BRONNBACH

Kloster Bronnbach: Ein Ort der Entschleunigung

Als der Burgunder Abt Bernhard von Clairvaux, so geht die Legende, anno 1150 auf einer Pilgerreise das 326. seiner 700 Zisterzienserklöster begründete, bewies er ein gutes Gespür für lauschige Flecken. Nahe Wertheim fand er im damals noch wilden Taubertal ein besonders enges, schattiges, ein gar mystisches Plätzchen, an dem sich die Mönche beschaulich und ordensgemäß der gewünschten religiösen Hingebung widmen konnten.

 

Schweres Gestühl: Für zisterziensische Verhältnisse ist die Ordenskirche ungewöhnlich prunkvoll. Foto: T. Obermeier

Lesen und beten fernab vom Rest der Welt, und leben, gottlob, von der eigenen Hände harter Arbeit.

„Bronnbach ist seit jeher ein Ort der Zurückgezogenheit gewesen, der Entschleunigung, ebenso eigenartig wie faszinierend zugleich“, sagt der als „Kulturmanager“ für das heutige hellere, farblich etwas aufgefrischte Erscheinungsbild der Abteianlagen mitverantwortliche Würzburger Matthias Wagner: „Und trotzdem hat es hier stete Bewegung gegeben.“ Das Kloster freilich überstand im Grenzraum zwischen Fürstbistum Würzburg und Kurfürstentum Mainz, zwischen Hoch- und Erzstift, das üble Gezänk von Würzburg und Mainz um die politische Macht über Bronnbach.

Es ertrug die Plündereien der Aufständischen im Bauernkrieg von 1525 und hernach irgendwie sogar die Zerstörungen während des Dreißigjährigen Krieges, als der lutherische Graf zu Löwenstein-Virneburg 1631 alles Katholische in der Abtei beseitigen ließ. Erst 1803 beendete die Nachfolgeseite des Fürsten zu Löwenstein-Rosenberg die evangelische Phase.

Doch eines überstand Bronnbach nicht: die Ruhe und Vergessenheit, der das Kloster anheimfiel, nachdem der letzte dortige Zisterzienser 1859 gestorben war. Als einzelne Kenner und Gönner wie Musikprofessor Heinz Auner aus Tauberbischofsheim 1971 sommerliche Kreuzgangserenaden ins Leben riefen, um an die nahe und doch vergessene Abtei zu erinnern, wucherten bereits Äste durch deren Dächer, war die Anlage moderig marode.

 

Kloster Bronnbach
Eines indes hatte Auner bewirkt: Der damalige Landrat des Main-Tauber-Kreises, Georg Denzer, hatte derart viel Gefallen und Freude an Bronnbach gefunden und – nicht üblich für heutige Politiker – sogar Visionen. Denzer betrieb die nötige Überzeugungsarbeit; sein Landkreis kaufte den in den 80er Jahren noch als Besitzer geführten Rest-Löwensteins das Kloster ab. Seither flossen auch mit privater Finanzhilfe gut 25 Millionen Euro in Renovation und „Revitalisierung“, wie es offiziell heißt, von Bronnbach.

„Mit Gespür und Fingerspitzengefühl hat der Kreis das Kloster als christlichen Ort zum Kulturzentrum auf spiritueller Grundlage entwickelt“, erläutert Matthias Wagner. Der 44-Jährige ist seit vier Jahren fürs Programm vor Ort zuständig und hat attraktive Konzert-, Seminar-, Workshop- oder Wanderangebote entwickelt, durch die der nunmehr eigenständige „Eigenbetrieb Kloster Bronnbach“ seinen künftigen Erhalt selbst mit absichern soll.

Eine hübsche Vinothek ist zu diesem Zweck ebenfalls entstanden – und ganz neu im einstigen Wirtschaftsgebäude ein Übernachtungshaus. Im Bernhardsaal lässt es sich herrlich tafeln oder heiraten, ein Biergarten erinnert an die einst ansässige, in den 70er Jahren abgeschaffte Klosterbrauerei.

Doch ganz kirchenfrei ist Bronnbach trotzdem nicht geworden: Nach wie vor finden in der hell erstrahlenden Klosterkirche festliche Gottesdienste statt: Und nach wie vor ist die im Gegensatz zum zisterziensischen Gedankengut erstaunlich prunkvolle Barockabtei eine der prächtigsten Ordenskirchen Süddeutschlands. All die Veränderungen und Umbrüche, vor allem die der Neuzeit, haben ihr nichts anhaben können: Bronnbach, das wie etliche weitere klösterliche Standorte bereits tot schien, lebt mehr denn je.

