KREUZBERG

Franziskanerkloster am Kreuzberg: Von der Glut des Glaubens und dem Sud des Bieres

Kreuzberg – dieser Berg hat etwas Mystisches. Er zieht die Menschen an. In vorchristlicher Zeit haben die Kelten hier kultische Handlungen verrichtet. Heute besuchen Hunderttausende das Franziskanerkloster, seine Kirche, seine Schenke und natürlich die herrliche Rhöner Landschaft in jedem Jahr.

 

Das Kloster auf dem Kreuzberg: Viele Wallfahrer pilgern einmal im Jahr zu diesem magischen Ort in der Rhön. Foto: Sonja Demmler

Erklären lässt sich die Anziehungskraft von Kreuzberg und Kloster schwer, erleben wohl. Vielleicht nicht, wenn man vom nahen Großparkplatz zum Biertisch eilt, sicherlich aber, wenn man den Berg erwandert, die herrliche Aussicht vom Gipfel genießt, eventuell einen Besuch in der Klosterkirche macht, sich dann in einer der rustikalen Gaststube niederlässt und einen Schluck aus dem Krug nimmt. Dann fühlt man sich angekommen, am rechten Platz.

Am rechten Platz gefühlt haben soll sich der Legende nach auch der heilige Kilian, der hier 686 ein erstes Kreuz aufgerichtet und damit die christliche Tradition des Berges begründete. Seit dem 14. Jahrhundert sind die Wallfahrten belegt. Trotz Schwierigkeiten, Kriegs- oder Glaubenswirren hat sich die Tradition erhalten, sodass heute noch jährlich 70 Wallfahrergruppen mit 10 000 Pilgern auf den Kreuzberg ziehen.

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Gnadenort: die Klosterkirche auf dem Kreuzberg.
n der Zeit der Bauernkriege werden die Kreuze zerschlagen, die Wallfahrten gehen zurück, bis Fürstbischof Julius Echter 1582 eine kleine Kapelle, eine neue Kreuzigungsgruppe und Schutzhütten für die Wallfahrer errichten lässt. Auf seine Veranlassung hin übernehmen die Franziskaner, die aus Dettelbach kamen, die Betreuung der Wallfahrer von Bischofsheim aus. 1681 ist dann das Jahr der Grundsteinlegung für Kloster und Kirche. 1710 entstehen der Kreuzweg zum Gipfel und eine neue Kreuzigungsgruppe, zu der 298 Stufen führen. 1731 wird die Klosterbrauerei gegründet. Vorher mussten die Bierfässer mühselig auf den Berg gebracht werden. Mehrfach wird die Wallfahrtskirche, ein einfacher Saalbau mit einer barocken Einrichtung aus der Zeit um 1690 aufwändig renoviert – zuletzt zwischen 2000 und 2003. Ein Freialtar und die Kerzenkapelle werden 2002 gesegnet, die neue Orgel erklingt erstmals 2005.

Wo einst Waldarbeiter Tropfbier und Suppe erhielten, ist ein hochmoderner gastronomischer Betrieb entstanden, modern ist auch die Brauerei, in der nach einem alten, geheim gehaltenen Rezept das berühmte Klosterbier gebraut wird. Den Abschluss der baulichen Großprojekte auf dem heiligen Berg der Franken bildet Ende 2008 die Eröffnung des Bruder-Franz-Hauses, eines Informations- und Meditationszentrums. Inzwischen werden über 600 000 Besucher jährlich auf dem Kreuzberg gezählt.

Doch worauf beruht die Anziehungskraft, die Berg und Kloster auf so viele Menschen ausüben? Da ist zum einen die Kreuzberg-Gastronomie. Natürlich sollen Bier und Essen schmecken, ihr oberstes Anliegen ist seit Gründung des Klosters die kostengünstige Unterbringung und Versorgung der Pilger. So werden hier alle gleich behandelt. Es gibt keine Reservierungen, jeder muss sich sein Bier, sein Essen an einer Ausgabestation abholen. Man setzt sich irgendwo dazu und oft kommen Unbekannte ins Gespräch.

Für die Franziskaner gibt es einen weit wichtigeren Grund, zum Kreuzberg zu kommen: die Klosterkirche. Die ist für sie ein „Gnadenort“, an dem Walfahrer mit ihren Sorgen und Nöten vor Gott treten, wo sie Hilfe, Trost und Stärkung im Glauben finden. Doch wie verträgt sich dieses Nebeneinander von Kreuz und Krug? Der frühere Leiter des Klosters, Guardian Pater Raphael Konrad, hat es so ausgedrückt: Wie die Glut Voraussetzung für alles Leben auf der äußeren Hülle ist, bilde die Glut des Glaubens die Voraussetzung, dass alle Besucher auf dem heiligen Berg der Franken willkommen sind. Und er endete: „Gebe Gott, dass diese Glut nie erlischt!“

 

 

Kloster Kreuzberg

In der klösterlichen Gemeinschaft auf dem Kreuzberg leben sieben Franziskaner. Gottesdienste: Werktags: um 7.30 Uhr, an Sonn- und Feiertagen: 7.30 Uhr, 9.30 Uhr und 11 Uhr. Das Bruder-Franz-Haus mit seiner Ausstellung über das Leben des heiligen Franziskus, den Franziskanerorden, den Kreuzberg und die Rhön ist täglich von 10 bis 17.30 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Die Klostergaststätte ist von 8 bis 20 Uhr geöffnet: www.kreuzbergbier.de

 

 

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