LOHR/MARIABUCHEN

Die Madonna im Astloch: Entstehungslegende der Klosterkirche Mariabuchen

Mitten im Buchenwald – versteckt hinter Bäumen, am Rande des Spessarts – liegt der Wallfahrtsort Mariabuchen. Im Mittelpunkt der Gründungslegende steht ein Hirte, der vor 615 Jahren eine selbst geschnitzte Marienstatue in das Astloch einer Buche stellte und sich so einen Ort des Gebets und der Zuflucht in der Abgeschiedenheit des einsamen Spessarttales schuf.

 

Kraftort und Anziehungspunkt für Pilger: Die Wallfahrtskirche Mariabuchen im Spessart. Foto: Dehm/Obermeier

Mit den Jahren wurde die Figur vergessen und wuchs langsam in den Baum ein. An die Gründung eines Wallfahrtsortes hat er sicher nicht gedacht, sonst hätte er sich sicher einen besseren Platz ausgesucht, eher auf der Höhe des Berges, wo man weiter sieht und eine Kirche von weither gesehen wird.

Der Hirte hatte sich ein kleines Waldheiligtum geschaffen, das den Bewohnern der umliegenden Dörfer und den Passanten nicht verborgen blieb. Man erzählte sich von dem wundersamen Bild, und viele Menschen aus nah und fern seien hoffnungsvoll zur „Buche“ gekommen. Ungläubige jedoch – so erzählt die Legende – wurden von einer geheimnisvollen, unerklärlichen Kraft daran gehindert, bei dem Baum vorbeizugehen und mussten einen Umweg in Kauf nehmen. Als wieder einmal ein ungläubiger Mensch vorbeigehen wollte und es nicht konnte, schlug er wutentbrannt auf den Baum ein. Dabei wurde die Marienfigur wiedergefunden.

 

Votivtafeln: Pilger bedanken sich für die Erhörung ihrer Gebete.
Im Lauf der Jahrhunderte hat sich in Mariabuchen ein reges Wallfahrtsgeschehen entwickelt: Kirche und Kloster, drei Gastbetriebe, Andenkenladen und viele Pilger, die über das Jahr hindurch hier einen Ort für ihre Sorgen und Nöte finden. Seit Oktober 2002 sind in Mariabuchen polnische Franziskaner-Minoriten stationiert, da die Kapuziner das Kloster aufgeben mussten. Guardian des Klosters ist Paul Kusiak. Er und zwei weitere Brüder betreuen die Wallfahrtskirche. Der Wallfahrtsort ist Refugium der Bedrängten und Betrübten, der Ruhelosen und Gehetzten und Treffpunkt der Fröhlichen und Zuversichtlichen. „Die Menschen kommen mit ihrem Leid und beten, dass sie geheilt werden. Alle diese Menschen betreuen wir“, erzählt Bruder Paul. Im Altarraum sind Votivgaben von Gläubigen zu sehen. Es sind einfache Darstellungen, wie zum Beispiel ein krankes Kind, das durch das Gebet geheilt wurde.

Kunsthistorisch ist die Buchenkirche weniger bedeutend. „Die Bewohner der umliegenden Orte waren in ihrer Mehrzahl jahrhundertelang arm. Entsprechend ihrer Möglichkeiten haben sie ihr Marienheiligtum schlicht und würdig ausgestattet“, steht im kleinen Kirchenführer geschrieben. Aber sie ist sicher ein ansprechendes, wohlgestaltetes Gotteshaus, das farbenfroh und malerisch in die Landschaft eingefügt ist. Der Beginn der Wallfahrt ist auf das Jahr 1395 festgelegt. 1434 wurde bereits mit dem Bau einer Kapelle begonnen. Unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn wurde die alte Buchenkapelle in den Jahren 1613 bis 1617 renoviert und um einen neuen Chor erweitert.

Das heutige Gotteshaus entstand in den Jahren 1692 bis 1701, als Baumeister wird Christoph Nemlich von Steinfeld genannt. Er schuf eine Saalkirche in „verhaltenem Barock“ mit geputzter Balkendecke und dem Chorabschluss an der Ostseite mit Kreuzjoch und Kappenschluss. Hauptanlaufstelle im insgesamt eher schlichten Gotteshaus ist das außergewöhnlich kleine, geschnitzte Gnadenbild aus der Zeit um 1400: Die schmerzhafte Muttergottes mit dem toten Heiland steht heute im linken Seitenaltar. Neben dem Gnadenaltar erinnern Votivgaben aus verschiedenen Jahrhunderten an Gebetserhörungen. Mariabuchen hat zwar keine hochrangigen Kunstwerke zu bieten, dennoch werden Besucher und Pilger von der einzigartigen Stimmung erfasst, die sie schon beim Willkommensgruß des harmonischen Glockengeläutes überkommt.

 

 

Lohr_Maria Buchen Kopie
Mariabuchen Foto: Grafik Glöckner
Mariabuchen

Den Ausflug nach Mariabuchen sollte man unbedingt mit einer Wanderung durch das romantische Buchental verbinden. Der Weg ist nicht nur abwechslungsreich, sondern bietet auch eine große botanische Artenvielfalt auf engstem Raum. Der Pilgerladen wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern betrieben und ist an Sonn- und Feiertagen geöffnet. Für das leibliche Wohl sorgen die Gaststätten Buchenmühle, Buchenstüble und Waldrast direkt bei der Kirche.

 

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