TRIEFENSTEIN

Kloster Triefenstein: Ein idyllischer Ort zum Auftanken

Hier haben sie sich getroffen, die großen Meister des 18. Jahrhunderts: Die Stuckateure der Familie Bossi, der Bildhauer Johann Peter Wagner und der Freskenmaler Januarius Zick.

 

Die Barockkirche: Mattgoldener Zierrat, dazwischen Weiß und ein Hauch von Rot am Hochaltar verbinden sich in Harmonie. Foto: Günter Reinwarth

Hier haben sie sich getroffen, die großen Meister des 18. Jahrhunderts: Die Stuckateure der Familie Bossi, der Bildhauer Johann Peter Wagner und der Freskenmaler Januarius Zick. Ein starkes Team, das mit der Ausgestaltung von Kloster Triefenstein im Landkreis Main-Spessart ein Kleinod hinterlassen hat, das mit seinen zwei in den Himmel ragenden Kirchtürmen, den idyllischen Innenhöfen und malerischen Winkeln Augen beglückt, Herz und Gemüt tief berührt und zum Auftanken der Seele einlädt.

Wer die äußerlich schlichte Barockkirche betritt, verharrt erst einmal staunend und sprachlos. Die Geschlossenheit mag es sein, die mitten in die Seele trifft. Das beruhigende Meergrün an den Wänden, überall mattgoldener Zierrat, dazwischen Weiß und ein Hauch von Rot am Hochaltar verbinden sich in vollendeter Harmonie. Die Klarheit des Klassizismus bremst den Überschwang von Barock und Rokoko, trotzdem bleibt für beide Stilrichtungen genügend Raum an Altären, Deckenfresken, Medaillons, Säulen und Kanzel. Dort glänzen die Köpfe der seinerzeit bekannten Erdteile Amerika, Afrika, Asien und Europa.

Petrus und Paulus

Neben dem Hochaltar stehen die Patrone der Kirche, die Apostel Petrus und Paulus. Sie finden sich auch wieder in verschiedenen Deckenfresken. In einem schweben beide auf einer prallen Wolke, umgeben von Engelchen mit Blütenkränzen und Palmwedeln: die Aufnahme der Heiligen in den Himmel, zwischen sich die aufgeschlagene Bibel.

Der Innenraum ist schlicht gegliedert. Das rechteckige Kirchenschiff mündet in einem halbrunden Chorraum. Die großen Fenster rechts lassen viel Helligkeit in die Kirche, die linken Fenster sind verspiegelte Attrappen. Chorgestühl und Sakristeitür bestechen mit den gradlinigen Formen der klassischen Antike.

 

Kloster Triefenstein: heute ein Seminarhaus der Christusträger.
Die Orgel fügt sich nahezu schwebend in das Gotteshaus. Immer wieder wurde sie um- und neu gebaut. Wegen der Säkularisation konnte der Orgelmacher Franz Zettler aus Kitzingen sein Werk nicht vollenden, die Orgel schwieg 200 Jahre lang. Seit 1990 jubiliert sie wieder bei besonderen Gottesdiensten der Anfang der 60er Jahren entstandenen Christusträger Bruderschaft. Die evangelische Kommunität ist seit 1986 hier tätig und hat neben Triefenstein Niederlassungen in der Schweiz, in Meißen, in Kabul (Afghanistan) und Vanga (Kongo). Die Brüder führen die Geschichte des Betens und Arbeitens fort, das schon einst Augustinerchorherren von 1102 bis 1803 hier pflegten.

Chorherrenstift der Augustiner

Begonnen hat die Geschichte des Klosters schon im Jahr 1088 mit einer Kapelle, die dem heiligen Petrus geweiht war. Dort hatte nach der Legende ein Dekan vom Würzburger Neumünsterstift gerastet und gebetet, der die Stadt in den Wirren des Investiturstreites als Papsttreuer verlassen hatte. Nach seiner Idee sollte in dieser Idylle ein reformtreues Augustiner Chorherrenstift gegründet werden. Der Würzburger Bischof Emehard bestätigte die Klostergründung, Papst Kalixt II. gewährte 1123 ein Schutzprivileg, doch ein Brand zerstörte 20 Jahre später das Kloster und die Kirche.

Im Lauf der Jahrhunderte wurden Kirche und Kloster von den Geschehnissen der Geschichte gebeutelt. In den Jahren ab 1687 trug man die Kirche großenteils ab und errichtete das Gebäude so, wie es heute noch zu sehen ist, die Innenausstattung dagegen wurde neu gestaltet. Natürlich fiel das Kloster 1802/03 der Säkularisation zum Opfer.

Das war das Ende der Chorherren, das renommierte Fürstenhaus Löwenstein-Wertheim-Freudenberg wurde neuer Besitzer der gesamten Anlage. Nach verschiedenen zivilen und militärischen Nutzungen übernahm die evangelische Christusträger Bruderschaft 1985 sämtliche Besitztümer, renovierte sie Stück für Stück und bietet seitdem ihre Lebenshilfe in einem breit gefächerten Programm an.

 

Kloster Triefenstein

Die Klosteranlage ist über die A3 Richtung Frankfurt, Ausfahrt Marktheidenfeld, zu erreichen. Von dort weiter in Richtung Markt Triefenstein. Heute nutzt die evangelische Christusträger Bruderschaft die gesamte Anlage. Das Haus hat im Gästebereich 14 Einzel- und 30 Doppel- und vier Familienzimmer. Den Gästen stehen Kirche, Kapelle, Cafeteria und mehrere Gruppenräume sowie Spiel- und Sportplätze zur Verfügung.

 

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