FRAUENROTH

Klosterkirche Frauenroth: Ein Kleinod im Verborgenen

In der Region führt die Klosterkirche Frauenroth (Lkr. Bad Kissingen) ein Schattendasein. Einheimische verbinden damit nur, dass dort Graf Otto von Botenlauben und seine Frau Beatrix ihre letzte Ruhe fanden. Deshalb ist der monumentale Sakralbau aus dem 13. Jahrhundert aber auch über die Kreisgrenzen hinaus bekannt: Das Hochgrab des Stifterehepaares ist nämlich das bedeutendste Ausstattungsstück aus der Stauferzeit (1270-80).

 

Monumentaler Sakralbau: Das Zisterzienserinnenkloster Frauenroth führt in der Region eher ein Schattendasein. Foto: Isolde Krapf/Frank Kupke

In der Region führt die Klosterkirche Frauenroth (Lkr. Bad Kissingen) ein Schattendasein. Einheimische verbinden damit nur, dass dort Graf Otto von Botenlauben und seine Frau Beatrix ihre letzte Ruhe fanden. Deshalb ist der monumentale Sakralbau aus dem 13. Jahrhundert aber auch über die Kreisgrenzen hinaus bekannt: Das Hochgrab des Stifterehepaares ist nämlich das bedeutendste Ausstattungsstück aus der Stauferzeit (1270-80).

Die Kirche des Zisterzienserinnenklosters „Novale Sanctae Mariae“ war ursprünglich eine Basilika mit Querhaus und zwei Neben-Apsiden. Heute gilt das Bauwerk unter Kunstbeflissenen offenbar als Geheimtipp. Wie sonst ist es zu erklären, dass monatlich rund 200 Touristen aus dem In- und Ausland den Weg ins nördliche Seitental der Aschach finden. Zudem reisen auch Busgesellschaften aus dem In- und Ausland an. Immerhin ziert das Frauenkloster ja auch die bayerische Denkmalliste und wurde vor einiger Zeit sogar auf der „Haager Liste zum Schutz von Kulturgut gegen bewaffnete Konflikte“ aufgenommen.

 

Aus der Stauferzeit: Das Hochgrab des Stifterehepaars
Graf Otto aus dem Geschlecht der Henneberger schloss sich 1197 dem Kreuzfahrer-Heer Heinrichs IV. an. Im Heiligen Land gewann er die Tochter des Seneschalls im Königreich Jerusalem, Beatrix von Courtenay, zur Frau. Ab 1220 residierte er mit ihr auf der Kissinger Burg Botenlauben. 1231 tauschte er beim Bistum Würzburg sein Dorf Egenhausen bei Schweinfurt gegen Burkardroth ein und ließ hernach auf seiner Flur das Kloster Frauenroth errichten. Denn der Wind hatte den weißen Schleier seiner Frau von Burg Botenlauben über Wald und Flur genau an diesen Standort geweht, heißt es in der so genannten Schleier-Sage. Als das Kloster 1234 fertig gestellt war, starb Gräfin Beatrix. Später, nach Ottos Tod, verwaltete das Hochstift Würzburg das Nonnenkloster. 1558 starb dort die letzte Äbtissin Amalie von Rumrod. 1574 wohnten noch 28 Nonnen in Frauenroth. Danach ist vom Klosterleben nichts mehr überliefert.

1640 wurden Kirche und Kloster gebrandschatzt, nur Chor und Stiftergrab blieben aus der Zeit relativ heil erhalten. Zwölf Jahre später wurden Kirche und Wirtschaftsgebäude von Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn wieder aufgebaut. Vermutlich 1686 riss man die Seitenschiffe und die Nonnen-Empore ab. Frauenroth nahm wohl zu dieser Zeit den Charakter einer Dorfkirche an, die heute St. Blasius geweiht ist.

Unter dem Sakralbau soll früher einmal ein Bächlein geflossen sein. Vielleicht war deshalb das Fundament der Kirche so stark von Feuchtigkeit durchdrungen, dass sich die Mauern an verschiedenen Stellen senkten. Das Staatliche Bauamt Schweinfurt ließ 2002 am Mauerwerk Monitore anbringen, über die man vier Jahre lang beobachten konnte, wie das Kirchlein allmählich in sich einsank.

Im Dezember 2006 machte man sich an die aufwändige Sanierung der Kirche, die alles in allem rund eine Million Euro verschlingen soll. Zunächst wurde der Untergrund gesichert. Man festigte das rissige Mauerwerk mit Spannankern in einem aufwändigen Nassbohrverfahren. Die schonende, aber grundsolide Sanierungsart wurde in Frauenroth zum ersten Mal an einer Kirche erprobt, weswegen die Maßnahme zum nordbayerischen Modellprojekt wurde.

2008 wurden Mauerwerk und Dachstuhl in Stand gesetzt. Ein Jahr später bekam die Kirche mit der Farbe den letzten Schliff. Ende 2010 wollen Staatliches Baumt und Bischöfliche Kammer nun an die Sanierung des Kirchenraums gehen. Denn dort ist seit drei Jahren alles eingerüstet: Kirchenbänke, Altar und Heiligenfiguren sind allesamt unter Decken und Planen verschwunden. Das Grab des Stifterpaars ist derzeit komplett in Holz eingehaust.

 

Kloster Frauenroth

Öffnungszeiten: Die Klosterkirche ist im Sommer von 8 bis 20 Uhr geöffnet, im Winter wird sie bereits um 18 Uhr abgeschlossen. Während die Innensanierung läuft, bleiben die Türen zu. Interessierte Besucher können jedoch beim Nachbarn Rudolf Metz klingeln. Er hat seit 17 Jahren die Schlüsselgewalt über das Kirchengebäude und lässt Besucher dann mal kurz ins Innere spitzen.

Kontakt: Rudolf Metz, Klostermauer 1, 97705 Frauenroth, Tel. (0 97 34) 14 42. 

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