Mönchsondheim

Kirchenburg in Mönchsondheim: Wo die gute alte Zeit lockt

Zufrieden mit ihrem Pfarrer waren die Mönchsondheimer in früheren Tagen nie so recht. Dabei spielt es keine Rolle, ob der evangelisch oder katholisch war. Nach dem Religionsfrieden von Augsburg 1555 gilt ja der Grundsatz „Cuius regio, eius religio!“ („Wessen Land, dessen Religion“). Doch wer war denn in diesen Zeiten der Landesherr der Mönchsondheimer: die Markgrafen von Ansbach oder die Fürstbischöfe von Würzburg mit Patronatsherrn Münsterschwarzach?

 

Kleinod unter den fränkischen Museen: das Kirchenburgmuseum Mönchsondheim. Foto: Ursula Düring

Seit Mitte des 16. Jahrhunderts ist Mönchsondheim ein protestantisches Dorf unter katholischer Klosterherrschaft. Denn die Dörfler hatten in der Nachbarschaft die protestantische Konfession kennengelernt und daran Gefallen gefunden. Stellte bis dato das Kloster Ebrach den Pfarrer, bekommt das Dorf nach dem Tod des zuständigen Mönchs erstmals einen protestantischen. Den Menschen im Dorf ist es letztendlich egal. Der Pfarrer sollte lediglich gut predigen können, gefügig und genügsam sein. Nicht immer klappt das. In dem einen der Gottesmänner sehen die Bauern einen „Dip, Schelm- und Bowichstspfaffen“, dem nächsten machen sie das Leben zur Hölle, bis er den Dienst quittiert.

 

Höhepunkt des Jahres: das Kirchenburgfest Foto: Ralf Weiskopf
Julius Echter kritisiert die „widerwertige Religion“, will die Mönchsondheimer wieder katholisch, kann sich aber letztendlich nicht durchsetzen. 1614 wird Magister Thomas Junius Pfarrer, doch der bringt erneut nur Ärger ins Dorf. Denn der junge Wilde heiratet die Tochter des reichsten Bauern, mischt sich in weltliche Fragen ein und beschimpft seine Schäfchen von der Kanzel herunter: „Seid ihr vielleicht gar Hexen und Druten weil ihr die ganze Predigt hindurch schlaft und mich mit eurem Schnarchen und Schnaufen schier auf der Kanzel irre macht?“. Ein anderes Mal geht er endgültig zu weit. „Kuttenhengst“ nennt er den Ebracher Abt!

 

Das spätgotische Holzkreuz
All diese Geschichten und Querelen spielen sich ab in dem und um das Kirchlein der Mönchsondheimer Kirchenburg. 1981 ist dort das quicklebendige Fränkische Bauern- und Handwerkermuseum Kirchenburg Mönchsondheim entstanden, das beinahe übergangslos mit dem heutigen Dorfleben zusammenfließt.

Eine „Capella in Suntheim“ wird erstmals 1224 erwähnt. Sie stand wahrscheinlich an der Stelle der heutigen Kirche und ist umgeben von den Gaden der Bauern. Auf dem leicht ansteigenden, gepflasterten Weg geht es vorbei an den Handwerkerhäusern. Über einer imposanten Holztür ist die Inschrift „Anno 1733“ eingemeißelt. Wer die schwere Kirchentür gegenüber öffnet, kommt in einen schlichten Innenraum mit einer drei Seiten umlaufenden Empore. Die heutige Chorturmkirche mit ihrem frühbarocken Altar wurde 1690 geweiht.

Kühl ist es innen, die dicken Mauern strahlen Geborgenheit und Sicherheit aus. Das Auge fällt auf ein spätgotisches Holzkreuz im Altarbild, flankiert von den Aposteln Petrus und Paulus. Darüber ist das Wappen der evangelischen Markgrafen von Brandenburg und Ansbach zu sehen. Ein barockes Putto trägt das Taufbecken über seinem Kopf.

Um das Barockkirchlein drängt sich eine wehrhafte Ansammlung kleiner Gaden. Über ausgetretene Holzstufen klettert es sich heute in Werkstätten der Handwerker, in denen altes Werkzeug zu entdecken ist und an längst vergangene Techniken erinnert, und in kühle Vorratskeller und Winkel. Im Museumsdorf lockt die gute alte Zeit, da dürfen natürlich Wirtshaus, Dorfschule, historisches Rathaus und Kolonialladen nicht fehlen. Eine Dauerausstellung zeigt Grabfunde, drei Gebäudemodelle geben Zeugnis von der Lebenswelt im vorgeschichtlichen und mittelalterlichen Mönchsondheim.

Zahlreiche Sonderveranstaltungen und viele Ausstellungen bringen zu allen Jahreszeiten geschäftiges Treiben in das Museumsdorf.

 




Kirchenburgmuseum

Das Bauern- und Handwerksmuseum in Mönchsondheim ist vom 13. März bis Oktober Dienstag bis Sonntag und Feiertag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Von November bis ersten Advent Dienstag bis Sonntag und feiertags von 13 bis 17 Uhr.
Die Besucher können zwischen verschiedenen Führungen wählen wie Kostüm-, Kräutergarten- oder Kinderführung. Die Kirchenburgschänke liegt direkt neben dem Eingang zum Museum.

Adresse: Kirchenburgmuseum, An der Kirchenburg 5, 97346 Iphofen;
E-Mail: kirchenburgmuseum@kitzingen.de

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