SCHÖNTAL

Klosteranlage Schöntal - Humor in barockem Ambiente

In einer prächtigen Klosteranlage im Jagsttal liegt der vermutlich meistzitierte Deutsche begraben. Unter dem Kreuzgang in der sogenannten Neuen Abtei von Kloster Schöntal hat Götz von Berlichingen seine letzte Ruhestätte gefunden. Doch nicht nur literarisch Interessierte – kein Geringerer als Goethe hat den Ritter mit der eisernen Hand im Schauspiel „Götz von Berlichingen“ verewigt – finden im Kloster Schöntal kulturhistorische Schätze.
Da freut sich das Auge des Betrachters: das prächtige hölzerne Rokoko-Treppenhaus von Kloster Schöntal. Foto: Thomas Obermeier

Die Anlage mit dem barocken Gepräge dominiert, inmitten grüner Hänge gelegen, speciosa vallis, das „schöne Tal“, nach dem sie benannt ist. Die 1157 gegründete Zisterzienserabtei beherbergt seit 1979 ein Tagungshaus der Diözese Rottenburg-Stuttgart. In den älteren Gebäudeteile der weitläufigen Klosteranlage leben heute Privatleute. Auch das Rathaus der Gemeinde Schöntal ist hier untergebracht. Die eindrucksvolle Barockkirche aber kann besichtigt werden und in der Neuen Abtei werden nach Anmeldung Führungen angeboten.

Diese Neue Abtei (auch Konventflügel genannt), dank barocker Großzügigkeit weitläufig und prachtvoll, hat sich für die heutige Nutzung als ideal erwiesen. Seminare und Tagungen, aber auch spirituelle Workshops werden hier abgehalten. Den barocken Touch hat übrigens der in Lauda geborene Abt Benedikt Knittel der Anlage verliehen. Unter ihm erlebte Kloster Schöntal, nachdem Bauernkrieg und Dreißigjähriger Krieg es arg gebeutelt hatten, seine zweite Blütezeit.

 

Sehenswert: Kloster Schöntal birgt viele kunsthistorische Kostbarkeiten.
Knittel, der von 1650 bis 1732 lebte, war nicht nur Geistlicher, sondern auch leidenschaftlicher Dichter. Seine kurzen, oft humorigen Verse sind noch heute im Konventflügel zu sehen – über den Türen von Zimmern, Speisesaal, Kapelle und sogar Toiletten. Und nein: Benedikt Knittel ist nicht der Erfinder der gleichnamigen Knittelverse. Wie sein Alltag ausgesehen haben mag, lässt sich bei der Besichtigung seines „Arbeitszimmers“ erahnen. Heute ist es fast unmöbliert bis auf einen Schrank, der es im wahrsten Sinne des Wortes in sich hat. Er lässt sich aufklappen und gibt den Zugang zu einem ehemaligen Geheimgang frei. Abt Knittel war gerne gut informiert.

Die heute nur noch spärliche Möblierung der historischen Räumlichkeiten ist das Ergebnis der Säkularisierung im Jahr 1802. Damals wurde alles aus dem Kloster herausgeschleppt, was nicht niet- und nagelfest war. Deshalb ist der in der Wand verankerte Schrank noch da, und so hat sich auch eine besondere Kostbarkeit erhalten: der Ordenssaal. Er diente zu Knittels Zeit als eine Art Warteraum, bevor man zum Abt vorgelassen wurde. Direkt auf die hölzernen Wände aufgemalt sind mehr als 300 Abbildungen geistiger und weltlicher Orden.

Ein Jagdzimmer, wie es in Schöntal den Räumlichkeiten des Abtes angegliedert ist, würde man hingegen eher in einem Schloss denn in einem Kloster vermuten. Für Zisterziensermönche, die Selbstversorger waren, war die Jagd jedoch eine wirkliche Selbstverständlichkeit. Eher unüblich ist lediglich die Erweiterung um das barocke Ambiente der Anlage, werden doch die Zisterzienser eher mit der Romanik oder Gotik in Verbindung gebracht.

Wanderungen und Wasserspaß

Barock in Hülle und Fülle bietet die hohe, helle Klosterkirche. Wer einen Abstecher ins Rokoko machen möchte, kann das himmelstrebende hölzerne Rokoko-Treppenhaus in der Neuen Abtei besichtigen. Kunstvoll bemalt, sollte es die Besucher gleich beim Eintritt angemessen beeindrucken. Heute können Besucher entspannt durch die Anlage wandern. Es gibt ein Infozentrum sowie ein Café. Nicht nur Kultur, sondern auch Natur bieten Kloster Schöntal und seine Umgebung. Wanderungen sind ebenso möglich wie Radtouren oder Wasserspaß an der Jagst.
 

 

Kloster Schöntal

Die Klosterkirche ist im Winterhalbjahr von 8 bis 17 Uhr, im Sommerhalbjahr von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Das Informationszentrum in der Alten Abtei ist dienstags bis samstags von 11 bis 16 Uhr, sonntags von 13 bis 18 Uhr zugänglich.

Führungen durch die Klosterkirche von Mai bis September an Sonn- und Feiertagen um 15 Uhr. Informationen unter: www.schoental.de oder www.kloster-schoental.de

 

 

 

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