Inneren der Kirche stilbildend.

Architekt Albert Boßlet ist ihr gefolgt und ließ sich von den klaren Formen der Romanik inspirieren. Er interpretierte sie neu, wobei er den Geist der Zeit ausdrückte. Keinesfalls wollte er den Historismus fortsetzen, der Stilformen freizügig zitierte. Er will ausdrücklich modern bauen: Klar und ohne jede Verspieltheit oder Ornamentik. Von Boßlet sind auch die markante Herz-Jesu-Kirche der Mariannhiller Missionare in Würzburg sowie die Pfarrkirchen Unsere Liebe Frau in Würzburg und St. Josef in Giebelstadt.

Für die Benediktiner ist ein mächtiges Münster entstanden. Der Begriff bezeichnete ursprünglich eine Klosterkirche im Unterschied zu einer Pfarrkirche und heute steht er für „Großkirche“. Der Stahlskelettbau ist mit hellgrauem Bruchstein verkleidet. Er hat vier, oder genauer fünf Türme: Einen niedrigen Chorturm und zwei Paare mit unterschiedlich hohen und starken Flankentürmen.

Die Kirche betritt man durch eine Halle aus drei hohen Rundbögen. Man wird empfangen von einem mächtigen, geradezu kahlen Raum, der wirkt durch seine Rundbögen, hohe nackte Seitenwände und eine dunkle, flache Decke.

„Der Bau spiegelt etwas von der mönchischen Gotteserfahrung wider“, schreibt Pater Meinrad. „Die Erbauer wollten im gewaltigen Raum das überwältigende Erschauern vermitteln, welches den Menschen in der Begegnung mit dem großen Gott befallen kann.“ Zum Chor hin, in dem sich die Mönche regelmäßig zum Gebet versammeln, schaffen zwei raumfüllende Rundbögen eine gewisse Abtrennung. Damit konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf die klösterliche Gemeinschaft.

Stilbildend sind die vielen Rundbögen. Der Raum wirkt dadurch antik, die schlichten Formen erinnern an die Konstantinsbasilika in Rom oder auch an den gleichnamigen Bau in Trier. Der Bogen bedeute ein Sinnbild für den Regenbogen, so Pater Meinrad. In der Sintflut-Erzählung des Alten Testaments steht er für Gottes Treue.

Der römische Triumphbogen ist ein weiterer Anknüpfungspunkt. Christlich steht er für den Triumph des Auferstandenen, der den Tod besiegt hat. Es geht um das Leben, das ist die christliche Botschaft. Zum Leben mit Gott sind alle Menschen berufen, und die Mönche sind berufen zu einer besonderen Lebensform.
 



Abtei Münsterschwarzach

Erreichbar ist die Abtei über die A 3 von Frankfurt nach Nürnberg, man nimmt die Ausfahrt Kitzingen/Schwarzach in Richtung Volkach. Gläubige sind zu den Gebeten und Gottesdiensten herzlich willkommen:

  • Sonn- und Feiertage (Wochentage)
  • Morgenhore 6.10 Uhr (5.05 Uhr)
  • Konventamt 9.00 Uhr (6.15 Uhr)Mittagshore 11.45 Uhr (12.00 Uhr)
  • Vesper 17.45 Uhr (18.00 Uhr)
  • Komplet 19.30 Uhr (19.35 Uhr)

Weitere Eucharistiefeiern:

  • Sonntags in der Abteikirche: 7.30 und 10.30 Uhr
  • Wochentags in der Krypta 7.15 Uhr

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