 

Kloster Bronnbach

Erreichbar ist das Kloster im Taubertal auf der B 290 durch das „Liebliche Taubertal“ – zehn Kilometer südlich von Wertheim oder 20 Kilometer nördlich von Tauberbischofsheim. Außerdem hält die Taubertal-Bahn im eigenen Bahnhof Bronnbach (fünf Gehminuten zum Kloster). Infos – auch zu Veranstaltungen, Konzert- oder Seminarangeboten unter Tel. (0 93 42) 39 59 6 sowie im Netz: www.kloster-bronnbach.de

 

 

Rückblick

  1. Konvent im Kloster Kreuzberg vollzählig
  2. Wie sich der Kreuzberg verändert
  3. Geheimnisvolle Achtecke - Rätsel um die Oktogonkapellen in Tauberfranken
  4. Wo Kaiser und Könige gekrönt wurden - Geschichte des Frankfurter Kaiserdoms
  5. Die Glut ließ die Glocken der Marienkirche von Königsberg läuten
  6. Die goldene Pracht des Barock: Sankt Johannes, eine der ältesten Kirchen des Bistums Würzburg
  7. So könnte es im Himmel klingen: Die Abteikirche in Amorbach besitzt eine der größten Orgeln Europas
  8. Drei Patres in der schönen Au: Seelsorge im umfassenden Sinn im Kloster Schönau
  9. Tragen und Getragensein im Gebet - Noch 3 Schwestern im Franziskanerkloster Volkersberg
  10. Zisterzienserinnen-Klosters Mariaburghausen - Eine zeitlose gotische Schönheit
  11. Fast eine Kathedrale: Die Ritterkapelle in Haßfurt
  12. Kloster Triefenstein: Ein idyllischer Ort zum Auftanken
  13. Die Ruhe im Grünen ist das Ziel: Wallfahrtskirche "Maria im grünen Tal" als Ort der Stille
  14. Die Madonna im Astloch: Entstehungslegende der Klosterkirche Mariabuchen
  15. Kunstvolles Turmwerk aus lebendigen Steinen: Michaelskirche in Fulda
  16. Das Kloster Engelberg entstand an einer heidnischen Kultstätte
  17. Der Himmel auf Erden liegt in Kissingen
  18. Zeitlose Eleganz und Moderne: St. Michaelskirche in Hammelburg
  19. Die Madonna aus Lourdes lässt grüßen - Wallfahrtsort Zeiler Käppele
  20. Das Kunstmuseum Dettelbach steckt voller Pilgergeschichten
  21. Franziskanerkloster am Kreuzberg: Von der Glut des Glaubens und dem Sud des Bieres
  22. Altes Augustinerkloster Münnerstadt mit modernem Innenleben
  23. Große Kirchenkunst im Dörfchen : Die Sankt Ägidiuskirche in Kleinbardorf
  24. Neuanfang fast aus dem Nichts: Geschichte des Klosters Heidenfeld
  25. Warum Hildegard-Plätzchen glücklich machen - Forschungsgruppe Klostermedizin
  26. 254 Stufen zum Himmel - Wallfahrtskirche Maria Ehrenberg auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken
  27. Heilige Maße und Proportionen: Kloster St. Ludwig im Beuroner Kunststil
  28. Klosteranlage Schöntal - Humor in barockem Ambiente
  29. Kunst und Kultur hinter Klostermauern - Wieder Leben in Kloster Wechterswinkel eingekehrt
  30. Das Pantheon in Rom könnte als Vorbild für die Sankt-Andreas-Kirche in Wonfurt gedient haben
  31. Ein Barockjuwel hoch über dem Dorf - Die Barockkirche Sankt Cyriakus in Schwemmelsbach
  32. Mutmaßungen über den Knoten aus Stein - Rätselhafte Vergangenheit der Kunigundenkapelle bei Buch
  33. Kloster Bronnbach: Ein Ort der Entschleunigung
  34. Neumünster in Würzburg - Heimstatt der Heiligen
  35. Als ein Bauer im Acker eine Hostie fand - Entstehunggeschichte der Herrgottskirche in Creglingen
  36. Rundkirche Holzkirchen: Die heitere Schönheit im Aalbachtal
  37. Akribische Spurensuche nach dem ersten Abt des Klosters Neustadt am Main
  38. Fährbrück im Tal sieht man von überall
  39. Die schöne Madonna mit ihrem Kinde - In Effeldorf befindet sich die einzige Loreto-Kapelle in Nordbayern
  40. Klosterkirche Frauenroth: Ein Kleinod im Verborgenen
  41. Dem romanischen Stilempfinden abgelauscht: Die Heilig-Geist-Kirche in Schweinfurt
  42. Beten und Meditieren im Karmelitenkloster neben der Kneipenmeile
  43. Kartäuserklosters Astheim: Wo Raum und Zeit ineinander fließen
  44. Die Abtei Münsterschwarzach ist ein Monument des Glaubens
  45. Die Kultur-Kirche in Waldbüttelbrunn als Mittelpunkt des Gemeindelebens
  46. Johanniskapelle in Gerolzhofen: Die wachgeküsste Schönheit
  47. Kirchenburg in Mönchsondheim: Wo die gute alte Zeit lockt
  48. Bin dann mal auf dem Marienweg
  49. Eine Prügelei und ihre Folgen - Entstehung der Wallfahrtskirche Maria im Sand
  50. Nach den Regeln des Heiligen Benedikt: Leben im Kloster Schwanberg

Schlagworte

  • Klöster
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0